Altaussee – Wien: Paul-Preuss-Preis geht an Igor Koller

Internationale Bergtage im Wiener Rathaus – Wo sich die Welt des Alpinismus traf

In einem feierlichen Rahmen wurden am Samstag im Wiener Rathaus die neu ins Leben gerufenen „Wiener Bergtage“ eröffnet. Im großen Sitzungssaal, in dem sonst der Wiener Stadtsenat tagt, spannte sich an diesem Abend ein weiter Bogen von den Anfängen des Alpinismus bis zu den aktuellen Herausforderungen und Zukunftsfragen des Bergsteigens. Die „Wiener Bergtage“ sollen künftig regelmäßig zu einem Treffpunkt des internationalen Alpinismus werden, europäische Bedeutung erlangen und zugleich global ausgerichtet sein. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur herausragende Leistungen am Berg, sondern auch die Frage, wie sich Bergsport, Natur und Gesellschaft in Zukunft entwickeln werden.

Wie aktuell und dringlich diese Fragen sind, machte VAVÖ-Präsident Gerald Dunkel-Schwarzenberger deutlich. Der Klimawandel verändert die Bergwelt in rasantem Tempo. Gletscher ziehen sich zurück, Routen verändern sich, Hütten und Wege stehen vor neuen Herausforderungen. Doch seine Botschaft ging weit über Klimawandel und Bergsport hinaus: „Freiheit braucht Verantwortung und Gemeinschaft.“ Gerade am Berg müsse man immer wieder Entscheidungen treffen – und manchmal brauche es nicht den Mut zum Gipfel, sondern den „Mut zum Umkehren“.

Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Alpenverein und Naturfreunden wurde bei der Eröffnung hervorgehoben. Gleichzeitig wurden die Exped-Kader der beiden Vereine vorgestellt. In diesen Kadern werden talentierte Nachwuchsalpinisten gezielt ausgebildet und auf anspruchsvolle alpine Unternehmungen vorbereitet. Damit wurde auch ein Blick in die Zukunft des österreichischen Alpinismus geworfen.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion. Im Mittelpunkt standen drei Fragen, die den modernen Bergsport zunehmend beschäftigen:
Wie verändert der Klimawandel das Bergsteigen?
Wie stark beeinflussen Social Media das Verhalten in den Bergen?
Und wie viel Tourismus vertragen die Alpen?

Mit Gerlinde Kaltenbrunner, Barbara Zangerl und Dani Arnold diskutierten drei international erfolgreiche Persönlichkeiten des Alpinismus über diese Entwicklungen. Als Diskussionsleiter führte Alexander Huber wortgewaltig und pointiert durch diese spannende Diskussion.

Gerlinde Kaltenbrunner, die als erste Frau alle 14 Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff bestieg, verwies auf die unmittelbaren Folgen des Klimawandels für den Alpinismus: „Es wird wahrscheinlich Routen und Touren auf Berge geben, die man in Zukunft nicht mehr klettern kann …“ Damit wird deutlich, dass der Klimawandel längst nicht mehr nur eine abstrakte Zukunftsfrage ist, sondern bereits heute die Möglichkeiten des Bergsteigens verändert.

Auch Alexander Huber nahm den zunehmenden Ansturm auf die Berge kritisch unter die Lupe. „Von einigen Tourismusmanagern werden die Alpen, die Berge als Spielplätze eindrucksvoll und unheimlich schön dargestellt, dass man sich nicht wundern braucht, wenn alle in die Berge strömen und dann die Bergrettung ausrücken muss – auch hier muss ein Umdenken stattfinden …“ Damit wurde die Verantwortung von Tourismus, Medien, Bergsportlern und letztlich auch jedem Einzelnen angesprochen.

Paul Preuss Preis für Igor Koller

Im Mittelpunkt des letzten Programmpunktes stand schließlich der slowakische Ausnahmekletterer Igor Koller. Für sein Lebenswerk wurde der 74-jährige Slowake mit dem Paul Preuss Preis ausgezeichnet.

Koller ist damit der 14. Träger dieser besonderen Auszeichnung, die seit 2013 an Persönlichkeiten vergeben wird, die nicht nur außergewöhnliche alpinistische Leistungen vollbracht haben, sondern zugleich für eine besondere Ethik des Bergsteigens stehen. Vor Igor Koller erhielten unter anderem Reinhold Messner, Hanspeter Eisendle, Alexander Huber, Catherine Destivelle, Dani Arnold und zuletzt Barbara „Babsi“ Zangerl den Paul Preuss Preis.

Igor Koller passt wie kaum ein anderer in diese Reihe. Der ausgebildete Bauingenieur, Fotograf und Journalist prägte über Jahrzehnte den slowakischen Alpinismus. Er war Generalsekretär und später Präsident des Bergsteigerverbandes JAMES und hinterließ mit unzähligen Erstbegehungen seine alpinistische Handschrift – von der Hohen Tatra über das Bergell bis ins Karakorum im Himalaya.

Seine wohl größte klettertechnische Leistung wurde zum Mythos der internationalen Kletterszene. Gemeinsam mit Jindřich Šustr eröffnete Koller im August 1981 den „Weg durch den Fisch“ in der Marmolada-Südwand. Eine Kletterroute durch eine rund 900 Meter hohe Wand, die damals eine kaum vorstellbare Schwierigkeit darstellte – und vor allem: ohne Bohrhaken. Die Route wurde damit zu einem Meilenstein des modernen Alpinkletterns und steht bis heute für eine Kletterethik, bei der Eigenverantwortung, Können und der respektvolle Umgang mit dem Berg im Mittelpunkt stehen.

Laudator Jan Mersch und der Obmann der Paul Preuss Gesellschaft Joe Bachler zeichneten im Wiener Rathaus jedoch nicht nur das Bild eines kompromisslosen Spitzenkletterers, sondern erinnerten auch an Kollers Rolle als Mentor, Förderer junger Alpinisten und jahrzehntelangen Impulsgeber für die internationale Kletterszene. Gerade diese Verbindung aus außergewöhnlicher Leistung, persönlicher Haltung und der Weitergabe von Erfahrung zieht sich wie ein roter Faden durch das Lebenswerk des Slowaken.

Und wer glaubt, Igor Koller lebe inzwischen nur noch von seinen Erinnerungen, der irrt gewaltig. Noch im vergangenen Jahr wiederholte Koller im Alter von 73 Jahren in der Hohen Tatra eine Route, die er 51 Jahre zuvor selbst erstbegangen hatte. Dabei führte er erneut die beiden schwierigsten Seillängen. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass seine Leidenschaft für das Klettern bis heute ungebrochen ist.

Who’s who des internationalen Alpinismus im Wiener Rathaus

An diesem Abend versammelte sich das Who’s who des internationalen Alpinismus. Neben Gerlinde Kaltenbrunner, Hanspeter Eisendle, Alexander Huber, Robert Schauer, Dani Arnold und Barbara Zangerl waren zahlreiche weitere bekannte Bergsteiger und Kletterer bei der Eröffnung der ersten Internationalen Bergtage anwesend.

Auch das Salzkammergut war prominent vertreten. Mit Hans Gapp, Walter Laserer, Gerhard Pilz, Christian Hütter und Markus Raich waren gleich mehrere bekannte Persönlichkeiten aus der Region bei diesem besonderen Abend im Wiener Rathaus dabei. Sie verfolgten die Veranstaltung ebenso aufmerksam wie die anschließende Preisverleihung.

Für das Ausseerland hatte der Abend dabei eine ganz besondere Verbindung: Im vergangenen Jahr wurde der Paul Preuss Preis in Altaussee verliehen. Mehr als 300 Top-Alpinisten aus dem In- und Ausland waren damals ins Ausseerland, nach Altaussee in die Heimat Paul Pruss‘ gekommen und machten Altaussee für einen Abend zum internationalen Treffpunkt der Bergsteiger- und Kletterszene.

Mit den ersten „Wiener Bergtagen“ wurde diese Idee nun in einem noch größeren Rahmen fortgeführt. Das Wiener Rathaus wurde zum Treffpunkt einer internationalen Bergwelt, die sich nicht nur mit spektakulären Gipfeln und Kletterrouten beschäftigt, sondern zunehmend auch mit Verantwortung, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Nachwuchsförderung und der Frage, wie die gemeinsame Zukunft von Mensch und Berg aussehen kann.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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