Österreichischer Extremschwimmer wartet auf das Startsignal für die Tsugaru-Straße – starke Strömungen machen die nur rund 20 Kilometer breite Meerenge zu einer taktischen Herausforderung
Aomori/Japan, 31. August 2026 – Nach Catalina und Alcatraz wartet auf Josef Köberl bereits die nächste Herausforderung im offenen Meer. Der österreichische Extrem- und Eisschwimmer befindet sich derzeit in Kodomari im Norden der japanischen Hauptinsel Honshu und bereitet sich auf die Durchquerung der Tsugaru-Straße nach Hokkaido vor.
Ein möglicher Starttermin ist derzeit der 2. September, endgültig entschieden ist dieser jedoch noch nicht. Wetter, Wind und vor allem die starken Strömungen bestimmen, wann ein Versuch möglich ist. Die finale Einschätzung liegt beim Kapitän und der Tsugaru Strait Swimming Federation (TSSF).
„Ich bin bereit, aber ich kann die Tsugaru-Straße nicht kontrollieren. Jetzt brauche ich die Erfahrung des Kapitäns. Er kennt dieses Gewässer und seine Strömungen wesentlich besser als ich“, sagt Köberl.
20 Kilometer können zu 40 werden
Die Tsugaru-Straße trennt Honshu von Hokkaido und verbindet das Japanische Meer mit dem Pazifik. Ihre geografische Breite täuscht über die tatsächliche Herausforderung für Langstreckenschwimmer hinweg.
Die starke Tsugaru-Strömung kann die Schwimmer weit versetzen. Köberl rechnet deshalb derzeit mit einer tatsächlich zu schwimmenden Strecke von etwa 26 Kilometern. Verschlechtern sich Wind und Strömungsverhältnisse, könnten daraus auch 40 Kilometer oder mehr werden.
Das Ziel liegt im Bereich von Cape Shirakami auf Hokkaido, nahe der Gemeinde Fukushima. Der tatsächliche Kurs und der mögliche Zielpunkt werden jedoch von den Bedingungen während der Querung mitbestimmt.
Köberls Strategie klingt zunächst widersprüchlich: Zu Beginn wird er teilweise vom eigentlichen Ziel weg in Richtung offenes Meer schwimmen.
„Mental ist das nicht ganz einfach. Du siehst, wo du eigentlich hinwillst, und schwimmst zunächst in eine andere Richtung. Aber genau das kann notwendig sein, um später die Strömung richtig nutzen zu können.“
Besonders zwischen der dritten und siebten Stunde könnte eine entscheidende Phase entstehen. Dann kann es notwendig werden, das Tempo deutlich zu erhöhen.
„Normalerweise habe ich einen genauen Fütterungsplan. Wenn wir aber ein entscheidendes Strömungsfenster treffen, kann es sein, dass ich sogar eine Verpflegung auslasse. Dann zählt möglicherweise jede Minute.“
Start mit dem ersten Tageslicht
Anders als bei seiner nächtlichen Catalina-Querung darf Köberl die Tsugaru-Straße nur bei Tageslicht durchqueren. Geplant ist daher ein möglichst früher Start mit dem ersten Tageslicht – 0330 Lokalzeit.
Die Wassertemperatur bereitet dem Eisschwimmer dagegen wenig Sorgen. Derzeit bewegt sie sich in seinem Schwimmbereich etwa zwischen 23 und 26 Grad Celsius.
„Nach Nordkanal, Cook Strait und Catalina ist das für mich fast zu warm“, sagt Köberl mit einem Augenzwinkern. „Offenbar hat die Reihenfolge meiner Ocean’s Seven doch Sinn gemacht – auch wenn es Zufall war. Der letzte Kanal wird noch wärmer.“
Die größere Herausforderung seien Wind, Wellen und insbesondere die Strömung.
Auch mögliche Begegnungen mit Haien wurden beim Briefing thematisiert. Vom Begleitboot sollen während der Querung zwei elektronische Shark-Shield-Systeme ins Wasser gehängt werden.
„Wie ein Traktor“
Körperlich fühlt sich Köberl unmittelbar vor dem möglichen Start bereit. Nach seiner erfolgreichen Catalina-Querung Mitte August und dem anschließenden Escape-from-Alcatraz-Schwimmen in San Francisco hat er in Japan nur noch lockere Einheiten absolviert.
Seine Strategie für Tsugaru folgt einem Grundsatz, der ihn bereits durch andere große Kanäle getragen hat:
„Wie ein Traktor – nicht schnell, aber unaufhaltsam.“
Entscheidend werde sein, nicht gegen das Meer anzukämpfen, sondern den eigenen Rhythmus zu finden und gleichzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.
Dabei spiele das Zusammenspiel mit dem Begleitboot eine zentrale Rolle.
„Ich muss die Leistung im Wasser bringen. Dem Team an Board vertrauen.“
Nur noch ein Kanal würde fehlen
Eine erfolgreiche Tsugaru-Querung wäre Köberls sechste von sieben Ocean’s-Seven-Meeresstraßen und er wäre auch der erste Österreicher der den Kanal schwimmt. Er hat bereits den Ärmelkanal, die Straße von Gibraltar, die Cook Strait, den Nordkanal und zuletzt den Catalina Channel bewältigt.
Danach würde nur noch der Kaiwi Channel zwischen Molokaʻi und Oʻahu auf Hawaii fehlen.
Doch daran will Köberl momentan nicht denken.
„Jetzt gibt es nur eine Aufgabe: von Honshu nach Hokkaido zu kommen. Bis dahin heißt es warten auf das endgültige GO.“
Zeiten Japan und Österreich
Geplanter Start: 2. September, ca. 03:30 Uhr japanischer Zeit / 1. September, ca. 20:30 Uhr österreichischer Zeit.
Halbzeit: voraussichtlich gegen 09:30 Uhr Japan / 02:30 Uhr Österreich.
Mögliche Zielankunft: etwa 15:30–16:30 Uhr Japan / 08:30–09:30 Uhr Österreich – abhängig von Wind





