Bundesregierung beschließt Industriestrompaket und Energiepreiskrisenmechanismus

Standort stärken, Betriebe entlasten und Haushalte sowie KMU für künftige Krisen absichern
Die Bundesregierung setzt weitere Maßnahmen für leistbare Energie, Wettbewerbsfähigkeit und Krisenvorsorge. Mit dem Industriestrompaket werden energieintensive Betriebe gezielt entlastet und Investitionen am Standort Österreich abgesichert. Mit dem Energiepreiskrisenmechanismus Strom wird gleichzeitig ein Schutzschirm vorbereitet, der Haushalte und Unternehmen im Fall extremer Strompreisspitzen rasch entlasten kann.

Die Industrie ist eine zentrale Säule des Wohlstands in Österreich: Fast 40.000 Industrieunternehmen mit rund 500.000 Beschäftigten sichern Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätze. Gerade für energieintensive Betriebe sind Strompreise ein entscheidender Standortfaktor. Die Bundesregierung reagiert darauf mit zwei klaren Instrumenten.

  1. Industriestrompaket für energieintensive Betriebe

Das Industriestrompaket bündelt ab 2027 zwei Maßnahmen: die Weiterentwicklung des Standortabsicherungsgesetzes und den neuen Industriestrompreis. Dafür sind insgesamt 250 Millionen Euro pro Jahr für den Zeitraum 2027 bis 2029 vorgesehen.

Ziele des Industriestrompakets sind:

  • Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Betriebe sichern
  • Carbon Leakage und Standortverlagerungen verhindern
  • faire Bedingungen im europäischen Wettbewerb schaffen
  • Investitionen in Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Elektrifizierung unterstützen


Ein Teil der Förderung muss wieder in Modernisierung, Effizienz oder Elektrifizierung investiert werden. Damit verbindet das Paket kurzfristige Entlastung mit langfristiger Standortstärkung.

Standortabsicherungsgesetz Plus

Das Standortabsicherungsgesetz (SAG) gleicht indirekte CO₂-Kosten aus, die energieintensive Unternehmen über den Strompreis tragen. Das bisherige SAG war eng gefasst: Rund 60 Unternehmen waren anspruchsberechtigt. Mit der Weiterentwicklung ab 2027 soll der Kreis deutlich erweitert werden – künftig sollen rund 120 Unternehmen profitieren können.

  • Vorgesehen ist:
  • Förderung für energieintensive Unternehmen in Carbon Leakage-Sektoren
  • Mindestverbrauch von mehr als 1 GWh pro Jahr
  • Berechnung anhand von Stromverbrauch, Emissionsfaktor, CO₂-Preis und Kompensationssatz
  • Reinvestitionsverpflichtung in Dekarbonisierung, Energieeffizienz oder Elektrifizierung

Damit erhalten besonders betroffene Betriebe mehr Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas.

Neuer Industriestrompreis

Der neue Industriestrompreis richtet sich an besonders stromintensive Unternehmen und Prozesse, die nicht oder nicht ausreichend vom Standortabsicherungsgesetz profitieren können. Dazu zählen etwa Pharma, Chemie, Steine und Erden, Maschinenbau, Lebensmittel, Weberei, Schmiedeteile, elektrische Bauelemente oder Haushaltspapier.

Kernpunkte des Industriestrompreises:

  • Wirkung für rund 400 Unternehmen
  • förderfähig: maximal 50 Prozent des Jahresstromverbrauchs für energieintensive Prozesse
  • Förderung: bis zu 50 Prozent des Großhandelsstrompreises
  • Preisuntergrenze: 50 Euro pro MWh, also 5 Cent pro kWh
  • maximale Wirkung: bis zu 25 Prozent Entlastung auf die gesamten Stromkosten energieintensiver Prozesse
  • Auszahlung jährlich rückwirkend
  • Reinvestition eines Teils der Förderung in Effizienz, Dekarbonisierung oder Elektrifizierung

    Damit werden jene Betriebe gezielt unterstützt, bei denen Stromkosten unmittelbar über Produktion, Investitionen und internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
  1. Energiepreiskrisenmechanismus Strom für Haushalte und KMU

Neben der Standortabsicherung bereitet die Bundesregierung einen Energiepreiskrisenmechanismus Strom vor. Dieser soll ausschließlich im Fall einer außergewöhnlichen Energiepreiskrise aktiviert werden.

Der Mechanismus sieht vor:

  • für Haushalte: gestützter Strompreis von 10 Cent pro Kilowattstunde netto für ein definiertes Grundkontingent oberhalb des Kontingents gilt weiter der Marktpreis, damit der Sparanreiz erhalten bleibt
  • für Unternehmen: einheitlicher Zuschuss pro Kilowattstunde
  • Entlastung direkt über die Stromrechnung statt kompliziertem Förderverfahren im Nachhinein
  • erste Entlastung spätestens vier Wochen nach Aktivierung

    Aktiviert wird der Mechanismus nur bei klaren Kriterien:
  • Großhandelspreis über drei Monate über 165 Euro pro MWh
  • Endkundenpreis über 16,5 Cent pro kWh netto
  • monatliche Prüfung der Parameter durch die E-Control


Wenn die Krise abklingt, ist ein dreimonatiger Nachlauf vorgesehen, damit Haushalte und Betriebe nicht abrupt wieder voll belastet werden.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer:

“Mit 750 Millionen Euro für industriepolitische Kernmaßnahmen setzen wir den nächsten konkreten Schritt unserer Industriestrategie 2035. Unser Ziel ist klar: Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze müssen in Österreich bleiben. Deshalb entlasten wir energieintensive Betriebe gezielt – vom spezialisierten Mittelständler bis zur Großindustrie – und schaffen faire Wettbewerbsbedingungen im internationalen Standortwettbewerb. Gleichzeitig sorgen wir mit dem Energiepreiskrisenmechanismus vor, damit Haushalte und Unternehmen im Krisenfall rasch geschützt werden. Energiepolitik ist Standortpolitik: Wer leistbare Energie sichert, sichert Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Arbeitsplätze.”
Staatssekretärin und Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt:

“Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell internationale Krisen auf die Energiemärkte und die Haushalte durchschlagen können. Mit der 10-Cent-Garantie schaffen wir einen automatischen, besonders schnell wirksamen Schutzschirm und verhindern so, dass sich neue Energiekrisen in die Inflation hineinfressen. Der Eingriff bleibt dabei befristet und kommt ohne zusätzliche Ausgaben für das Budget aus. Leistbare Energie ist keine Nebensache, sondern eine Grundvoraussetzung für soziale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität und sichere Arbeitsplätze.”
Staatssekretär Sepp Schellhorn:

“Die Zeit der Gießkanne ist vorbei – sie ist leer. Deshalb setzen wir auf gezielte Krisenintervention dort, wo Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung tatsächlich unter Druck geraten. Unser Ziel ist klar: Planungssicherheit schaffen, Innovation fördern und den Wirtschaftsstandort Österreich langfristig stärken.”

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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