In der Steiermark war im Vorjahr die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastung aus Gesundheitssicht zu hoch

Verkehrsabgase können deutlich reduziert werden, verstärkte Maßnahmen für saubere Luft umsetzen!

VCÖ (Wien, 13. Februar 2026) – Im Vorjahr wurden in der Steiermark zwar die geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten, aus Gesundheitssicht war aber die Luftqualität in der Steiermark noch nicht gut genug, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von vorläufigen Daten des Umweltbundesamts zeigt. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Richtwerte wurden bei zwei Dritteln der Stickstoffdioxid-Messstellen und bei allen neun PM2,5-Feinstaub-Messstellen überschritten. Die Messstelle mit dem österreichweit höchsten PM2,5-Feinstaub-Wert im Jahresschnitt war Graz Don Bosco. Luftschadstoffe können zahlreiche Erkrankungen auslösen. Die Mobilitätsorganisation VCÖ betont, dass die Schadstoffbelastung durch den Verkehr deutlich reduziert werden kann. 

Die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe sind aus Gesundheitssicht zu hoch. Deshalb gelten spätestens ab dem Jahr 2030 EU-weit niedrigere Grenzwerte. Im Vorjahr wurden in der Steiermark der künftig geltende Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) an zwei von 32 Messstellen überschritten, die künftigen Grenzwerte für PM2,5-Feinstaub sogar an acht von neun Messstellen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt. 

Graz war auch im Vorjahr Österreichs Feinstaub-Hochburg. Die höchste Belastung mit PM2,5-Feinstaub wurde österreichweit bei der verkehrsnahen Messstelle Graz Don Bosco gemessen, informiert der VCÖ. Der PM2,5-Jahresmittelwert betrug 14,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Innerhalb der Steiermark wurde unter anderem auch in Bruck an der Mur (entlang der B116) und in Voitsberg der künftige EU-Grenzwert überschritten. 

Aus Gesundheitssicht ist auch der künftige Grenzwert noch zu hoch. Für eine gesunde Luft sollte laut Weltgesundheitsorganisation die PM2,5-Feinstaubbelastung im Jahresmittel maximal fünf Mikrogramm betragen. Feinstaub, insbesondere Ultrafeinstaub, kann schwere Atemwegs-, Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen. Der von der WHO empfohlene PM2,5-Richtwert wurde in der Steiermark im Vorjahr an neun Messstellen überschritten. 

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien verdeutlicht: “Abgase aus dem Straßenverkehr enthalten gesundheitsgefährliche Schadstoffe wie Ultrafeinstaub und Stickstoffdioxid, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Luftverschmutzung wurde aufgrund der Feinstaubproblematik schon vor fünfzehn Jahren als krebserregend eingestuft. Nicht nur Atemwege und Herz-Kreislauf-System sind betroffen. Zunehmend zeigen sich auch Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen sowie mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Stoffwechsels, wie erhöhtes Demenz- und Diabetesrisiko.”

Auch bei Stickstoffdioxid war die Belastung vielerorts aus Gesundheitssicht zu hoch. Innerhalb der Steiermark war die Belastung in Graz am höchsten, auch hier nimmt Graz Don Bosco mit einem Jahresmittelwert von 27,2 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft den unrühmlichen Spitzenplatz ein, so die VCÖ-Analyse. Der künftige EU-Grenzwert wurde auch bei der Grazer Messstelle Triester Straße überschritten. Der aus Gesundheitssicht empfohlene Richtwert wurde im Vorjahr in der Steiermark bei 22 der 32 Messstellen überschritten, unter anderem auch in Bruck an der Mur, Straßengel, Judendorf, Weiz, Leoben, Köflach und Leibnitz. 

“Anrainerinnen und Anrainer entlang stark befahrener Straßen sind besonders stark betroffen. Um die Stickstoffdioxid-Belastung zu reduzieren, sind eindeutig Maßnahmen im Verkehrsbereich notwendig”, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest. Vor allem Dieselabgase enthalten große Mengen an Stickoxiden. Pro Fahrzeugkilometer haben Österreichs Diesel-Pkw im Schnitt einen siebenmal so hohen Stickoxid-Ausstoß wie die Benzin-Pkw, Klein-Lkw einen achtmal so hohen und Lkw über 3,5 Tonnen sogar einen elfmal so hohen Stickoxid-Ausstoß. Fast alle Klein-Lkw und Lkw mit Verbrennungsmotor fahren mit Diesel. 

Stickstoffdioxid kann Atemwege schädigen, Bronchitis und auch Lungen- und Herzerkrankungen verursachen. Zudem sind Stickoxide mitverantwortlich für die Bildung von Feinstaub und sie sind eine Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon.  “Je mehr Schadstoffe in der Luft sind, umso mehr atmen wir ein. Das Risiko schwerer Erkrankungen nimmt vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zu. Deshalb sind verstärkte Maßnahmen gegen Luftverschmutzung umzusetzen. Der Verkehr kann einen großen Beitrag leisten, damit unsere Luft sauberer und gesünder wird”, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest. 

Sehr wirksam für Verbesserungen im Pendelverkehr ist Mobilitätsmanagement von Unternehmen. Dabei werden Anreize gesetzt, dass Beschäftigte mit dem Öffentlichen Verkehr, in Fahrgemeinschaften oder mit dem Fahrrad oder E-Bike zur Arbeit kommen. Setzen mehr Unternehmen Mobilitätsmanagement um, reduziert das auch die Staus im Frühverkehr. 

Besonders hoch ist der Schadstoffausstoß von Verbrennungsmotoren bei Kurzstrecken, wenn der Motor noch kalt ist. Jede 10. Autofahrt ist in fußläufiger Distanz, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Städte und Gemeinden können durch ihre Verkehrsplanung wesentlich dazu beitragen, dass mehr Kurzstrecken mit dem Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß zurückgelegt werden.

Für die Luftqualität in den Städten sind zudem emissionsfreie Lieferzonen sowie die raschere Umstellung von Diesel-Transportern auf Elektro-Antriebe sehr wirksam, kontraproduktiv ist die im Vorjahr durchgeführte Abschaffung der Normverbrauchsabgabe für Klein-Lkw mit Verbrennungsmotor.

Die insgesamt am schnellsten umsetzbare und günstigste Maßnahme sind niedrigere Tempolimits. Diese reduzieren sowohl die Abgase von Kfz mit Verbrennungsmotor als auch den Reifen- und Bremsabrieb aller Kraftfahrzeuge, betont der VCÖ.  “Im Interesse der Gesundheit von uns Menschen muss der Verkehr sauberer werden. Je früher Österreichs Immissionsschutzgesetz-Luft an die EU-Werte angepasst wird, umso besser”, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky abschließend fest.  

VCÖ: Künftiger EU-Grenzwert für PM2,5 bei acht steirischen Messstellen überschritten – WHO-Richtwert bei allen Messtellen überschritten (vorläufiger Jahresmittelwert im Jahr 2025)

EU-Grenzwert für PM2,5 ab dem Jahr 2030: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Richtwert der WHO für PM2,5: Jahresmittelwert 5 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Messstellen, die 2025 den künftigen PM2,5 Grenzwert der EU überschritten haben:

Graz Don Bosco: 14,4 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Graz Süd Tiergartenweg: 13,3

Graz Triester Straße: 12,5

B116 Bruck an der Mur: 11,8
Graz Nord: 11,7
Voitsberg Mühlgasse: 11,3

Leibnitz: 10,5
Weiz Bahnhof: 10,3

Eine weitere Messstelle hat den WHO-Richtwert überschritten: 

Klöch bei Bad Radkersburg: 8,1

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

VCÖ: Künftiger EU-Grenzwert für NO2 bei zwei von 32 Messtellen überschritten – WHO-Richtwert bei 22 Messtellen überschritten (vorläufiger Jahresmittelwert im Jahr 2025)

EU-Grenzwert für NO2 ab dem Jahr 2030: Jahresmittelwert 20 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Richtwert der WHO für NO2: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Steirische Messstellen, die den künftigen NO2-Grenzwert der EU überschritten haben  

Graz Don Bosco: 27,2
Graz Triester Straße: 25,8

Weitere 20 steirische Messstellen haben den WHO-Richtwert für NO2 überschritten

Graz Süd Tiergartenweg (19,2), Straßengel Kirche (17,8), Graz Mitte Gries (17,4), B116 – Bruck an der Mur (17), Graz West (16,5), Judendorf Süd (15,9), Graz Ost Petersgasse (15,5), Weiz Bahnhof (14,8), Leoben Göss (14,3), Köflach (13,9), Leibnitz (13,4), Leoben Donawitz (13,3), Graz Nord (13), Hartberg Zentrum (12,9), Leoben Zentrum (12,3), Knittelfeld Freiheitsallee (12,2), Kapfenberg (12,1), Gratwein (12), Zeltweg (11,9), Fürstenfeld (10,5)

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2026

Der VCÖ – Mobilität mit Zukunft ist eine auf Mobilität und Transport spezialisierte, gemeinwohlorientierte Organisation. Ziel des VCÖ ist ein ökologisch verträgliches, ökonomisch effizientes und sozial gerechtes Verkehrssystem. Die Sichtweise des VCÖ ist global orientiert, themenübergreifend und berücksichtigt die Interessen zukünftiger Generationen.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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