Med Uni Graz erforscht Vitamine und weitere Faktoren für gesundes Altern und gibt Tipps für den Alltag

Wie eng die Medizinische Universität Graz in internationale Forschungsnetzwerke eingebunden ist, zeigte das Symposium für Labordiagnostik der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC), das kürzlich auf Schloss Seggau stattfand. Auf Initiative der Grazer Labormediziner Markus Herrmann und Harald Mangge kamen Expert*innen aus elf Ländern zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Präzisionsdiagnostik und neue Forschungsansätze für gesundes Altern zu diskutieren.

Healthy Aging im Fokus moderner Labormedizin

Mit zunehmendem Alter verändern sich zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper. Diese Veränderungen beeinflussen unter anderem die Gesundheit von Knochen und Muskulatur und tragen zur Entstehung altersassoziierter Erkrankungen bei. Moderne labormedizinische Verfahren ermöglichen es zunehmend, diese komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Prävention und Therapie zu identifizieren.

„Die Labormedizin befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Internationale Zusammenarbeit und neue Technologien sind entscheidend, um biologische Zusammenhänge besser zu verstehen und innovative diagnostische Verfahren rasch in die Patient*innenversorgung zu überführen“, betonen Markus Herrmann und Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik (KIMCL) der Med Uni Graz.

Neue Erkenntnisse zur Rolle von Gallensäuren

Ein Beispiel dafür sind aktuelle Forschungsarbeiten zum Gallensäurenstoffwechsel. Gallensäuren sind vor allem für ihre Funktion bei der Fettverdauung bekannt, besitzen aber auch hormonähnliche Eigenschaften und beeinflussen zahlreiche Stoffwechselvorgänge.

Im Rahmen des Symposiums präsentierten Nerea Alonso und Giovanny Rodriguez-Blanco, KIMCL, gemeinsam mit Harjit Pal Bhattoa von der Universität Debrecen, Ungarn, neue Ergebnisse, die einen Zusammenhang zwischen Gallensäuren und dem altersbedingten Verlust von Knochen- und Muskelmasse zeigen.

Die Arbeiten sind Teil eines langjährigen Forschungsschwerpunkts an der Med Uni Graz. Unterstützt durch den Wissenschaftsfonds FWF untersucht die Arbeitsgruppe von Nerea Alonso die Bedeutung von Gallensäuren für den Knochen- und Energiestoffwechsel. Im „Bile Acid Network Graz“ (BANG) bündeln Forschende unterschiedlicher Disziplinen ihre Expertise und stärken damit die internationale Sichtbarkeit des Grazer Forschungsstandorts.

Internationale Kooperationen stärken die Forschung zum Knochenstoffwechsel

Auch im Bereich des Vitamin-D- und Knochenstoffwechsels setzt die Med Uni Graz auf langjährige internationale Kooperationen. Das KIMCL arbeitet seit vielen Jahren eng mit der Arbeitsgruppe von Etienne Cavalier an der Universität Lüttich, Belgien, zusammen. Beide Einrichtungen zählen zu den international anerkannten Zentren der klinischen Massenspektrometrie.

Im Rahmen des Symposiums wurde ein weiteres gemeinsames Forschungsprojekt initiiert. Ziel ist es, mithilfe hochspezialisierter analytischer Verfahren die Veränderungen des Knochen- und Mineralstoffwechsels bei Patient*innen mit chronischen Nierenerkrankungen besser zu verstehen.

„Die Kombination komplementärer Technologien und die enge Zusammenarbeit mit führenden internationalen Zentren ermöglichen es uns, komplexe Stoffwechselprozesse mit hoher Präzision zu untersuchen“, erklärt Markus Herrmann, Vorstand des Klinischen Instituts für Medizinische und Chemische Labordiagnostik.

Vitamin D und Vitamin K als wichtige Faktoren gesunden Alterns

Darüber hinaus präsentierten die Grazer Forschenden aktuelle Erkenntnisse zur Bedeutung von Vitamin D und Vitamin K für gesundes Altern. Neben Vitamin D, das eine wichtige Rolle für Knochen, Muskeln und das Immunsystem spielt, rückt insbesondere Vitamin K2 aufgrund seiner Bedeutung für die Knochengesundheit und das Herz-Kreislauf-System zunehmend in den Fokus der Forschung.

Harald Mangge erläuterte dabei das komplexe Zusammenspiel beider Vitamine. Während Vitamin K1 vor allem für seine Funktion bei der Blutgerinnung bekannt ist, wird Vitamin K2 häufig unterschätzt. Als wichtiger Partner von Vitamin D übernimmt es zentrale Aufgaben außerhalb der Leber und trägt dazu bei, den Knochenstoffwechsel sowie die Gesundheit der Blutgefäße zu unterstützen.

Internationale Vernetzung für die Präzisionsmedizin von morgen

Das Symposium auf Schloss Seggau unterstreicht die Rolle der Medizinischen Universität Graz als international vernetzter Forschungsstandort. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen weltweit erforschen Grazer Wissenschafter*innen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Stoffwechsel, Knochengesundheit und altersassoziierten Erkrankungen.

Die vorgestellten Arbeiten zeigen, dass Healthy Aging das Ergebnis eines fein abgestimmten Zusammenspiels zahlreicher biologischer Prozesse ist. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge eröffnet neue Möglichkeiten für Prävention und personalisierte Medizin und trägt dazu bei, Gesundheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu fördern.

Was die Evidenz für gesundes Altern nahelegt

Aus der Wissenschaft lassen sich zentrale Faktoren ableiten, die mit gesundem Altern in Zusammenhang stehen. Sie ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, zeigen aber gut untersuchte Einflussbereiche auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Knochengesundheit.

Bewegung

Regelmäßige Alltagsbewegung gilt als einer der wichtigsten Schutzfaktoren. Bereits häufiges Aufstehen, Gehen und das Nutzen kurzer Wege kann positive Effekte auf Stoffwechsel und Kreislauf haben.

Schlaf

Ausreichender und qualitativ guter Schlaf unterstützt zentrale Regenerationsprozesse. Empfehlenswert sind eine ruhige, dunkle Umgebung und regelmäßige Schlafgewohnheiten.

Ernährung

Die Evidenz spricht für eine insgesamt ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung:

  • mehr buntes Gemüse und Obst
  • Vollwertprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel
  • Reduktion von stark verarbeitetem und rotem Fleisch
  • fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi als Teil einer vielfältigen Ernährung

Flüssigkeitszufuhr

Eine regelmäßige ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, wobei Wasser eine zentrale Rolle spielt.

Psychosoziale Faktoren

Neben körperlichen Faktoren zeigen Studien auch die Bedeutung psychosozialer Aspekte:

  • Stabile soziale Beziehungen wirken schützend auf die Gesundheit.
  • Ein empfundener Lebenssinn ist mit besserer gesundheitlicher Prognose verbunden.
  • Ein bewusster Umgang mit Stress trägt zur langfristigen Gesundheit bei.

Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel und stehen im Zentrum der aktuellen Forschung zu Healthy Aging.

#Healthy Aging – Gesund älter werden
Healthy Aging an der Med Uni Graz – Forschung, Lehre und Praxis im Dialog.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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