ASFINAG: Bessere Beschilderungen und Bodenmarkierungen gegen Geisterfahrer. 388 Vorfälle im vergangenen Jahr

Anschlussstellen und Baustellen werden regelmäßig überprüft; Faktor Mensch ist häufigste Ursache

Wie die Statistik (von Ö3) aus 2022 zeigt, ist die Zahl der Meldungen über Falschfahrer auf den österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen im Vergleich zu 2021 trotz gestiegener Verkehrsfrequenz nahezu gleichgeblieben (390 zu 388). Positiv hervorzuheben ist auch, dass es im Vorjahr zu keinem einzigen tödlichen Unfall durch Geisterfahrer gekommen ist, bei insgesamt sieben Unfällen waren jedoch fünf Verletzte zu beklagen.

Alle Daten über Geisterfahrer-Meldungen werden von der ASFINAG jedes Jahr zusammen mit den Unfalldaten des Innenministeriums analysiert, um Problembereiche erkennen und geeignete Maßnahmen einleiten zu können, wo sie möglich sind. So werden zum Beispiel Anschlussstellen auf Verbesserungen bei der Beschilderung und bei der Bodenmarkierung hin überprüft.

„Wir als Autobahnbetreiber versuchen laufend, mit diesen Maßnahmen Verbesserungen zu erzielen, aber den Faktor Mensch können wir nur sehr bedingt beeinflussen“ sagt ASFINAG-Verkehrssicherheitsexperte Bernhard Lautner. Es zeigt sich nämlich, dass die meisten Falschfahrten auf gravierendes Fehlverhalten zurückzuführen sind. Neben der Aussage, man habe umdrehen müssen, zum Beispiel „weil das Navi es so angesagt“ habe, ist die „Fahruntüchtigkeit“ aufgrund von Alkohol, Medikamenten, Drogen oder auch generelle Verwirrtheit der häufigste Auslöser von Falschfahrten.

Mitten auf Autobahn einfach umgedreht

Das wird auch von zwei konkreten Fällen in Kärnten im Großraum Villach untermauert, in dem es im Vorjahr mit 54 Meldungen zu deutlich mehr Geisterfahrer-Meldungen kam als im Jahr 2021.  Die beiden von der Polizei angehaltenen Falschfahrer hatten jeweils einfach mitten auf der Autobahn umgedreht. Einer davon war auf der A 10 Tauernautobahn unterwegs, drehte um und war als Geisterfahrer durch den Oswaldibergtunnel gefahren, die zweite Lenkerin war ihrer Aussage zufolge unkonzentriert und irrtümlich auf die A 11 Karawanken Autobahn gefahren, hatte dort mitten auf der Autobahn ebenfalls einfach umgedreht, um in Richtung Klagenfurt zu fahren.

Wahrnehmungen in Baustellenbereichen

Die stark gestiegene Zahl in diesem Bereich ist aber natürlich dennoch Anlass, die Ursachen genauer zu analysieren, um eventuelle Schwachstellen ausfindig machen zu können. Eine mögliche Erklärung für die Häufung im Großraum Villach sind zwei Baustellen zwischen Villach und Maria Gail sowie zwischen Villach und Klagenfurt-West, bei denen entsprechende Wahrnehmungen entstanden sein könnten. Bei einer Baustelle war eine komplette Fahrbahnseite gesperrt, auf der in Folge entgegen der gewohnten Fahrtrichtung Baustellenverkehr stattgefunden und so den Eindruck von möglichen Geisterfahrern vermittelt hat. Die zweite Baustelle wurde mit einer sogenannten Korridorspur eingerichtet, also einer durch Betonleitwände getrennten Fahrspur auf der „Gegenfahrbahn“.

Dass nicht hinter jeder Wahrnehmung tatsächlich ein Falschfahrer steckt, soll jedoch niemals davon abhalten, bei Polizei oder Verkehrsfunk Alarm zu schlagen. „Es geht um Menschenleben, besser einmal zu viel gewarnt als einmal zu wenig“, versichert Lautner.

Bei nur etwa zehn Prozent der Geisterfahrer-Meldungen wird der „Geist“ übrigens auch sichtbar. Und in fast allen Fällen zeigte sich, dass die Lenkerin oder der Lenker betrunken oder aus anderen Gründen beeinträchtigt und somit fahruntauglich war. Lautner: „Bei bewusstem menschlichen Fehlverhalten helfen also auch unsere besten Sicherheitsmaßnahmen nichts.“

So verhalten Sie sich bei einer Geisterfahrerwarnung richtig:

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit
  • Erhöhen Sie den Abstand zum Auto vor Ihnen
  • Reihen Sie sich auf den rechten Fahrstreifen ein und überholen Sie nicht
  • Bleiben Sie nach Möglichkeit beim nächsten Parkplatz/Rastplatz stehen und warten Sie, bis es Entwarnung gibt

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


error: (c) arf.at