Diversität im Alter: Gesundheit individuell betrachten

Die Bevölkerung wird nicht nur älter, sondern auch vielfältiger. Faktoren wie Bildung, Einkommen, Geschlecht, kultureller Hintergrund oder Gesundheitskompetenz beeinflussen maßgeblich, wie Menschen altern und welche gesundheitlichen Herausforderungen sie im höheren Lebensalter bewältigen müssen. Darauf weist Regina Roller-Wirnsberger, Professorin für Geriatrie und Kompetenzbasierte Curriculumsentwicklung von der Universitätsklinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität Graz, hin.

Forschung im Zeichen von Healthy Aging

Im Mittelpunkt ihrer Forschungsprojekte an der Med Uni Graz stehen Frailty (Gebrechlichkeit im Alter), Multimorbidität, Prävention sowie die personenzentrierte Versorgung älterer Menschen. Aktuell beschäftigen sich die renommierte Wissenschafterin und ihr Team in COST Action Programming und anderen EU-geförderten Projekten mit Fragen der Implementierung integrierter Versorgungsmodelle für ältere Menschen in Österreich. Erste Ergebnisse verdeutlichen, dass eine alterssensible Umgestaltung unseres Gesundheitssystems und die Fokussierung auf eine multiprofessionelle und personenzentrierte Versorgung der älteren Bevölkerung eine nachhaltige Optimierung für Patient*innen und deren Angehörige, aber auch für das System selbst bringen können. „Die Umsetzung von Projekten in Kooperation mit der Österreichischen Pensionsversicherungsanstalt (PVA) wird weitere Impulse für die Stärkung von Prävention und Rehabilitation in diesem Kontext bringen“, blickt die Medizinerin in die Zukunft.

Sozialer Status beeinflusst unsere Gesundheit

Internationale Studien zeigen, dass soziale Benachteiligung mit einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen, Gebrechlichkeit im Alter, funktionelle Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit verbunden ist. Gleichzeitig erreichen Frauen zwar häufiger ein höheres Lebensalter, verbringen jedoch oft mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen. Gesundheit im Alter wird somit wesentlich durch die Lebensbedingungen über den gesamten Lebensverlauf geprägt.

Auch kulturelle und sprachliche Unterschiede spielen in der medizinischen Versorgung eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen, wie Symptome wahrgenommen und kommuniziert werden, wie gut Therapiepläne verstanden werden und in welchem Ausmaß ältere Menschen in Behandlungsentscheidungen eingebunden sind. Sprachbarrieren können die Diagnosestellung erschweren und das Risiko von Fehl- oder Unterversorgung erhöhen.

Aus geriatrischer Sicht gewinnt daher eine personenzentrierte Versorgung zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, medizinische Entscheidungen an den individuellen Bedürfnissen, Lebenszielen und Ressourcen älterer Menschen auszurichten. Neben einer kultursensiblen Kommunikation sind dafür geriatrische Expertise, interprofessionelle Zusammenarbeit und ein stärkerer Fokus auf Gesundheitsvorsorge erforderlich.

Prävention als Schlüssel für gesundes Altern

„Gesundes Altern ist nicht ausschließlich eine Frage des biologischen Alters. Entscheidend sind die sozialen, gesundheitlichen und individuellen Voraussetzungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens mitbringen“, betont Regina Roller-Wirnsberger.


Präventionsmaßnahmen gewinnen angesichts einer zunehmend vielfältigen älteren Bevölkerung weiter an Bedeutung. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung, soziale Teilhabe sowie die frühzeitige Erkennung von Gebrechlichkeit im Alter wesentlich dazu beitragen können, Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten. Entscheidend ist dabei, dass Präventionsangebote an die individuellen Lebensbedingungen der Menschen angepasst werden. „Prävention ist besonders wirksam, wenn sie personenzentriert, leicht zugänglich und kultursensibel gestaltet wird“, erklärt die Professorin für Geriatrie. Ziel müsse es sein, gesundheitliche Ungleichheiten zu reduzieren und allen Menschen die Chance auf gesundes Altern zu ermöglichen.

Für die Zukunft braucht es laut der Expertin ein Gesundheitssystem, das stärker auf die Vielfalt älterer Menschen eingeht, geriatrische Kompetenz in allen Gesundheitsberufen verankert und Prävention sowie Teilhabe konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Das gesamte Interview mit Regina Roller-Wirnsberger zum Thema Healthy Aging und Diversität finden Sie hier: Diversität im Alter – Interview mit Regina Roller-Wirnsberger

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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