VCÖ: Angesichts der steigenden Anzahl älterer Menschen sind verstärkte Maßnahmen für eine seniorengerechte Radinfrastruktur nötig
VCÖ (Wien, 13. Juli 2026) – Seniorinnen und Senioren sind die größte Opfergruppe bei tödlichen Radunfällen in der Steiermark, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Im Vorjahr waren fünf der insgesamt neun mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzten Radfahrenden 65 Jahre oder älter. Mit der wachsenden Anzahl älterer Menschen wird es immer wichtiger, dass unser Verkehrssystem seniorengerecht wird. Sehr wirksam für die Sicherheit älterer Radfahrerinnen und Radfahrer ist der verstärkte Ausbau des Radwegenetzes insbesondere entlang von Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen und hohen Tempolimits, betont der VCÖ. Im Ortsgebiet sind Verkehrsberuhigung sowie Tempo 30 statt 50 wirksame Maßnahmen, um insbesondere für ältere Menschen die Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen.
285.000 Menschen in der Steiermark gehören der Generation 65 plus an. Seit dem Jahr 2005 ist ihre Anzahl um 75.000 gestiegen. Bis zum Jahr 2035 rechnet die Statistik Austria mit einer weiteren Zunahme um 65.000 auf rund 350.000 Seniorinnen und Senioren. “Mit der wachsenden Anzahl älterer Menschen wird es immer wichtiger, dass unser Verkehrssystem seniorengerecht wird. Gerade hinsichtlich des Radverkehrs ist der Aufholbedarf besonders groß”, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest.
Das zeigt auch die Unfallstatistik. Im Vorjahr wurden in der Steiermark fünf Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr beim Fahren mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzt, das waren um vier mehr als im Jahr 2024, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Der Anteil der Generation 65 plus an den tödlichen Radfahrunfällen ist hoch und beträgt im Dreijahreszeitraum 2023 bis 2025 62 Prozent. “Dieser hohe Anteil ist kein Argument gegen das Radfahren, sondern unterstreicht die Dringlichkeit, sichere und gute Bedingungen für das Radfahren in jedem Alter zu schaffen”, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Wirksame verkehrsplanerische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit insbesondere älterer Menschen beim Radfahren sind unter anderem lückenlose, baulich getrennte Radwege entlang stark befahrener Straßen. Im Ortsgebiet machen Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 das Radfahren insbesondere für ältere Menschen sicherer und angenehmer. Wichtig sind zudem auch übersichtliche Kreuzungen.
Zu empfehlen sind insbesondere beim Wechsel auf E-Bikes auch Radfahrkurse, wie sie beispielsweise von Seniorenorganisationen angeboten werden. In den Niederlanden sind zudem bei älteren Menschen Dreiräder sehr weit verbreitet. Diese verfügen über zwei Hinterräder und bieten damit hohe Stabilität, wodurch das Sturzrisiko stark sinkt.
Aus Mobilitätssicht ist das Potenzial für das Radfahren bei Seniorinnen und Senioren groß. Ab 65 Jahren nimmt der Anteil der Alltagswege, die kürzer als fünf Kilometer und damit in guter Radfahrdistanz sind, deutlich zu. Rund zwei Drittel der Alltagswege der Seniorinnen und Senioren sind kürzer als fünf Kilometer, bei den 15- bis 64-Jährigen sind nur knapp mehr als 50 Prozent der Wege kürzer als fünf Kilometer, informiert der VCÖ.
Eine EU-weite Untersuchung zeigt, dass in Österreich ebenso wie in Deutschland 35 Prozent der 65- bis 74-Jährigen regelmäßig das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen, in den Niederlanden mit ihrem dichten Netz an Radwegen sind es mit 66 Prozent fast doppelt so viele.
Gerade die E-Bikes ermöglichen es älteren Menschen auch dort, wo es Steigungen gibt, mit dem Rad mobil zu sein. Zudem erweitern E-Bikes die Reichweite. Für gesunde Lebensjahre bis ins hohe Alter ist Bewegung als Gesundheitsförderung sehr wichtig. Wer das Fahrrad häufiger als Verkehrsmittel nutzen kann, kommt auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung. Mit fortschreitendem Alter ist der Erhalt der Fitness besonders wichtig. Radfahren kann den altersbedingten Verlust an Muskelkraft verlangsamen oder sogar umkehren. Bewegung stärkt das Herz-Kreislaufsystem, reduziert das Krebsrisiko und erhöht auch das psychische Wohlbefinden. Wer regelmäßig radelt, verfügt über eine bessere Gleichgewichtskontrolle und stürzt im Alltag seltener. Auch das Radfahren mit Unterstützung eines Elektromotors stärkt das Herz-Kreislaufsystem und die Muskeln, wie eine aktuelle umfassende Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt.
Als kostengünstiges Verkehrsmittel kann das Fahrrad auch vor Mobilitätsarmut schützen. “Umso wichtiger ist es, dass die Radinfrastruktur seniorengerecht wird. Das heißt konkret, ein dichteres Radwegenetz und auf Straßen im Ortsgebiet ohne Radwege ein Tempolimit von höchstens 30 km/h”, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
VCÖ: Hohe Opferzahl von Seniorinnen und Senioren bei tödlichen Radfahrunfällen im Straßenverkehr (Anzahl der im Straßenverkehr mit Fahrrad oder E-Bike tödlich verletzten Seniorinnen und Senioren in der Steiermark, in Klammer Anteil an allen mit Fahrrad oder E-Bike tödlich Verunglückten)
Jahr 2025: 5 Seniorinnen und Senioren (56 Prozent)
Jahr 2024: 1 Seniorinnen und Senioren (50 Prozent)
Jahr 2023: 9 Seniorinnen und Senioren (69 Prozent)
Summe 2023-2025: 15 Seniorinnen und Senioren (62 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2026
VCÖ-Factsheet: “Sicher und gerne Rad fahren – ein Leben lang” www.vcoe.at
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