VCÖ: Verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem umsetzen
Traurige Unfallbilanz: Im Vorjahr wurden in der Steiermark bei Verkehrsunfällen 469 Kinder verletzt, um 21 Prozent mehr als im Jahr 2024. Das ist die höchste Anzahl verletzter Kinder seit dem Jahr 2008, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Es braucht verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.
Die Anzahl der im Straßenverkehr verletzten Kinder ist in der Steiermark im Vorjahr stark gestiegen. Mit 469 wurden um 81 Kinder mehr bei Verkehrsunfällen verletzt als im Jahr 2024. Mehr Kinder als im Vorjahr wurden zuletzt im Jahr 2008 im Straßenverkehr verletzt. “Kinder sind die Schwächsten im Verkehr. Unser Verkehrssystem muss auf Kinder mehr Rücksicht nehmen. Es braucht verstärkte Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem, insbesondere dort, wo Kinder viel unterwegs sind, also in den Gemeinden und Städten”, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Konkret heißt das zum einen, mehr Verkehrsberuhigung im Ortsgebiet und mehr Tempo 30 statt 50. Der Vergleich des Anhaltewegs von Autos verdeutlicht die Wichtigkeit von niedrigerem Tempo: Ein Pkw, der bei 30 km/h einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von elf Metern hat, steht mit 50 km/h erst nach 24 Metern und hat nach elf Metern noch eine Geschwindigkeit von 48 km/h. Wird ein Kind mit dieser Geschwindigkeit angefahren, sind schwerste Verletzungen die Folge.
Wichtig sind zudem ein durchgängiges Netz an Gehsteigen, die ausreichend breit sind, und übersichtliche Straßenübergänge. Der VCÖ fordert die Ausweitung des Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von fünf auf zehn Metern, denn die Zahl hoher Autos, wie Lieferwagen oder große SUV, nimmt zu, wodurch häufiger parkende Fahrzeuge Autofahrern die Sicht auf Kinder verstellen, die einen Schutzweg überqueren möchten. Obwohl viele Kinder mit Bussen unterwegs sind, gibt es nach wie vor viele Bushaltestellen, die nicht über einen sicheren Straßenübergang erreichbar sind, wie zuletzt auch bei der VCÖ-Initiative “Haltestellen im Fahrgast-Check” sichtbar wurde. Sogar bei Haltestellen entlang von Freilandstraßen, wo das Tempo des Verkehrs sehr hoch ist, wurden fehlende sichere Straßenübergänge von Fahrgästen gemeldet.
Der VCÖ ruft zudem wichtige StVO-Regelungen zum Schutz von Kindern in Erinnerung. Kinder sind vom Vertrauensgrundsatz in der Straßenverkehrsordnung ausgenommen, das heißt konkret: “(.) Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und Bremsbereitschaft, so dass eine Gefährdung ausgeschlossen ist.” (StVO, § 3) Zudem gilt für Kinder die Regelung des “unsichtbaren Schutzweges”: Ist ersichtlich, dass ein Kind die Straße überqueren möchte, dann ist ihm dies auch dort zu ermöglichen, wo es keinen Schutzweg gibt (StVO, §29 a/1).
Sehr wichtig sind auch Maßnahmen, die das Unfallrisiko für radfahrende Kinder reduzieren. Kinder benötigen gute Radwege und sichere Bedingungen zum Radfahren, daran erinnert dieses Wochenende österreichweit die Kidical Mass, die auch in Graz veranstaltet wird. “Radfahren ist bei vielen Kindern beliebt. Gerade in einer Zeit, in der über Bewegungsmangel bei Kindern geklagt wird, ist das Radfahren für Kinder eine Chance, auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung zu kommen. Umso wichtiger sind insgesamt mehr Radwege und niedrigeres Tempo im Ortsgebiet”, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Wie radfahrfreundlich die steirischen Gemeinden und Städte für Kinder und Erwachsene sind, erhebt der VCÖ derzeit im Rahmen einer Umfrage. Bis zum 21. Juni kann unter www.vcoe.at/radfahren teilgenommen werden.









