VCÖ: Im Vorjahr zwei Drittel der Verkehrstoten in der Steiermark auf Freilandstraßen

Maßnahmenpaket für sichere Freilandstraßen rasch umsetzen

43 Menschen verloren im Vorjahr in der Steiermark bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen ihr Leben, damit waren zwei Drittel der Verkehrstoten auf Freilandstraßen zu beklagen, macht die Mobilitätsorganisation VCÖ aufmerksam. Drei Viertel dieser Todesopfer waren Pkw-Insassen und Motorradfahrer. Und: Es verunglückten auf Freilandstraßen fast viermal so viele Männer tödlich wie Frauen. Der VCÖ setzt sich für ein Maßnahmenpaket für sichere Freilandstraßen ein, unter anderem mit dem Rückbau von Raserstrecken, Tempolimit 80 statt 100, verstärkten Tempokontrollen sowie baulich getrennten Geh- und Radwegen entlang von Freilandstraßen. 

“Freilandstraßen sind die gefährlichsten Straßen. Das zeigt sich auch in der Unfallstatistik sehr deutlich”, stellt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk fest. Im Vorjahr kamen in der Steiermark 43 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen ums Leben, das waren zwei Drittel aller Verkehrstoten. Das Vorjahr war keine Ausnahme: Im Zwei-Jahreszeitraum 2023 und 2024 waren sogar 71 Prozent der Verkehrstoten die Folge von Unfällen auf Freilandstraßen, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. 

Die zahlenmäßig größte Opfergruppe bei Unfällen auf Freilandstraßen waren Pkw-Insassen. Im Vorjahr waren 40 Prozent der Verkehrstoten auf Freilandstraßen Pkw-Insassen, im Zwei-Jahreszeitraum 2023 und 2024 waren es 45 Prozent. Die zweitgrößte Opfergruppe sind Motorradfahrende mit einem Anteil von 35 Prozent im Vorjahr und 33 Prozent im Zwei-Jahreszeitraum 2023 und 2024, informiert der VCÖ. Rund drei Viertel der Verkehrstoten auf Freilandstraßen waren damit Pkw-Insassen und Motorradfahrer. 

“Die Kombination aus hoher Geschwindigkeit und Gegenverkehr führt auf Freilandstraßen zu einem hohen tödlichen Unfallrisiko. Das ist in ganz Österreich ein Problem. Im internationalen Vergleich ist die Zahl der Todesopfer auf Österreichs Freilandstraßen besonders hoch”, weist VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk auf Daten der EU-Kommission hin. Während in der Schweiz im Untersuchungsjahr 2023 14 Menschen pro Million Einwohnerinnen und Einwohner auf Freilandstraßen tödlich verunglückten und in den Niederlanden 15, waren es in Österreich mit 30 doppelt so viele. In der Schweiz und Schweden gilt auf Freilandstraßen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. 

Mit einer Herabsetzung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 km/h kann die Zahl der schweren Verkehrsunfälle deutlich reduziert und Menschenleben gerettet werden. Ein Pkw, der bei Tempo 80 einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von 47 Metern hat, hat mit Tempo 100 nach 47 Metern noch eine Geschwindigkeit von 71 km/h, verdeutlicht der VCÖ. Die Folge physikalischer Gesetze wurde bereits durch zahlreiche Erfahrungen sowohl in Österreich als auch international in der Praxis bestätigt: Temporeduktion auf Freilandstraßen reduziert die Zahl schwerer Unfälle und rettet Menschenleben.

“Österreich kann seine Verkehrssicherheitsziele nur erreichen, wenn der extrem hohe Blutzoll auf Freilandstraßen stark reduziert wird. Deshalb ist österreichweit die Umsetzung eines Maßnahmenpakets für sicherere Freilandstraßen wichtig – mit niedrigerem Tempolimit, verstärkten Tempokontrollen und Infrastrukturmaßnahmen”, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. 

Neben dem Rückbau von Raserstrecken ist die Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie für Radfahrerinnen und Radfahrer durch baulich getrennte Geh- und Radwege zu erhöhen. In den vergangenen drei Jahren kamen in der Steiermark bei Unfällen auf Freilandstraßen insgesamt 22 Menschen mit Fahrrad, E-Bike oder zu Fuß ums Leben. “Nach wie vor gibt es zahlreiche Siedlungen, die mit dem nahegelegenen Ortsgebiet nur über eine Freilandstraße verbunden sind. Geh- und Radwege sind die wirksamste Maßnahme, um Verkehrsunfälle von Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Radfahrerinnen und Radfahrern außerhalb des Ortsgebiets zu reduzieren und um ihre Sicherheit zu erhöhen”, macht VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk auf die Bedeutung von sicheren Geh- und Radwegen aufmerksam.

VCÖ: Drei Viertel der Verkehrstoten auf Freilandstraßen waren Pkw-Insassen und Motorradfahrer (bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen in der Steiermark im Jahr 2025 getötet)

Pkw: 17 Todesopfer (40 Prozent)

Motorrad: 15 (35 Prozent)

Moped: 4 (9 Prozent) 

Fahrrad: 4 (9 Prozent)

E-Bike: 2 (5 Prozent)

E-Scooter: 1 (2 Prozent)

Gesamt: 43 Todesopfer
Quelle: BMI, VCÖ 2026  

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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