Zweimal täglich starten auf der Hohen Warte Wetterballons mit Radiosonden. Ihre Aufgabe: Datengenerierung für die Erstellung von Wettermodellen. Wohin sie fliegen und wo sie landen wissen nicht nur die Meteorolog:innen der GeoSphere Austria. Rund um die Ortung und Bergung der Radiosonden hat sich eine Community gebildet, die der Meteorologie im wahrsten Sinn des Wortes wertvolle Dienste leistet
Mittag und Mitternacht – das sind die beiden Zeitpunkte, zu denen auf der Hohe Warte in Wien Mitarbeiter:innen der GeoSphere Austria Wetterballone steigen lassen. Diese haben zu Beginn einen Durchmesser von rund 1,5 Metern, steigen mit einer Geschwindigkeit von fünf bis sechs Metern pro Sekunde, erreichen eine Höhe von bis zu 35 Kilometer und dehnen sich dort auf bis zu zehn Meter aus. An einer 40 Meter langen Schnur transportieren diese Ballone wertvolles Gut: Eine Radiosonde. Sie misst Feuchte, Temperatur und Luftdruck. Und sie überträgt in Intervallen von ein bis zwei Sekunden – zusätzlich die GPS-Daten über Funk.

Radiosonde auf der Hohen Warte in Wien. Credit: GeoSphere Austria

Radiosonde auf der Hohen Warte in Wien. Credit: GeoSphere Austria
Jäger und Sammler
„Nicht nur wir verfolgen die Flugbahn“, betont GeoSphere Austria-Techniker Philemon Löffelmann. Er und seine Kolleg:innen sind im Schichtdienst für die Befüllung der Ballone mit Wasserstoff zuständig – und für ihren erfolgreichen Aufstieg. Zum Einsatz kommen zwei Radiosonden verschiedener Hersteller: Die eine ist cirka 30 Gramm schwer, die andere etwa 100 Gramm. Erstere braucht keinen Fallschirm, zweitere sehr wohl. Denn im Bestfall erreichen die Ballone die Stratosphäre und platzen dort. Die Radiosonden kehren zur Erde zurück – wo sie schon von „Sondenjäger:innen“ erwartet werden.
Bis zu 70 Prozent der Sonden kehren zurück
„Sondenjäger:innen“ sind der GeoSphere Austria eine große Hilfe. Unter anderem über die Webseite SQ6KXY Radiosonde Tracker — Meteorologische Sonden Datenbank organisieren sie sich und tauschen sich aus. Die via Funk georteten Wetterballone werden schon im Flug aufmerksam verfolgt, der „Absturzort“ exakt dokumentiert. „Man kann sich über die Webseite zur Abholung einer Radiosonde anmelden. Das ist deshalb sinnvoll, weil sonst möglicherweise mehrere zu einem Fundort fahren und dann enttäuscht sind“, erklärt Philemon Löffelmann. Die Sonden – bestehend aus Styroporgehäuse, Sensorik und Elektronik – werden im Normallfall bei der GeoSphere Austria abgeliefert. „Auf diese Weise können wir bis zu 70 Prozent der gefundenen Radiosonden wiederverwenden“, freut sich Löffelmann.
Weltweites Phänomen
Wetterballone steigen rund um den Globus, immer zur selben Zeit. Pünktlichkeit ist dabei oberstes Gebot, denn die Daten der Radiosonden werden zur Erstellung von Wettermodellen herangezogen. Flughöhe und Flugbahn lassen erahnen, dass Ballone der GeoSphere Austria nicht zwangsläufig in Österreich „landen“. Aber die Funkamateure sind bestens vernetzt, sagt Löffelmann: „Wir haben auch schon 100 Stück ungarische Sonden bekommen.“







