Wirtschaftsbarometer Region Ennstal/Salzkammergut (Bezirk Liezen):Wirtschaftsklima bleibt zum Jahresende frostig

Die konjunkturelle Lage bleibt auch gegen Jahresende angespannt. Im neuen Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark wird das Wirtschaftsklima als frostig eingestuft, davon zeugen die Saldenwerte sowohl beim Ist-Stand (-26,1 Prozentpunkte) als auch bei den Erwartungen (-33,4 Prozentpunkte). „Wir brauchen jetzt eine Entlastung der Unternehmen“, mahnt Regionalstellenobmann Egon Hierzegger. Er fordert von der Politik „Taten statt Worte“, vor allem, was die Lohnnebenkosten betrifft. 65,4 Prozent der befragten Unternehmen stufen die gestiegenen Arbeitskosten nämlich als größte Herausforderung ein, wobei 61,4 Prozent der befragten Betriebe nach wie vor auch unter einem Arbeits- und Fachkräftemangel leiden. „Leistung muss sich lohnen. Es kann nicht sein, dass der Staat der größte Nutznießer der hohen Kollektivvertragsabschlüsse ist. Dieser muss die Betriebe in Form einer Lohnnebenkosten-Senkung unterstützen“, betont Hierzegger.

Für die heimische Wirtschaft bleiben die Zeiten herausfordernd. Hohe Arbeitskosten bei gleichzeitigem Arbeitskräftemangel sorgen angesichts der angespannten weltwirtschaftlichen Situation für ein weiterhin frostiges Wirtschaftsklima in Liezen, das zeigt das aktuelle Wirtschaftsbarometer deutlich auf: 39,4 Prozent der befragten Unternehmen melden in der großen Konjunkturumfrage der WKO Steiermark eine weitere Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftssituation zurück, während 13,3 Prozent eine Entspannung feststellen – ergibt unterm Strich ein Negativsaldo von -26,1 Prozentpunkten. Auch in Bezug aufs neue Jahr sehen nur wenige Unternehmen Licht am Ende des Tunnels (9,7 Prozent), ein Gutteil (43,2 Prozent) zeigt sich pessimistisch in den Erwartungen. Der Erwartungssaldo (-33,4 Prozentpunkte) bleibt damit im Winter 2023 klar im Negativbereich.

Negativ eingeschätzt wird aber nicht nur das allgemeine Wirtschaftsklima, sondern auch die bisherige Entwicklung des eigenen Unternehmens. Mit (inflationsbedingter) Ausnahme des Preisniveaus fallen sämtliche Saldenwerte in den Minusbereich. Das Konjunkturprofil im Detail: Gesamtumsatz 28,9 Prozentpunkte, Auftragslage -36,8 Prozentpunkte, Preisniveau +75,4 Prozentpunkte, Investitionen -14,0 Prozentpunkte und Beschäftigung -19,8 Prozentpunkte.

„Die Situation ist äußerst ernst, die Herausforderungen groß. Es braucht seitens der Politik endlich entschiedene Taten, vor allem, was die Lohnnebenkosten angeht“, betont Regionalstellenobmann Hierzegger. Sie steigen mit den zuletzt hohen Kollektivvertragsabschlüssen nämlich noch einmal deutlich an. „Der Staat darf nicht größter Profiteur dieser Erhöhungen sein, die unsere Betriebe über die Schmerzgrenzen hinaus belasten“, so Egon Hierzegger. Er fordert deshalb eine deutliche Senkung als Signal der Entlastung.

Das entspricht nämlich auch den Hauptsorgen der steirischen Wirtschaft: 65,4 Prozent der befragten Unternehmen in Liezen sehen die Arbeitskosten als eine der größten Herausforderungen. Aber auch der Arbeits- und Fachkräftemangel (61,4 Prozent) und die Energiekosten (53,9 Prozent) belasten die Betriebe. „Angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen ist es bemerkenswert, dass eine der unternehmerischen Hauptsorgen nach wie vor dem Personalmangel gilt – das zeigt, wie akut der Handlungsbedarf hier ist“, so der Regionalstellenobmann Egon Hierzegger.

Die Wirtschaftsentwicklung der Liezen im Detail

UMSATZ. In Liezen hat sich die bisherige Geschäftslage eingetrübt. Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgelöst durch geopolitische Ereignisse, Energiepreisschocks und hohe Inflation belasten die Unternehmen seit Monaten. Im Winter 2023 meldet die überwiegende Zahl der Unternehmen eine negative Umsatzentwicklung rück (Umsatz bisher gesunken: 52,0 %; gestiegen: 23,1 %; Saldo: -28,9 Prozentpunkte). In Bezug auf die kommenden 12 Monate zeigen sich die Unternehmen in Liezen – anders als in der übrigen Steiermark – dennoch positiv gestimmt: Mit 7,3 Prozentpunkten ist der Erwartungssaldo knapp positiv, womit die optimistischen Einschätzungen (24,6 %) die pessimistischen (17,2 %) überwiegen.

AUFTRAGSLAGE. Ähnlich wie zum Gesamtumsatz erweisen sich die Einschätzungen zur Auftragslage. Während die bisherige Auftragslage klar negativ bewertet wird (Auftragslage bisher gesunken: 58,2 %; gestiegen: 21,3 %; Saldo: -36,8 Prozentpunkte), bleiben die Unternehmer hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung optimistisch. Die Mehrheit der Unternehmen (54,8 %) erwartet steigende Auftragszahlen, während 19,3 % mit einer Verschlechterung ihrer Auftragssituation rechnen. Im Erwartungssaldo ergibt das einen klar positiven Wert von 35,5 Prozentpunkten.

PREISE. Der Inflationsdruck ist in Liezen in den vergangenen 12 Monaten weiterhin hoch geblieben. Der Großteil der Unternehmen (80,1 %) musste die gestiegenen Preise an seine Kundschaft weitergeben, nur 4,7 % haben ihre Verkaufspreise gesenkt. Das ergibt somit einen Positivsaldo von 75,4 Prozentpunkten. Für die kommenden 12 Monate erwarten nur mehr 31,1 % der Unternehmen eine weitere Erhöhung ihrer Preise, 4,7 % gehen hingegen von einer Verringerung ihres Preisniveaus aus. Der Erwartungssaldo fällt mit 26,4 Prozentpunkten sichtlich niedriger aus als im Sommer.

INVESTITIONEN. Die Investitionsbereitschaft hat in den vergangenen 12 Monaten in Liezen nachgelassen, der Investitionssaldo kommt im Negativbereich bei 14,0 Prozentpunkten zu liegen. Der im Liezen vorherrschende Optimismus spiegelt sich auch in den Investitionserwartungen wider: Anders als im Steiermarkschnitt fällt der Erwartungssaldo ebenfalls positiv aus (30,0 Prozentpunkte).

BESCHÄFTIGUNG. Angesichts der Konjunkturschwäche hat auch die Arbeitskräftenachfrage in Liezen nachgelassen, was in einem Negativsaldo zur bisherigen Beschäftigungsentwicklung (-19,8 Prozentpunkte) zum Ausdruck kommt. In Bezug auf die kommenden 12 Monate überwiegt ebenfalls der Optimismus (Erwartungssaldo: 8,5 Prozentpunkte).

Was die Wirtschaft von der Politik fordert

KONJUNKTUR: Impulse setzen
• Lohnnebenkosten senken
• Konjunkturpaket für die Bauwirtschaft schnüren
• Investitionsimpulse setzen, keine neuen Belastungen
• Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung
ENERGIEKOSTEN: Leistbare Energie für den Standort sichern
• Abkehr von Verknappungspolitik durch Technologieneutralität im Energiebereich
• Heimische Energiepotenziale erschließen
• Netztarif-Strukturperiode 2024+ für Reformen nutzen
• Steuern auf Energie abschaffen bzw. temporär senken
• Klima- und Energiepolitik mit Maß und Ziel
FACHKRÄFTE: Maßnahmenpaket zur Fach- und Arbeitskräftesicherung umsetzen
• Qualifizierte Zuwanderung: Weitere RWR-Card-Reform für Fachkräfte aus Drittstaaten nach deutschem Vorbild
• Mobilisierung des heimischen Arbeitskräftepotenzials: überregionale Vermittlung forcieren, Reform des Arbeitslosengeldes, Ausbau der Kinderbetreuung, Bonus-Modell für Senioren, Einführung Teilkrankenstand etc.
• IFO – Internationale Fachkräfteoffensive
AREA SÜD: Jahrhundertchance Koralmbahn nutzen
• Infrastruktur-Bottlenecks beseitigen: Ausbau Phyrn-Schober-Achse und Graz-Bruck sowie 3-spuriger Ausbau der A9
• Ausgleichsmaßnahmen in peripheren Regionen: Ausbau S-Bahn-System Klagenfurt – Aichfeld & Vollausbau B317 – S37
• Öffentlicher Verkehr: Taktung in beiden Bundesländern optimieren – regionale Buslinien und S-Bahn-Verbindungen bis 2025 sicherstellen

Liezen, 15.12.2023

Fotohinweis: Foto Steinfisch

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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