Der LRH sieht bei der Umsetzung der Kulturstrategie des Landes Oberösterreich deutlich Handlungsbedarf. Insbesondere bei der Steuerung der OÖ Landes-Kultur GmbH und ihrer Standorte fehlen klare Zielvorgaben, wirkungsorientierte Steuerungsinstrumente und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Auch traditionsreiche Institutionen wie das Adalbert-Stifter-Institut müssen stärker im Heute ankommen.
Im Rahmen der Prüfung wurden die Kulturstrategie des Landes Oberösterreich und deren Umsetzung analysiert. Die Grundlage bildet das 2020 beschlossene Kulturleitbild, das im Rahmen eines partizipativen Prozesses erarbeitet wurde. Dieses formuliert zwar ein klares Bekenntnis zu Kunst und Kultur, lässt jedoch ein konkretes Zukunftsbild vermissen. Auf Basis des Leitbildes entwickelte das Land OÖ eine Kulturstrategie für die Jahre 2021 bis 2027. Nicht festgelegt wurden jedoch Zielwerte und Kennzahlen zur Beurteilung der Zielerreichung. Damit fehlt ein zentrales Instrument für die wirkungsorientierte Steuerung sowie für die abschließende Bewertung der Strategieumsetzung.
„Ein strategischer Rahmen braucht Klarheit darüber, wohin sich das System entwickeln soll und woran Erfolg gemessen wird, andernfalls kann keine Gegensteuerung erfolgen“, betont Direktor Mag. Rudolf Hoscher.
Ein zentraler Kritikpunkt des Landesrechnungshofes betrifft die unternehmerische Steuerung der OÖ Landes-Kultur GmbH. Es fehlen Vorgaben, etwa zu Besuchszahlen, Eigenerlösen oder strategischen Schwerpunkten.
„Unternehmerische Freiheit bedeutet auch unternehmerische Verantwortung und braucht daher klare Ziele und überprüfbare Wirkungen“, so Hoscher.
Die Ankaufspraxis beim Erwerb von Kunst- und Kulturgütern wird kritisch beurteilt. Diese ist sehr ressourcenintensiv, administrativ aufwendig und bislang nur unzureichend gesteuert. Die Recherche zu, sowie die Auswahl und die Entscheidung über den Ankauf von Sammlungsobjekten (Kunst- und Kulturgüter mit Sammlungsrelevanz) erfolgte oftmals durch die Geschäftsführung allein ohne vorherige Einbindung der Sammlungsleiter:innen. In der Vergangenheit lagen die finanziellen Aufwendungen für die Ankäufe regelmäßig über den vom Land dafür zur Verfügung gestellten zweckgebundenen Mitteln und wurden daher aus dem laufenden Budget der OÖ Landes-Kultur GmbH finanziert.
Die Höhe der Gesellschafterzuschüsse des Landes ließ derartige Spielräume zu. Vor dem Hintergrund notwendiger Budgetkonsolidierungen des Landes OÖ empfiehlt der Landesrechnungshof, Investitionen und Projekte künftig stärker durch Einsparungen im laufenden Betrieb oder durch zusätzliche Erlöse zu finanzieren. Im Budgetbeschluss des Landes OÖ im Dezember 2025 wurde für 2026 durch Umschichtung von Mitteln für das laufende Budget der OÖ Landes-Kultur GmbH eine Verdoppelung des zweckgebundenen Ankaufsbudgets auf 400.000 Euro beschlossen. Der Landesrechnungshof sieht diese Erhöhung des zweckgebundenen Ankaufsbudgets kritisch, da diese Mittel nur für den Ankauf von Kunst- und Kulturgütern verwendet werden dürfen. Dadurch wird der Handlungsspielraum der OÖ Landes-Kultur GmbH im laufenden Betrieb eingeengt. In Konsolidierungszeiten hätte diese Erhöhung von 200.000 Euro zur Finanzierung von Investitionen oder Projekten verwendet werden und damit die Konsolidierungsbemühungen des Landes OÖ unterstützen können.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass einige Standorte nur sehr geringe Besuchszahlen aufweisen. Die Hauptstandorte verfügen über eine klare Positionierung mit definierten Zielgruppen. Da diese aber mitunter relativ klein sind und zudem in Hauptstandorten eine konsequente Ausrichtung der Wechselausstellungen auf moderne und zeitgenössische Kunst erfolgt, bleiben die Besuchszahlen tendenziell überschaubar. Eine Möglichkeit zusätzliche Besuchergruppen anzusprechen wäre, vermehrt Ausstellungen abseits der modernen und zeitgenössischen Kunst anzubieten. Der Landesrechnungshof regt daher an, die Themenvielfalt zu erhöhen und bei Nebenstandorten mit sehr niedriger Frequenz über reduzierte Öffnungszeiten oder alternative Nutzungsformen nachzudenken.
Auch das Adalbert-Stifter-Institut steht im Fokus der Empfehlungen. Es handelt sich um ein wissenschaftliches Institut für Literatur und Sprache und eine Präsentationsstätte für zeitgenössische Literatur. Nach Ansicht des Landesrechnungshofes sollte das Land OÖ gemeinsam mit dem Adalbert-Stifter-Institut die Einsatzmöglichkeiten bzw. -notwendigkeiten moderner Informationstechnologien analysieren und in die Entwicklung mittel- bis langfristiger Ziele und Strategien und in eine Neubewertung des Aufgabenprofils des Adalbert-Stifter-Instituts einfließen lassen.
„Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die künftigen Anforderungen gerecht werden“, hält Hoscher fest.
Der Landesrechnungshof empfiehlt eine zeitnahe Folgeprüfung zu den Empfehlungen, insbesondere zur wirkungsorientierten Steuerung, zu Investitionen und strukturellen Anpassungen bei Standorten und Institutionen.




