Intrazerebrale Blutungen (spontane Gehirnblutungen) zählen zu den schwerwiegendsten Formen des Schlaganfalls. Sie gehen häufig mit akuten neurologischen Symptomen wie halbseitiger Schwäche, Sprachstörungen oder Bewusstseinsveränderungen einher und stellen meist eine lebensbedrohliche Erkrankung dar. Um Ursachen, Verlauf und Behandlung dieser Erkrankung besser zu verstehen, arbeitet die Medizinische Universität Graz gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen im EU-Projekt „CrossReg-4-Health“ an neuen wissenschaftlichen Ansätzen.
Weltweit hohe Zahl an Neuerkrankungen
Spontane Hirnblutungen machen etwa 15 bis 25 Prozent aller Schlaganfälle aus. In Österreich erleiden jährlich rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa 4.000 Personen sind pro Jahr von einer Hirnblutung betroffen. Auch weltweit ist die Zahl an Erkrankungen hoch, es treten jedes Jahr etwa 3,5 Millionen spontane Hirnblutungen auf, rund 70 Millionen gesunde Lebensjahre gehen so verloren. Die Prognose ist häufig ernst, etwa die Hälfte der Betroffenen verstirbt innerhalb des ersten Jahres nach dem Ereignis.
Komplexe Ursachen erfordern intensive Forschung
Die häufigste Ursache spontaner Hirnblutungen sind Erkrankungen kleiner Gehirngefäße, die insbesondere von langjährigem Bluthochdruck mitverursacht werden. Darüber hinaus können die zerebrale Amyloidangiopathie (Gefäßerkrankung des Gehirns), Gefäßmissbildungen oder Gerinnungsstörungen eine wichtige Rolle spielen. „Trotz intensiver wissenschaftlicher Forschung sind viele Mechanismen, die Entstehung, Verlauf und Prognose dieser Erkrankung bestimmen, noch nicht vollständig geklärt, ergänzt Simon Fandler-Höfler, Neurologe an der Med Uni Graz.
Internationale Kooperation für bessere Versorgung
Hier setzt das internationale Kooperationsprojekt „CrossReg-4-Health“ an, in dem die Medizinische Universität Graz eine zentrale Rolle einnimmt. Ziel des EU-Interreg-geförderten Projekts ist es, die Versorgung von Patient*innen mit intrazerebralen Blutungen im österreichisch-slowenischen Grenzraum nachhaltig zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, Universitäten und Gesundheitsfachkräften weiter auszubauen.
Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 900.000 Euro, davon stammen 724.000 Euro aus EU-Fördermitteln. Der Anteil der Med Uni Graz beläuft sich auf 307.000 Euro, wovon 246.000 Euro EU-gefördert sind. Projektpartner*innen sind das Universitätsklinikum Maribor als Lead-Partner, die Medizinische Universität Graz, die Klinik Klagenfurt sowie Alma Mater Europaea Maribor.
Med Uni Graz erforscht Biomarker und Prognose
Innerhalb des Projekts übernimmt die Med Uni Graz die Leitung eines Pilotprojekts zur Erforschung von Biomarkern und modernen bildgebenden Verfahren. Unter der Leitung von Simon Fandler-Höfler von der Universitätsklinik für Neurologie werden Blutbiomarker mit hochauflösender Magnetresonanztomographie kombiniert. Ziel ist es, die zugrunde liegenden Ursachen intrazerebraler Blutungen besser zu verstehen und den Krankheitsverlauf künftig präziser vorherzusagen.
Die Arbeiten bauen auf bestehenden Studien an der Med Uni Graz auf und sollen neue Erkenntnisse liefern, die eine stärker individualisierte Therapieplanung sowie eine verbesserte Prognoseabschätzung ermöglichen.
Gemeinsame Bildung und Forschung für bessere Patient*innenversorgung
Ein Schwerpunkt des Projekts ist der Aufbau einer digitalen Bildungsplattform für Gesundheitsfachkräfte. Ärzt*innen, Pflegepersonen sowie Therapeut*innen aus Bereichen wie Physiotherapie oder Logopädie sollen dadurch Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und abgestimmten Behandlungskonzepten erhalten. Darüber hinaus umfasst das Projekt weitere Pilotvorhaben zur Rehabilitation und Schmerztherapie.
Langfristig sollen die Ergebnisse des Projekts nicht nur neue Einblicke in die Entstehung und Prognose von Hirnblutungen liefern, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen medizinischen Einrichtungen in der Region weiter stärken. „Die gemeinsam entwickelten klinischen Leitlinien sollen dazu beitragen, die Behandlung und Versorgung von Menschen mit einer Hirnblutung nachhaltig zu verbessern“, blickt Simon Fandler-Höfler in die Zukunft.

Ass.-Prof. PD DDr. Simon Fandler-Höfler, Foto: Fischer / Med Uni Graz








