Saisonarbeiterinnen aus Äthiopien – Wirtshaus und Hotel Römerstein lebt seine sozialökonomische Positionierung!

Ausgangslage

Geeignetes Personal im Bereich der Gastronomie zu finden, stellt in vielen Regionen Österreichs eine große Herausforderung dar. Denn, das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen und am Abend sowie der Arbeitsdruck zu den Stoßzeiten ist für viele mit ihrer Vorstellung von Work-Life-Balance nicht vereinbar.

Sozialökonomische Positionierung

Das Wirtshaus und Hotel Römerstein hat sich als sozialökonomischer Betrieb positioniert und lebt diese. Jeden Tag bekommen zirka 50 Schul- und Kindergartenkinder ein sehr preiswertes und qualitätvolles dreigängiges Mittagessen, welches sie im Wirtshaus zu sich nehmen. Beim Personalmanagement wird ein besonderes Augenmerk auf die soziale Komponente (Alter, längere Arbeitslosigkeit, Chancenungerechtigkeit,…) gelegt. Für die beiden Betreiber Baasansuren Munkhtsetseg (Baaska) und Benjamin Öller bedeutet dies „Wirtschaftliche Erfordernisse erfüllen und soziales Engagement leben!“

Saisonarbeiterinnen aus Äthiopien

Das Wirtshaus und Hotel Römerstein beschäftigt seit 15. Mai zwei junge Frauen aus Äthiopien. Alemitu und Eyerusalem kommen aus sehr armen Verhältnissen. Alemitu ́s Lohn betrug für 24/7/365 als Hausmädchen bei einer äthiopischen Familie 20 Euro pro Monat. Eyerusalem bekam für ihre Vollzeitbeschäftigung als Akademikerin 80 Euro pro Monat. Beide sind überglücklich, sehr motiviert, freundlich und lernen sehr schnell. „Wir freuen uns sehr, dass dieses Vorhaben geglückt ist. Alemitu und Eyerusalem bereichern unser multinationales Team (Aussee, Österreich, Mongolei, Kroatien und Äthiopien)!“, so die beiden Betreiber Baaska und Benjamin.

Warum Äthiopien?

Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und ist ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Seit Jahren herrscht im Land Bürgerkrieg. Armut, Elend und Perspektivlosigkeit werden immer größer. Gerhard Fallent, der Ziehvater von Baaska unterstützt Äthiopien seit 20 Jahren als Privatperson im Rahmen unterschiedlicher Projekte und hat sich im Land ein Partnernetzwerk u.a. mit den Salesianern von Don Bosco aufgebaut.

Der Recruiting-Prozess

Gerhard ist im Februar nach Äthiopien gereist und hat gemeinsam mit seinen Partnern geeignete und interessierte Personen ausfindig gemacht. Nach Durchführung eines Ersatzkraftverfahrens durch das AMS für Saisonarbeit wurde seitens des AMS ein positiver Bescheid ausgestellt. Anschließend wurde nach Vorlage der erforderlichen Dokumente bei der österreichischen Botschaft in Addis Abeba ein Visum-D für Saisonarbeitskräfte für maximal 6 Monate mit Verlängerungsmöglichkeit auf 9 Monate gegeben. Nach Ablauf des Visums müssen die Saisonarbeitskräfte wieder zurück in ihr Herkunftsland reisen. Sie können für die nächste Saison wieder um ein Visum-D ansuchen, sofern ein Betrieb bereit ist, sie anzustellen. „Bei uns bewerben sich Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Das Problem dabei ist, dass wir in der Regel nichts Konkretes über diese Personen wissen. Nicht einmal, ob es sich um die Person handelt, mit der wir kommunizieren. Das stellt für jeden Betrieb ein großes Risiko dar, denn man muss sich für zumindest 6 Monate verpflichten, diese Personen anzustellen, laut Kollektivvertrag zu entlohnen und zu beherbergen. Sich auf so eine Blackbox einzulassen, kommt für uns nicht in Frage!“, so Gerhard.

Hocheffiziente Entwicklungshilfe ohne staatliche Unterstützung

Die Entlohnung von Alemitu und Yerusalem beträgt auf Basis des Kollektivvertrags bis zum 75-fachen dessen, was sie in Äthiopien verdient haben. Die Lohnkosten werden ausschließlich vom Betrieb getragen. Es gibt keine staatliche Unterstützung. Zusätzlich erwerben Alemitu und Yerusalem Fachwissen und lernen eine neue Fremdsprache. Nachdem die Beiden einen großen Teil ihres Gehaltes zu ihren Familien schicken werden, profitieren zusätzlich zahlreiche Familienmitglieder in Äthiopien. „Nachdem der gesamte Lohn bei den beiden Frauen und ihren Familien ankommt, die Gehälter ausschließlich vom Betrieb getragen werden sowie Wissenserwerb und Persönlichkeitsentwicklung stattfinden, handelt es sich bei dieser Initiative um eine hocheffiziente Entwicklungshilfe ohne staatliche Unterstützung!“, sind Baaska und Benjamin sehr erfreut.

v.l.n.r.: Gerhard Fallent, Alemitu Eshetu Hirpe, Eyerusalem Molla Demisse, Benjamin Öller,  Baasansuren Munkhtsetseg

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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