Zwischen Hauswand und Blumentopf: Naturschutzbund beleuchtet (un)beliebte Nützlinge direkt vor unserer Haustür

Warum Hundertfüßer, Spinnen und Springschwänze wertvolle Mitbewohner rund ums Haus, auf Balkon und Terrasse sind, erfährt man im Folgenden.

Wir teilen unsere Wohnräume und die daran anschließenden Außenbereiche mit einer Vielzahl von Tieren. Während Vögel, Schmetterlinge oder Igel größere Aufmerksamkeit erhalten, bleiben viele kleine Bewohner an Hausmauern, Terrassen, Balkonen und Fensterläden oft unbemerkt. Dabei erfüllen gerade diese unscheinbaren Tiere wichtige Aufgaben für das ökologische Gleichgewicht unmittelbar vor unserer Haustür.

Hundertfüßer – natürliche Schädlingsbekämpfer
Entdeckt man einen Hundertfüßer zwischen Mauerritzen oder unter einem Blumentopf, sorgt dies oft für Unbehagen. Sein langgestreckter Körper und die zahlreichen Beine wirken für viele Menschen beängstigend. Tatsächlich sind Hundertfüßer jedoch vollkommen harmlose und äußerst nützliche Bewohner unserer Siedlungsräume. Die zu den ältesten Landtieren der Erde zählenden Gliederfüßer leben bevorzugt in feuchten und dunklen Verstecken. Tagsüber halten sie sich in Spalten, unter Steinen oder zwischen Pflanzgefäßen auf, nachts gehen sie auf die Jagd. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Mücken, Fliegenlarven, Blattläuse, Asseln und weitere Kleintiere. Für Pflanzen stellen Hundertfüßer keinerlei Gefahr dar. Sie fressen weder Wurzeln noch Blätter und verursachen keine Schäden an Balkon- oder Gartenpflanzen. Stattdessen tragen sie dazu bei, Bestände potenzieller „Schädlinge“ auf natürliche Weise zu regulieren. Zu den häufigsten Arten zählen der Steinläufer (Lithobius forficatus) sowie der Mauerläufer (Lamyctes emarginatus), der besonders in feuchteren Bereichen rund um Gebäude anzutreffen ist.

Spinnen – unverzichtbare Jägerinnen an Haus und Balkon
Kaum ein Tier ist so missverstanden wie die Spinne. Netze an Fenstern oder Balkonen werden oft rasch entfernt, obwohl ihre Erbauerinnen zu den wichtigsten Nützlingen in unserer unmittelbaren Umgebung zählen. Viele heimische Spinnenarten haben sich hervorragend an das Leben in menschlicher Nähe angepasst. Fensterrahmen, Dachvorsprünge, Fensterläden oder die Zwischenräume von Blumentöpfen bieten ideale Bedingungen für ihre Jagd. Zu den häufigsten Arten zählen die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus), die Zebraspringspinne (Salticus scenicus) sowie die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides). Mit ihren Fangnetzen oder ihrer aktiven Jagdweise erbeuten sie täglich zahlreiche Fliegen, Mücken, Motten und andere Insekten. Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Insektenpopulationen rund um Haus und Garten. Trotz ihres oftmals schlechten Rufs sind die meisten heimischen Spinnenarten für Menschen völlig ungefährlich. Sie meiden den Kontakt zu uns und ziehen sich bei Störungen rasch zurück. Gleichzeitig bilden sie selbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Eidechsen und andere Tiere und sind somit ein bedeutender Bestandteil heimischer Nahrungsketten.

Springschwänze – die unsichtbaren Helfer im Blumentopf
Ein Großteil des Lebens auf Balkon, Terrasse oder Fensterbank spielt sich verborgen im Boden von Pflanzgefäßen ab. Zu den häufigsten Bewohnern von Blumentöpfen & Co. zählen die Springschwänze (Collembola). Die nur wenige Millimeter großen Tierchen werden oft erst bemerkt, wenn sie bei Berührung plötzlich davonspringen. Nicht selten werden sie für Pflanzenschädlinge gehalten. Tatsächlich ernähren sich die meisten Arten von Pilzen, Algen sowie abgestorbenen Pflanzen- und Tierresten. Durch diese Lebensweise fördern Springschwänze die Zersetzung organischen Materials und tragen dazu bei, Nährstoffe im Boden verfügbar zu machen. Sie gelten als wichtige Bodenorganismen und kommen sowohl in Pflanzgefäßen im Freien als auch in Zimmerpflanzen vor. Als natürliche Bodenhelfer unterstützen sie gesunde Pflanzsubstrate und leisten einen wesentlichen Beitrag zu funktionierenden Kleinstökosystemen.

Hobbyforscher*innen aufgepasst!
Hundertfüßer, Spinne, Springschwanz & Co. gesichtet? Dann gleich Kamera oder Handy zücken und Beobachtungen (un)beliebter Nützlinge – ob in der Wohnung oder an Mauern, Terrassen, Balkonen oder Fensterläden – via Foto auf der Citizen-Science-Plattform des Naturschutzbundes www.naturbeobachtung.at bzw. der gleichnamigen App teilen und damit die Forschung unterstützen. Jedes Foto zählt! 

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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