Highway im Miniaturformat

Ameisenstraßen zählen wohl zu den kleinsten „wilden Wegen“ der Natur – scheinbar chaotisch, jedoch perfekt organisiert und mit beeindruckender Zielstrebigkeit genutzt. Wie Ameisenstraßen entstehen, wie sie mit den Ameisenhügeln zusammenhängen und wie sich die zunehmende Lebensraumzerschneidung auf die fleißigen Krabbler auswirkt, erfährt man im Folgenden.

Ameisenstraßen sind unter den kleinsten “wilden Wegen” der Natur zu finden, stehen für teamgeist und Fleiß und sind meist staufrei. 
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Barrieren gibt es für die Ameisen kaum: Was im Weg steht, wird einfach um- oder buchstäblich übergangen. In endlosen Kolonnen marschieren die emsigen Baumeister durch Wiesen, über Steine und – wo möglich – quer über jedes Hindernis – immer auf einer geheimen Duftspur. Wer sich Zeit nimmt und ihnen zusieht, erkennt: Auch im Miniaturformat erzählt die Natur von Teamgeist, Orientierungssinn und enormer Ausdauer. Oder anders gesagt: Hier wird nicht gewandert, hier wird geschuftet.

Wie eine Ameisenstraße entsteht
Einzelne Ameisen gehen voraus und suchen nach neuen Nahrungsquellen. Auf dem Rückweg hinterlassen sie in regelmäßigen Abständen Duftspuren und markieren so den Weg. Ihre „Kolleginnen“ können dann bei Bedarf diesen Spuren folgen, um an Nahrung zu kommen. Die Arbeiterinnen, sterile, flügellose weibliche Ameisen, die die Mehrheit eines Staates bilden, folgen der Duftspur sogar ziemlich genau, so bilden sich die typischen Ameisenstraßen, bei denen man meist eine große Anzahl an Ameisen, einander im Gänsemarsch folgend, beobachten kann. Je mehr Ameisen sich auf der Straße bewegen, desto mehr Duftspuren säumen den Weg, der sich damit verfestigt – so bilden sich regelrechte „Ameisen-Highways“.

Wie Ameisenstraßen mit Ameisenhügeln zusammenhängen
Jede Ameisenstraße führt irgendwann wieder zu einer Kolonie zurück – allgemeiner bekannt als Ameisenhügel. Je größer die Ameisenkolonie, desto mehr Nahrung braucht sie. So führen besonders viele Ameisenstraßen von großen Kolonien weg. Doch nicht jede Ameisenart baut Ameisenhügel: Waldameisen bauen definitiv Hügel, und zwar besonders imposante aus Nadeln, Zweigen und Blättern. Diese sind in der Regel etwa einen Meter hoch, können aber auch bis zu zwei Meter in die Höhe ragen. Wenn man den Hügel auch unterirdisch bemisst, sind sie noch größer – so kann ein 0,5 m hoher Haufen bis zu zwei Meter tief sein. Andere Ameisenarten, wie z. B. die Wegameise, leben rein unterirdisch, in Totholz oder unter Steinen, die sie als Nestmarker verwenden.

Wie Lebensraumzerschneidung den fleißigen Krabblern zu schaffen macht
Lebensraumzerschneidung ist auch für die Bewegungsmuster von Ameisen relevant. Wenn die kleinen Chitinpanzer-Krabbler durch – meist menschengemachte – Hindernisse von natürlichen Nahrungsquellen getrennt werden, wird die Ernährung der Kolonie schwer beeinträchtigt, weil weitere Wege zurückgelegt werden müssen, um an Futter wie Honigtau oder Insekten zu kommen. Kolonien können durch ein lückenhaftes ökologisches Netzwerk stark geschwächt oder sogar zum Aufgeben ihres Standorts gezwungen werden.

Ameisenstraße im Wohnraum – was nun?
Wenn Ameisen einmal „überrissen“ haben, dass es in Wohnräumen Essbares gibt, „bauen“ sie dort gerne ihre Straßen nach erfolgten „Späherexpeditionen“. Späher bzw. Kundschafter sind Ameisen, die systematisch nach neuen Futterplätzen oder Nistmöglichkeiten suchen. So spannend diese Tiere in der Natur zu beobachten sind – im eigenen Haus sieht man sie meist nur ungern, auch wenn sie weder einen negativen Effekt auf Bausubstanz oder Gesundheit haben. Im Fall der Fälle ist es am besten herauszufinden, wie die Ameisen in die Wohnung gelangt sind. Irgendwo gibt es immer eine direkte Verbindung zur Außenwelt – ob aufgrund einer undichten Dichtung an Fenstern oder Türen, aufgrund von Löchern an Lüftungen oder Ritzen in Fassaden. Wenn diese undichten Stellen verschlossen werden, ist die Ameisenstraße bereits abgerissen und der größte Schritt zur ameisenfreien Wohnung ist getan.

Die aktuelle Ausgabe des Naturschutzbund-Magazins natur&land zum Thema „Wilde Wege“ bietet weitere detaillierte Einblicke in das wilde Wegenetz unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Auch werden verschiedenartigste, meist menschengemachte Barrieren ins Licht gerückt, die Arten am Wandern, am Fressen und an der Fortpflanzung hindern. Nicht zuletzt werden (wilde) Wege zum Erhalt einer intakten grünen Infrastruktur, eines ökologischen Netzwerks und somit unserer heimischen Arten aufgezeigt. Das Magazin ist über die Homepage des Naturschutzbundes erhältlich: www.naturschutzbund.at

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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