VCÖ:WHO-Richtwerte bei Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Steiermark vielerorts deutlich überschritten

Die Luftqualität in der Steiermark hat sich in den vergangenen 15 Jahren verbessert, aber gesund ist die Luft vielerorts leider noch immer nicht, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vorjahr wurden bei allen steirischen Messstellen für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub die Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO überschritten sowie bei 25 der 29 Stickstoffdioxid-Messstellen. Luftschadstoffe machen krank. Laut Europäischer Umweltagentur verursachte die Luftverschmutzung zuletzt 4.500 vorzeitige Todesfälle in Österreich. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für eine gesündere Luft. Im Verkehrsbereich ist das Potenzial zur Reduktion der gesundheitsschädlichen Schadstoffe groß.

“Werden nur die EU-Grenzwerte betrachtet, könnte man meinen, in Österreich wäre überall die Luft sauber. Doch aus Gesundheitssicht sind die Grenzwerte viel zu hoch. Die für die Gesundheit der Bevölkerung relevanten Richtwerte der Weltgesundheitsorganisation werden leider vielerorts deutlich überschritten. Es braucht verstärkte Maßnahmen gegen Luftverschmutzung und zwar rasch”, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest.

Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts zeigt, dass der Richtwert der WHO für den besonders gesundheitsschädlichen PM2,5 Feinstaub im Vorjahr an allen Messstellen in Österreich und damit auch in der Steiermark überschritten wurde. Aus Gesundheitssicht soll die Belastung mit PM2,5 Feinstaub im Jahresmittel unter 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. In Graz, wo die PM2,5-Feinstaub-Belastung am höchsten ist, war die Belastung bei der Messstelle Don Bosco und Tiergartenweg dreimal so hoch wie der WHO-Richtwert, verdeutlicht der VCÖ. In Leibnitz und Voitsberg wurde der Wert um das Doppelte überschritten.

Auch bei den Messstellen für den grobkörnigeren PM10-Feinstaub wurde der WHO-Richtwert für den Jahresmittelwert an den meisten steirischen Messstellen überschritten, nämlich bei 31 von 34. Je kleiner die Feinstaubpartikel, umso gefährlicher sind sie. Langfristige Belastungen erhöhen unter anderem das Risiko für Herzinfarkt und auch Lungenkrebs. Für Kinder sind die Feinstaubpartikel sehr schädlich, weil sich ihre Lunge im Wachstum befindet und sie im Verhältnis zur Körpergröße mehr Luft einatmen. Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter und Sprecher der “ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt” betont: “Schon lange haben wir aus ärztlicher Sicht darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Vorgaben zu den Langzeitmittelwerten etwa von Feinstaub und Stickstoffdioxid deutlich zu lasch sind. Aufgrund der nachgewiesenen Krankheitslast der Bevölkerung durch Luftverschmutzung ist es dringend an der Zeit, weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität umzusetzen. Immerhin hängt von dieser ja nicht nur unser Wohlbefinden ab, sondern auch unsere Lebenserwartung.”

Bei Stickstoffdioxid (NO2) wurde im Vorjahr bei 25 der 29 steirischen Messstellen der WHO-Richtwert von 10 Mikrogramm NO2 im Jahresmittel überschritten, informiert der VCÖ. Auch bei NO2 war die Belastung in Graz Don Bosco mit 32 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft innerhalb der Steiermark am höchsten. Stickstoffdioxid kann Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Lungenschäden verursachen. Für mehr als die Hälfte der Stickoxid-Belastung ist der Verkehr verantwortlich, insbesondere Dieselabgase.

Dass Luftverschmutzung eine große Gesundheitsgefahr ist, zeigen auch die neuesten Daten der Europäischen Umweltagentur. Allein im Jahr 2021 hat die Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon in Österreich 4.500 vorzeitige Todesfälle verursacht. “Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Was wir einatmen hat großen Einfluss darauf, ob wir gesund bleiben oder krank werden. Umso wichtiger ist es, möglichst rasch die Richtwerte der WHO zu erreichen”, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest.

Der Verkehrsbereich kann einen sehr großen Beitrag zur Reduktion der Luftverschmutzung leisten, betont der VCÖ. Zum einen durch niedrigere Tempolimits. Das Land Salzburg hat festgestellt, dass allein das flexible Tempolimit 100 auf der Tauernautobahn (IG-L Tempolimit) den Stickoxidausstoß beim Pkw-Verkehr um 19 Prozent reduzierte, inklusive dem nicht betroffenen Lkw-Verkehr brachte das flexible Tempolimit eine Reduktion um acht Prozent, was der Wirkung einer Gesamtsperre der Autobahn von knapp einem Monat entspricht. “Die Gesundheit der Bevölkerung ist das höchste Gut. Deshalb ist ein Beibehalten beziehungsweise Einführen von niedrigeren Tempolimits wichtig, solange die Schadstoffbelastung über den Richtwerten der WHO liegt”, betont VCÖ-Expertin Mosshammer. Höheres Tempo erhöht nicht nur den Schadstoffausstoß, sondern auch Reifen- und Bremsabrieb, den auch Elektroautos verursachen.

In den Gemeinden und Städten kann durch Verkehrsberuhigung sowie mit einer Verkehrs- und Stadtplanung, die das zu Fuß gehen und Radfahren fördert, wesentlich dazu beigetragen werden, dass die Bevölkerung mehr Alltagserledigungen gesund und emissionsfrei zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen kann. In Städten sind zudem auch emissionsfreie Lieferzonen wichtig, um die Luftverschmutzung durch Diesel-Transporter zu reduzieren.

VCÖ: WHO-Richtwert für PM2,5 bei allen steirischen Messstellen überschritten (Jahresmittelwerte im Jahr 2022)

Richtwert der WHO für PM2,5: Jahresmittelwert 5 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Grenzwert des Immissionsschutz-Gesetzes Luft: Jahresmittelwert 25 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Graz Don Bosco: 16,0

Graz Süd Tiergartenweg: 15,6

Leibnitz: 13,8

Graz Nord: 12,0

Voitsberg: 10,9

Weiz: 10,0

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

VCÖ: WHO-Richtwert für NO2 bei 25 der 29 steirischen Messstellen überschritten (Jahresmittelwerte im Jahr 2022)

Richtwert der WHO für NO2: Jahresmittelwert 10 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Grenzwert des Immissionsschutz-Gesetzes Luft: Jahresmittelwert 30 Mikrogramm / Kubikmeter Luft

Die 10 steirischen Messstellen mit der höchsten NO2-Belastung

Graz Don Bosco: 32,2 Mikrogramm NO2/ Kubikmeter Luft

Graz Süd: 22,1

Graz Mitte: 21,6

Graz Ost: 20,8

Straßengel: 20,3

Graz West: 19,9

Leoben: 17,3

Graz Nord: 16,1

Weiz: 16,0

Leibnitz: 15,3

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2023

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Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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