Unsere heimischen Hornissen sind, entgegen der allgemeinen Meinung, sehr nützliche und friedfertige Fluchttiere. Zudem sind sie wahre Workaholics und halten das Ökosystem in Balance, indem sie Schädlinge fressen und diese so in Schach halten. Der Naturschutzbund rückt die großen Brummer ins rechte Licht, wirft aber auch einen Blick auf deren problematische invasive Artgenossinnen.

Bildinfo: Unsere heimische Europäischen Hornissen (im Bild) sind im Gegensatz zu Asiatischen Hornissen für die heimische Artenvielfalt völlig unbedenklich, mehr noch: Sie halten unser Ökosystem in Balance.
© Johanna Steinberger
Unsere heimischen Europäischen Hornissen sind in vielen Teilen Österreichs geschützt und halten das Ökosystem in Balance, indem sie beispielsweise Schädlinge im Garten stark reduzieren. Im Gegensatz zu anderen Wespenartigen interessieren sie sich nicht für Süßes oder Fleischiges, so stören sie also weder beim Picknick noch bei der Grillerei. Erwachsene Hornissen ernähren sich von Nektar, Fallobst und verschiedenen Pflanzensäften, die sie durch Annagen von Ästen und über Baumwunden erreichen. Im Larvenstadium sind Hornissen allerdings reine Insektenfresser. So schaffen die Arbeiterinnen jeden Tag bis zu 500 Gramm Insekten ins Nest. Hat man Hornissen im Garten, sind dort in der Regel weniger Wespen, Fliegen, Käfer und „Gartenschädlinge“. Hornissen sind wahre Workaholics: Sie arbeiten beinahe pausenlos – fast 24 Stunden täglich – um Nahrung, Wasser und Baumaterial für ihre Nester zu beschaffen und können sich auch in völliger Dunkelheit gut orientieren. Erstaunlich ist auch, dass Hornissen laut Studien menschliche Gesichter wiedererkennen und sich mit Menschen gewissermaßen „anfreunden“ können. So reagieren sie bei Personen, die ihnen bereits bekannt sind, wohl noch entspannter als sie es ohnehin wären.
Zu Unrecht gefürchtet
Europäische Hornissen sind im Grunde genommen friedlich. Wenn sie sich bedroht fühlen, flüchten sie eher, als sie angreifen. Sollte man doch mal einen Stich abbekommen, ist das im Normalfall kein Grund zur Sorge: Hornissen haben – wie Bienen und Wespen – einen Giftstachel, den sie in der Regel dazu verwenden, ihre Beute zu lähmen und zu töten. Für uns Menschen ist ein Hornissenstich weder schmerzhafter noch gefährlicher als ein Wespen- oder Bienenstich. Vorsicht ist bloß bei Allergien gegen das Hornissengift geboten. Wichtig dabei: Ist man gegen Wespen- und/oder Bienenstiche allergisch, geht damit nicht automatisch eine Hornissenstichallergie einher, da unterschiedliche Stoffe in den Giften enthalten sind. Empfehlenswert ist daher, sich gegen die einzelnen Giftstoffe testen zu lassen.
Invasive Hornissenarten
Aktuell beginnt sich die invasive Asiatische Hornisse, Vespa velutina nigrithorax, in Österreich auszubreiten. Die Asiatische Hornisse wurde österreichweit erstmals im April 2024 in Salzburg gesichtet. Zwei Nester der invasiven Art wurden im Juni 2026 erstmals in Lustenau, Vorarlberg, entdeckt. Gegenüber Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht aggressiver als heimische Wespen oder Bienen, sofern man sich von den Nestern fernhält. Für unsere heimischen Wildbienen wie auch die Honigbiene ist sie jedoch hochgradig gefährlich, da sie die Bienen als Nahrungsquelle für die Aufzucht ihrer Hornissenlarven nutzt. Dabei lauern die invasiven Tiere den Bienen in der Luft auf, um sie im Flug anzugreifen oder fliegen direkt in Fluglöcher und Bienenstöcke ein – meist in großen „Massenangriffen“. Da unsere heimischen Bienen kaum in der Lage sind, sich gegen die massenhaft angreifenden Asiatischen Hornissen zu verteidigen, kann ein solcher „Überfall“ ganze Populationen zerstören. Wenn nicht rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung der invasiven Art zumindest zu verlangsamen, leiden darunter insbesondere unsere Wild- und Honigbienen. Aber auch unsere heimischen Hornissen müssen mit zunehmender Konkurrenz und Verdrängung rechnen.
Eine weitere invasive Art ist die Asiatische Riesenhornisse, Vespa mandarinia: Diese ist zwar noch nicht in Österreich angekommen, wurde jedoch von der EU bereits auf die Liste invasiver Arten aufgenommen. Erstmals beobachtet wurde sie im August 2019 in Kanada, im Dezember 2019 dann in den USA, wo sie sich in den Folgejahren rasant ausbreitete und für Bienenvölker, Imker und die Biodiversität im Allgemeinen massive Probleme verursachte. Invasive Arten wie die Asiatische Hornisse und die Asiatische Riesenhornisse werden oftmals über Pflanzenimporte eingeschleppt.
Was tun bei Hornissennestern?
Europäische Hornissen bauen ihr Nest nie zweimal an derselben Stelle. Befindet sich also in einem Jahr ein Hornissennest an einer „unpraktischen Stelle“, kann man davon ausgehen, dass die großen Brummer im kommenden Jahr nicht dahin zurückkehren werden. Sollte ein Hornissennest – aufgrund einer Allergie und der Nähe zu den Wohnräumen – trotzdem stören, sollte dieses fachgerecht und artschonend entfernt werden. Tipps, an wen man sich im jeweiligen Bundesland wenden kann, findet man HIER.
Die ersten Nester der Asiatischen Hornisse wurden erst kürzlich in Österreich entdeckt. Besteht der Verdacht, ein Nest dieser Art entdeckt zu haben, sollte man möglichst mehrere Fotos der Tiere bzw. des Nests aus sicherer Entfernung machen und auf der Naturschutzbund-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App teilen. Um mehr über Vorkommen und Verbreitung der in Österreich beobachtbaren Hornissenarten zu erfahren, werden die auf der Citizen-Science-Plattform geteilten Daten von Expert*innen ausgewertet und für wissenschaftliche Zwecke verwendet.
