Die Signale stehen klar auf El Niño


Das Wetterphänomen ENSO (El Niño Southern Oscillation) ist schwer vorherzusagen und weltweit folgenreich. Es kann auf nahezu allen Erdteilen auf unterschiedlichste Weise enorme Schäden anrichten. Die Wahrscheinlichkeit für ein Andauern bis in die Wintermonate liegt bei 96 Prozent.

Dürre und Hitze in Australien, im südlichen Afrika, in Indien und Pakistan. Starkregen und Überflutungen im Nordwesten der USA, in Ecuador, Peru, Südostchina. Stürme im Nordpazifik. Nur in Europa hat ENSO vergleichsweise geringen Einfluss. Das Phänomen gilt als die stärkste und folgenreichste, kurzfristige, natürliche Klimaschwankung der Erde. Im Pazifik ändern sich dabei zyklisch die Luftströmungen in der Atmosphäre und somit der Wärmetransport im Ozean.

Kalt, warm, neutral

ENSO besteht aus einer warmen Phase (El Niño), einer kalten Phase (La Niña) sowie einer neutralen Phase. Der Abstand zwischen zwei El Niño-Ereignissen ist unregelmäßig und variiert von drei bis sieben Jahren. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im östlichen Pazifik stärker als üblich und beeinflusst das Wetter in vielen Regionen der Welt. Wärme wandert vom Ozean in die Atmosphäre. Bei La Niña ist es umgekehrt.

ENSO und der Klimawandel

Auf den langfristigen, menschengemachten Erwärmungstrend setzen sich natürliche Klimaschwankungen wie ENSO. El Niño kann die globale Temperatur und bestimmte Wetterextreme vorübergehend zusätzlich verstärken, La Niña kann sie zeitweise dämpfen. Der langfristige Trend bleibt davon aber unberührt: ENSO ist kein zusätzlicher dauerhafter Wärmeantrieb wie Treibhausgase, sondern verteilt Wärme im Erdsystem vorübergehend anders – vor allem zwischen Ozean und Atmosphäre. „Selbst wenn wir alle kühleren El Niña-Jahre der vergangenen Jahrzehnte miteinander verbinden, sehen wir eine deutliche langfristige Erwärmung. Das zeigt: Die menschengemachte Klimaerwärmung wirkt unabhängig von diesen natürlichen Schwankungen weiter“, erklärt Marc Olefs, Leiter des Departments Klima-Folgen-Forschung der GeoSphere Austria.

Die aktuelle Entwicklung

„Die Signale stehen klar auf El Niño“, betont Olefs. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) führt den tropischen Pazifik aktuell zwar noch als ENSO-neutral, hat aber bereits einen El-Niño-Watch ausgerufen: Die Wahrscheinlichkeit für El Niño liegt bei 82 Prozent für Mai bis Juli und bei 96 Prozent für ein Andauern bis in den Winter 2026/27. Auch IRI, WMO und mehrere saisonale Modellensembles zeigen deutlich in diese Richtung. Besonders auffällig ist, dass einige Modelle und Synthesen inzwischen ein starkes bis sehr starkes Ereignis im Bereich historischer El-Niños wie 1997/98 oder 2015/16 für möglich halten. Olefs: „Seriös ist daher: El Niño ist sehr wahrscheinlich, das Risiko eines starken Ereignisses ist klar erhöht — für Aussagen wie ‚historischer Super-El-Niño‘ ist es aber noch zu früh. Entscheidend wird sein, wie stark sich Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik über Sommer und Herbst koppeln.“

Auswirkungen auf Österreich

„El Niño ist für das Wetter in Österreich und im Alpenraum kein Hauptregler“, erklärt Klimaforscher Marc Olefs. „Während er in vielen Weltregionen sehr deutliche Auswirkungen hat, kommen seine Signale bei uns nur abgeschwächt, indirekt und nicht verlässlich an. Für unsere Winter, Niederschläge oder Hitzewellen sind meist die atlantisch-europäische Zirkulation, regionale Wetterlagen und der langfristige Klimawandel viel entscheidender.“

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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