Zum Welttag der Eidechse am 14. August lenkt der Naturschutzbund Österreich die Aufmerksamkeit auf die Mauereidechse (Podarcis muralis).Die kleine Sonnenanbeterin und flinke Kletterkünstlerin besiedelt Trockenmauern, felsige Hänge, Bahndämme sowie alte Steinbrüche und ist eine wichtige Zeigerart für strukturreiche, artenreiche Lebensräume. Doch genau diese Lebensräume verschwinden zunehmend.

Wenn man Mauereidechsen beobachtet, sind in der Regel intakte Trockenlebensräume und gut vernetzte Biotope nicht weit.
© Marlis Wurian
„An der Mauereidechse zeigt sich, wie wertvoll kleinräumige Strukturen für die Artenvielfalt sind. Was für uns wie eine gewöhnliche Steinmauer aussieht, ist für sie Sonnenplatz, Versteck, Kinderstube und Winterquartier zugleich“, sagt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund Österreich. Die Mauereidechse ist eine der sechs heimischen Echsenarten Österreichs. Als wechselwarmes Reptil ist sie auf sonnige, trocken-warme Lebensräume mit einem Mosaik aus sonnenexponierten Steinen, Felsspalten, lockeren Bodenstellen zur Eiablage und frostfreien Verstecken angewiesen. Solche Strukturen finden sich heute vielerorts nur noch in Restbeständen oder in Kulturlandschaften wie Weinbergen, Bahndämmen und alten Gemäuern.
Lebensräume schwinden
Flächenversiegelung, Flurbereinigungen, intensive Nutzung und die Zerschneidung der Landschaft setzen der Mauereidechse zunehmend zu. Zwar profitiert die wärmeliebende Art vielerorts von steigenden Temperaturen, doch ohne Trockenmauern, Steinschlichtungen, Felsen und andere Kleinstrukturen fehlen Sonnenplätze, Verstecke und Fortpflanzungsstätten. Die Art gilt in Österreich als stark gefährdet und steht europaweit unter strengem Schutz. „Besonders problematisch ist, dass diese wertvollen Kleinstrukturen häufig saniert oder entfernt werden, ohne ihre ökologische Bedeutung zu berücksichtigen. Dabei profitieren davon nicht nur Eidechsen, sondern auch Wildbienen, Heuschrecken, Schmetterlinge und viele weitere wärmeliebende Tierarten“, so Trcka-Rojas.
Neue Herausforderungen durch eingeschleppte Unterarten
Mauereidechse ist nicht gleich Mauereidechse: Im gesamten europäischen Verbreitungsgebiet haben sich verschiedene Unterarten und genetische Linien entwickelt. In Österreich kommen natürliche Populationen vor, die sich genetisch von Tieren aus Italien, Slowenien oder anderen Teilen Europas unterscheiden, wie beispielsweise die „Westliche Mauereidechse“. Neben dem Verlust geeigneter Lebensräume breiten sich entlang von Bahnlinien und Verkehrswegen eingeschleppte Unterarten aus anderen Teilen Europas aus, beispielsweise die „Italienische Mauereidechse“ oder die sogenannte „Venetien-Linie“ der Mauereidechse. Genetische Untersuchungen zeigen, dass es sich dabei häufig um Hybride verschiedener europäischer Linien handelt. Diese können mit heimischen Populationen konkurrieren und sich mit ihnen vermischen. Dadurch besteht die Gefahr, dass regional angepasste genetische Besonderheiten verloren gehen. „Die Ausbreitung allochthoner, also nichtheimischer Mauereidechsen und ihre genetische Vermischung mit heimischen Populationen ist ein vergleichsweise junges Naturschutzthema. Gerade deshalb ist es wichtig, nicht nur die Art als Ganzes, sondern auch ihre regionalen Populationen zu erhalten“, betont die Naturschutzbund-Expertin.
Kleine Strukturen mit großer Wirkung
Die Mauereidechse reguliert als Räuberin die Bestände von Insekten, Spinnen und anderen Gliederfüßern und ist gleichzeitig wichtige Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger. Ihr Vorkommen gilt zudem als Indikator für intakte Trockenlebensräume und gut vernetzte Biotope. „Wichtig für den Erhalt unserer Sonnenanbeterinnen ist, bestehende Trockenmauern, Steinhaufen und Böschungen zu erhalten und naturnah zu gestalten. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, keine Mauereidechsen aus anderen Regionen anzusiedeln oder umzusiedeln, da dies heimische Populationen gefährden kann“, sagt Trcka-Rojas.
Hobbyforscher*innen aufgepasst! Um mehr über Vorkommen und Verbreitung der Mauereidechse zu erfahren, bittet der Naturschutzbund, entsprechende Beobachtungen fotografisch festzuhalten und die Bilder auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder in der gleichnamigen App zu teilen.









