Der „älteste Wetterdienst der Welt“ feiert Geburtstag: Der 2. Oktober 1851 markiert den Beginn der Wettervorhersage in Österreich. Was mit anfangs 43 Messstationen der „k.k. Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus“ im gesamten Kaisertum begann, ist 175 Jahre später unter dem Dach der GeoSphere Austria nationaler meteorologischer Dienst und Kompetenzzentrum für Klimaforschung, Naturgefahren sowie die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Untergrund.
Die Geburtsstunde der heimischen Wettervorhersage schlug an einem milden Herbsttag des Jahres 1851. Eine Höchsttemperatur von 18,9 Grad Celsius wurden am 2. Oktober an der Wetterstation der Alten Universität in Wien gemessen. An diesem Tag nahm die „k.k. Centralanstalt für meteorologische und magnetische Beobachtungen“, deren Gründung von Kaiser Franz Josef I. handschriftlich verfügt worden war, ihren Betrieb auf. Der damalige Direktor Karl Kreil richtete ein meteorologisches Beobachtungssystem für das gesamte Kaisertum Österreich ein und führte auch die erste geomagnetische Landesaufnahme durch.
Forschung und Beobachtung seit 175 Jahren zum Wohle der Gesellschaft
„Forschung und Beobachtung“ waren von Beginn an die Kernaufgabe dieser Institution. Das systematische Registrieren, zentrale Sammeln und Analysieren von meteorologischen Daten sowie der Ausbau des Messnetzes von anfangs 43 Stationen (1851) bis hin zu 447 im Jahr 1897 machten immer exaktere Prognosen möglich. Europäische Zusammenarbeit hat dabei große Tradition: Bereits im 19. Jahrhundert enthielt der Wetterbericht die Beobachtungen von 60 europäischen Stationen. Dank der langen Historie verfügt GeoSphere Austria heute über weit zurückreichende Zeitreihen, die insbesondere für das Klimamonitoring von großer Bedeutung sind.
„Wenn eine Institution so alt wird, hat das einen Grund: Unsere Leistungen werden gebraucht und haben einen großen Wert für Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft“, betont Andreas Schaffhauser, wissenschaftlicher Generaldirektor, GeoSphere Austria. „Unsere Geschichte zeigt, wie viel wir gemeinsam bewegen können. Mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Freude an neuen Ideen und Zuversicht gestalten wir die Zukunft und bauen auf dem auf, was Generationen vor uns geschaffen haben“, unterstreicht Sylvia Bauer-Beck, kaufmännische Generaldirektorin der GeoSphere Austria.
Rolle der Meteorologie stark internationalisiert
Seit den Ursprüngen im Jahr 1851 haben technologischer Fortschritt, immer leistungsfähigere Wettermodelle, neue Möglichkeiten der satellitengestützten Beobachtung und die intensive europäische und globale Zusammenarbeit die Wettervorhersage grundlegend verändert. Heute basiert sie auf einem hochtechnologischen, weltweit vernetzten Kommunikationssystem, das auf internationale Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz ebenso setzt wie auf nationale und regionale Beobachtungsdaten und hochauflösende Vorhersagemodelle.
Heutiges Warnsystem berücksichtigt Auswirkungen von Ereignissen
Die Meteorologie arbeitet heute Hand in Hand mit zahlreichen anderen Disziplinen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das vierstufige Warnsystem der GeoSphere Austria. Es informiert die österreichische Bevölkerung ebenso wie Krisenmanagement und Einsatzkräfte über bevorstehende Extremereignisse und deren mögliche Auswirkungen. Moderne Warnung geht dabei zunehmend über die Vorhersage eines Ereignisses hinaus: Entscheidend ist nicht nur, was passiert, sondern auch, welche Auswirkungen zu erwarten sind und was diese für Entscheidungen bedeuten.
Mit dem von GeoSphere Austria betriebenen europäischen Warnportal MeteoAlarm ist diese Warnkompetenz zugleich in ein Netzwerk der nationalen Wetterdienste Europas eingebunden.
Messstationen sind hochmoderne Alleskönner
Aktuell betreibt GeoSphere Austria knapp 300 automatische Wetterstationen in ganz Österreich. Sie liefern rund um die Uhr präzise Informationen über den aktuellen Zustand der Atmosphäre – von Temperatur, Luftdruck und Feuchte über Wind und Niederschlag bis zu Schnee, Sichtweite und Sonnenscheindauer. Zunehmend ergänzen moderne Fernerkundungssensoren das klassische Messnetz und erfassen Vertikalprofile von Wind, Temperatur und Feuchte. Damit wird nicht nur das Wetter am Boden beobachtet, sondern auch die Entwicklung der Atmosphäre in unterschiedlichen Höhen.
Moderne Wettervorhersage entsteht längst nicht mehr aus einzelnen Messwerten. Die Daten werden mit Wetterradar- und Satellitendaten sowie Beobachtungen aus internationalen Messnetzen zusammengeführt. So entsteht ein möglichst umfassendes, dreidimensionales Bild des aktuellen Zustands der Atmosphäre.
Künstliche Intelligenz ist längst Alltag
Leistungsfähige Supercomputer, immer bessere Vorhersagemodelle und zunehmend auch Methoden der Künstlichen Intelligenz ermöglichen es, enorme Datenmengen in kürzester Zeit zu verarbeiten und ein immer präziseres Bild zu entwickeln, wie sich das Wetter in den kommenden Stunden, Tagen und Wochen entwickeln wird. Künstliche Intelligenz ist in der Wettervorhersage seit vielen Jahren im Einsatz. „Eine vollständige Ablöse klassischer Modelle ist noch nicht absehbar, die Bedeutung von KI wird aber weiter steigen. Die Kombination der Stärken von herkömmlichen Modellen und KI ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre“, bestätigt Andreas Schaffhauser.
„Was sich aktuell rasant verändert, sind die Einsatzgebiete von KI“, erklärt Christoph Wittmann, Leiter der Abteilung Analyse und Modelle bei GeoSphere Austria. „Bisher kam KI vor allem bei Qualitätskontrolle und Optimierung für Spezialprognosen zum Einsatz – nun zunehmend auch bei der Vorhersagerechnung selbst, mit teils erstaunlicher Qualität.“
GeoSphere Austria generiert, misst und managt täglich Milliarden von Daten. Die intelligenteste Nutzung dieser Daten und der Zugang zu qualitativ hochwertigen Datensätzen für unterschiedlichste Stakeholder:innen haben auch in Zukunft oberste Priorität.







