WKO Steiermark – Impulstalk in Liezen: “Wir brauchen eine Allianz für Wachstum”

Das Jahr 2026 als zentraler Wendepunkt: Am 22. Jänner 2026 diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Bezirk Liezen beim WKO-Impulstalk in Gröbming über die zentralen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum in der Region. Im Fokus standen dabei der Abbau bürokratischer Hürden, die stärkere Ausrichtung auf internationale Märkte sowie die gezielte Stärkung des regionalen Fachkräftepotenzials.

Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk fordert zum Jahresauftakt für die gesamte Steiermark eine Allianz für Wachstum: „Die Menschen spüren, dass wir an einem Wendepunkt angelangt sind. Wir können diesen 2026 aktiv gestalten – oder wir werden gestaltet. Wir haben eine klare Agenda: Es braucht definierte Rahmenbedingungen statt lähmender Bürokratie sowie den Mut, bestehende Strukturen neu zu denken und Ressourcen gezielt einzusetzen. Entscheidend sind zudem gezielte Investitionen in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern. Leistung, Kooperation und Export sind Teil der DNA der Steiermark – darauf müssen wir aufbauen. Gleichzeitig kommen wir an grundlegenden Reformen im Arbeitsmarkt und im Bildungssystem nicht vorbei, wenn wir Wachstum wieder möglich machen wollen.“

Zentrale Hebel für den Aufschwung seien laut Herk eine Pensionsreform und leistbare Energie. Angesichts der demografischen Entwicklung spricht er sich für eine Annäherung an das dänische Modell mit einer automatischen Anpassung des Pensionsantrittsalters aus. Ebenso müssten angekündigte Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten rasch bei den Betrieben ankommen; insbesondere die deutlich höheren Netzentgelte belasteten den Standort Steiermark. Zudem bekennt sich Herk klar zu internationalen Abkommen wie Mercosur und fordert konsequent Deregulierung und Entbürokratisierung. Nur so könnten die Chancen der Koralmbahn und des neuen Wirtschaftsraums AREA SÜD genutzt werden – eine Jahrhundertchance für den Süden Österreichs im Jahr 2026.

Wachstumspotenziale in der Region gezielt nutzen

Als größter Bezirk der Steiermark steht Liezen vor der Aufgabe, wirtschaftliches Wachstum mit der Entwicklung eines attraktiven Lebensraums zu verbinden. Vor diesem Hintergrund betonen Regionalstellenobmann Egon Hierzegger und Regionalstellenleiter Christian Hollinger: „Für nachhaltiges Wachstum in unserer Region gilt es, die touristischen Stärken konsequent zu nutzen und weiter auszubauen, gleichzeitig aber auch den industriell-gewerblichen Bereich gezielt zu stärken. Die entscheidende Basis für beides sind Fachkräfte – wir müssen junge Menschen dafür gewinnen, in der Region zu bleiben, hier zu leben und zu arbeiten.“

Basis für nachhaltiges Wachstum

Langfristiges Wachstum basiert für viele Unternehmen sowohl auf Investitionen in die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch auf effizienten und verlässlichen Rahmenbedingungen. Silke Grüßer, Geschäftsführerin der Gebrüder Jäger Austria GesmbH, hebt dabei die Bedeutung von Qualifikation und regionaler Verankerung hervor: „Nachhaltiges Wachstum bedeutet für uns vor allem die konsequente Investition in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir sind länderübergreifend tätig, doch unser Erfolg basiert auf einer starken Verankerung am Standort, einem motivierten Team und einem engen Netzwerk mit regionalen Institutionen.“ Gleichzeitig weist Moritz Rainer, Geschäftsführer der FBT Fine Ballistic Tools GmbH, auf die zentrale Rolle der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für internationale Wettbewerbsfähigkeit hin: „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Produkte und Dienstleistungen hängt maßgeblich von effizienten Rahmenbedingungen ab. Es gilt, Unternehmerinnen und Unternehmer durch den Abbau und die Digitalisierung bürokratischer Aufwände zu entlasten, damit der Fokus wieder auf der eigentlichen Wertschöpfung liegt.“

Internationalisierung als Wachstumstreiber

Der Schritt in neue Märkte erweist sich für viele regionale Betriebe als entscheidender Faktor, um auch in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben und langfristig zu wachsen. Dabei spielen sowohl eine klare Qualitätsstrategie als auch stabile Rahmenbedingungen am Heimmarkt eine zentrale Rolle. Herbert Steiner, Geschäftsführer der Steiner GmbH & Co KG in Mandling, betont die Bedeutung einer konsequenten Positionierung am internationalen Markt: „Wir agieren im Textilbereich in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld. Umso wichtiger ist es, dass wir mit unseren Produkten bereits im DACH-Raum international etabliert sind und uns konsequent über herausragende Qualität am Markt positionieren – nur so können wir langfristig wettbewerbsfähig bleiben und die traditionsreiche Geschichte unseres Unternehmens weiterführen.“

Dass internationales Wachstum auf einer starken regionalen Basis aufbauen muss, unterstreicht auch Martin Würfel, Geschäftsführer der Landgenossenschaft Ennstal LANDENA KG in Stainach-Pürgg: „Wachstum begleitet unser Unternehmen seit Jahren – in den vergangenen zehn Jahren haben wir uns verdreifacht. Heute sind wir international tätig und erzielen eine Exportquote von rund 90 Prozent. Möglich ist das jedoch nur mit einer starken und soliden Basis im Heimmarkt mit Unterstützung durch Behörden und Politik. Wenn Unternehmen in den Regionen investieren sollen braucht es eine aktive und verlässliche Standortpolitik mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen bei Bürokratie, Arbeitskräfteangebot und Standortkosten.“

Fotos: Morgenstern

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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