Rehkitze vor dem Mähtod retten: Drohnenprojekt im mittleren Ennstal

Jagdschutzverein Irdning startet LEADER-Projekt mit Beginn der Mähsaison

(Aigen im Ennstal, 27.04.2026) Jedes Jahr fallen in Österreich bis zu 25.000 Rehkitze landwirtschaftlichen Mäharbeiten zum Opfer. Um dieses Tierleid zu verhindern, setzt der Jagdschutzverein Irdning künftig verstärkt auf moderne Technik: Mit Drohnen und Wärmebildkameras sollen Jungtiere rechtzeitig aufgespürt und in Sicherheit gebracht werden.

In den Monaten Mai und Juni werden die Rehkitze geboren – genau zu jener Zeit, in der auch die erste Mahd der Wiesen erfolgt. In ihren ersten Lebenswochen verfügen die Tiere über keinen Fluchtinstinkt. Stattdessen verharren sie regungslos im hohen Gras und sind durch ihr gepunktetes Fell gut getarnt. „Was sie vor natürlichen Feinden schützt, wird ihnen gegenüber Mähwerken jedoch zum Verhängnis und hier wollen wir eingreifen“, berichtet Manfred Schaunitzer als Obmann des Jagdschutzvereins Irdning, der das Projekt initiiert hat.

In den vergangenen Jahren hat sich der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras als besonders effektive Methode zur Rehkitzrettung etabliert. Auch der Jagdschutzverein Irdning plant, diese Technik in seinem Gebiet – den Gemeinden Aigen im Ennstal, Wörschach, Stainach-Pürgg und Irdning-Donnersbachtal – zu nutzen. Besonders gefährdete Flächen sind waldnahe und buschreiche Wiesen sowie Bereiche entlang der Enns, wo Rehwild bevorzugt Deckung sucht.

Die Rettung der Rehkitze ist ein gemeinsames Anliegen von Jägerschaft und Landwirtschaft. Neben dem Tierschutz spielt auch die Sicherheit und Gesundheit landwirtschaftlicher Nutztiere eine Rolle: Durch zermähte Kitze verunreinigtes Mähgut kann in weiterer Folge durch verschiedene Vergiftungserreger bei der Fütterung der Rinder zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.

Kammerobmann Peter Kettner (Landwirtschaftskammer Bezirk Liezen) zeigte sich begeistert vom Projekt und sprach von einem „digitalen Schutzschirm, den wir über unsere Wiesen spannen, zum Schutz des jungen Lebens auf den Wiesen und unserer Nutztiere auf den Höfen“.

Im Zuge eines LEADER-Projekts mit der LEADER-Region Ennstal-Ausseerland wird nun der Ankauf von drei Drohnen sowie die Ausbildung der ehrenamtlichen Drohnenpiloten finanziell von EU, Land und Bund gefördert. Das Angebot wird für Landwirtinnen und Landwirte kostenlos bereitgestellt, um eine möglichst breite Beteiligung zu erreichen. Auch die Drohnenteams arbeiten ehrenamtlich.

Dazu Obmann Herbert Gugganig und Geschäftsführerin Barbara Schiefer von der LEADER-Region Ennstal-Ausseerland: „Dieses Projekt zeigt sehr deutlich, wofür LEADER steht: für innovative Lösungen, die aus der Region kommen und echten Mehrwert schaffen. Gleichzeitig stärken wir die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren in der Region – von der Jägerschaft über die Landwirtschaft bis hin zu engagierten Freiwilligen.“

So läuft eine Kitzrettung ab

Vor dem Mähen melden Landwirtinnen und Landwirte oder zuständige Jägerinnen und Jäger die betroffenen Flächen. In den frühen Morgenstunden fliegt ein Drohnenteam die Wiesen systematisch ab. Dank der Wärmebildtechnik können die Kitze zuverlässig lokalisiert werden, ohne die Flächen betreten zu müssen. Wird ein Tier entdeckt, leitet der Drohnenpilot die Kitzretter mittels Funkanweisung zum Rehkitz. Die Helferinnen und Helfer bergen das Kitz vorsichtig mit Handschuhen und Grasbüscheln, um die Übertragung von menschlichem Geruch zu vermeiden. Anschließend wird es geschützt am Rand der Fläche in einer Box untergebracht und nach der Mahd wieder freigelassen. Die Muttertiere finden ihre Jungen rasch wieder.

Neben Rehkitzen können durch diese Methode auch andere Wildtiere wie Hasen oder bodenbrütende Vögel rechtzeitig entdeckt und gerettet werden. Die Drohnensuche trägt somit umfassend zum Schutz der heimischen Tierwelt bei.

Mit dem Einsatz moderner Technologie und ehrenamtlichem Engagement sowie die Unterstützung durch die LEADER-Region Ennstal-Ausseerland setzt der Jagdschutzverein Irdning ein starkes Zeichen für gelebten Tierschutz und eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Jagd.

Projektverantwortliche und Drohnenpiloten stellten das Projekt „Rehkitzrettung im mittleren Ennstal“ vor
Foto: Christoph Huber

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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