Mit den ersten warmen Tagen beginnt für viele die Gartensaison. Beete werden gesäubert, Rasenflächen begradigt, „Störenfriede“ entfernt. Doch was vielerorts als ordentliche Gartenpflege gilt, bedeutet für zahlreiche Tierarten den Verlust wichtiger Lebensgrundlagen. Anlässlich des Tags des Unkrauts am 28. März ruft der Naturschutzbund dazu auf, „Unkräuter“ unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten.



Brennessel, Gundelrebe und Löwenzahn: Indem man Unkräutern wie diesen Platz im Garten einräumt, betreibt man aktiven Naturschutz.
© Hannes Haubner, KPH-Studierende, Bernadette Stöckl
Artenvielfalt braucht Ecken und Kanten
Ein strukturreicher Garten ist nicht nur ästhetisch ansprechend, er ist auch essenzieller Lebensraum für eine Vielzahl an heimischen Arten. Wildkräuter, oft vorschnell als Unkraut bezeichnet, gehören in jeden Garten und erfüllen dort zentrale ökologische Funktionen. Sie bieten Nahrung, Schutz und Entwicklungsräume für Insekten, Vögel und viele weitere Organismen. Gerade in intensiv genutzten Kulturlandschaften sind naturnahe Gartenbereiche zu wichtigen Rückzugsorten geworden. Viele Insektenarten sind hochspezialisiert und in ihrer Entwicklung auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen. Fehlen diese, verschwinden auch die Tiere. Ein bekanntes Beispiel ist die Brennnessel: Ohne sie gäbe es in unseren Gärten kaum noch Tagpfauenauge oder Landkärtchen, deren Raupen nahezu ausschließlich ihre Blätter fressen.
Frühblüher als Rettungsanker für Bestäuber
Im zeitigen Frühjahr entscheidet sich meist schon, wie gut Bestäuber durch das Jahr kommen. Pflanzen wie Gundelrebe, Günsel oder Ehrenpreisarten stellen zu einer Zeit Pollen und Nektar bereit, in der das Blütenangebot noch begrenzt ist. Auch der Löwenzahn ist eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Hummeln und Wildbienen im Frühling. Disteln übernehmen später im Jahr eine ähnlich bedeutende Rolle. Blüten der Gewöhnlichen Kratzdistel werden intensiv von Insekten genutzt, während ihre Samen zahlreichen Vogelarten als Nahrung dienen – so zeigt die Art exemplarisch, wie eng Pflanzen und Tiere miteinander verflochten sind.
Unscheinbar – aber ökologisch bedeutsam
Auch unscheinbarere Arten wie die Vogelmiere oder die Wilde Möhre leisten Erstaunliches für die Biodiversität. Die Vogelmiere blüht sehr früh im Jahr und versorgt Insekten bereits dann mit Nahrung, wenn andere Pflanzen noch keine Ressourcen bieten. Zugleich dienen ihre Samen Vögeln als energiereiche Futterquelle. Die Wilde Möhre lockt mit ihren Doldenblüten zahlreiche Wildbienen, Käfer und Schwebfliegen an. Letztere tragen durch ihre Blattläuse fressenden Larven wesentlich zur natürlichen Schädlingsregulation bei.
Unkraut in Kulinarik & Heilkunde
Viele Wildpflanzen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch kulinarisch oder traditionell heilkundlich interessant. Löwenzahnblätter bereichern Salate, Giersch lässt sich als Wildgemüse verwenden, Wegerich-Arten sind für ihre reizlindernden Eigenschaften bekannt. „Wildkräuter sind keine Störenfriede, sondern tragende Elemente der Artenvielfalt“, betont Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas. „Wer ihnen Raum lässt, betreibt aktiven Naturschutz im eigenen Garten.“
Mut zur Lücke
Ein Garten muss nicht perfekt aufgeräumt sein, um schön zu sein – im Gegenteil! Kleine wilde Bereiche und blühende Säume verwandeln monotone Flächen in lebendige Lebensräume. Zum Tag des Unkrauts lädt der Naturschutzbund ein, möglichst viele verschiedene „Unkräuter“ via Foto auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.
















