VCÖ: SUV-Anteil bei Neuwagen hat sich in der Steiermark seit 2005 versechsfacht – sogar in Graz 4 von 10 Neuwagen SUV

VCÖ: SUV haben höheren Energieverbrauch als vergleichbare herkömmliche Modelle

VCÖ (Wien, 20. Jänner 2023) – Der Anteil der SUV an den Neuwagen hat in der Steiermark im Vorjahr mit 43,3 Prozent einen neuen Höchststand erreicht, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Selbt in der Stadt Graz sind bereits vier von zehn Neuwagen SUV. Bereits jeder 4. SUV ist ein Plug-In-Hybrid oder E-Pkw. Der VCÖ weist darauf hin, dass SUV einen höheren Energieverbrauch haben als vergleichbare herkömmliche Modelle. Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise müssen Förderungen für Fahrzeuge viel stärker als bisher den Energieverbrauch von Pkw berücksichtigen, betont der VCÖ.

13.309 der insgesamt 30.775 im Vorjahr in der Steiermark neuzugelassenen Pkw waren SUV oder Geländewagen. Der Anteil der SUV kletterte auf 43,3 Prozent und war damit sechsmal so hoch wie im Jahr 2005 (7,2 Prozent). „In Zeiten der Energie- und Klimakrise ist das keine erfreuliche Entwicklung. Auch wenn heute nicht mehr jeder SUV zwei Tonnen wiegt, gegenüber vergleichbaren herkömmlichen Modellen benötigen sie mehr Energie und verursachen mehr CO2, auch die kleineren SUV-Modelle“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Auch die laufenden Kosten fürs Tanken sind damit höher.

Die regionalen Unterschiede sind kleiner zu erwarten wäre, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Im Bezirk Murau der SUV-Anteil mit rund 52 Prozent am höchsten, in Leoben mit rund 39 Prozent am niedrigsten. Und selbst in der Landeshauptstadt Graz waren vier von zehn Neuwagen SUV oder Geländewagen. In der Stadt bereiten die größeren SUV-Modelle und Pickups mehrfache Probleme: Sie brauchen mehr Platz, im Fall eines Unfall steigt insbesondere für Fußgängerinnen und Fußgänger das Risiko schwerster Verletzungen und sie ragen öfters in Gehsteige hinein und behindern damit Personen, die mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator unterwegs.

Der Großteil der Neuwagen wird auf Firmen und andere juristische Personen zugelassen. „Unternehmen können durch ihren Fuhrpark und ihre Dienstwagen-Policy wesentlich dazu beitragen, die Zahl übergewichtiger und übermotorisierter Neuwagen zu reduzieren“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.

Weiteres Ergebnis der VCÖ-Analyse: Noch fährt die Hälfte der neuen SUV mit Benzin oder Diesel. Aber bereits jeder 10. SUV ist ein Plug-In-Hybrid, dessen Kauf gefördert wurde. Zuletzt hat im Vorjahr eine Studie von Fraunhofer Institut und ICCT gezeigt, dass der reale Verbrauch bei Plug-In-Hybriden dreimal so hoch ist wie die Herstellerangaben und bei Dienstwagen sogar fünfmal so hoch. „Förderungen für Plug-In Hybride stehen im Widerspruch zum Ziel, CO2-Ausstoß und Energieverbrauch der Autoflotte zu reduzieren“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest. Innerhalb der Gruppe der Plug-In-Hybride sind sieben von zehn dieser Pkw SUV oder Geländewagen.

Ein Fünftel der im Vorjahr in der Steiermark neuzugelassenen SUV sind E-Pkw, innerhalb der neuen Elektroautos sind bereits sechs von zehn SUV, wie die VCÖ-Analyse zeigt. „Wir stehen als Gesamtgesellschaft vor der Herausforderung, die Treibhausgas-Emissionen rasch und stark zu reduzieren und mit der vorhandenen Energiemenge sparsamer umzugehen. Umso wichtiger ist es, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Das technische Potenzial für sparsame Automodelle muss zur Gänze genutzt werden und darf nicht so wie in den vergangenen 15 Jahren durch die Zunahme übergewichtiger und übermotorisierter Automodelle zunichte gemacht werden“, stellt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer fest und betont: „Die Verantwortung tragen nicht einzelne Käufer, hier sind die Hersteller von der Politik in die Pflicht zu nehmen, indem auf EU-Ebene entsprechende Vorgaben beschlossen werden.“

Auch bei E-Pkw steigen Energieverbrauch und CO2-Emissionen mit dem Gewicht. Laut Umweltbundesamt-Studie verursacht ein E-Pkw mit rund 2.100 Kilogramm Gewicht im Schnitt in der Gesamtbilanz fast doppelt so viel CO2 pro Fahrzeugkilometer wie ein kleinerer E-Pkw mit einem Gewicht von rund 1.300 Kilogramm. Und der Stromverbrauch beim Fahren ist beim 2.100 Kilogramm schweren Pkw im Schnitt um rund zwei Drittel höher als beim kleineren.

Der Trend zu größer, schwerer, PS-stärker geht einher mit einem weiterhin niedrigen Besetzungsgrad: Österreichweit sitzen in 100 Autos im Schnitt lediglich 114 Personen, bei rund 90 Prozent der Autofahrten sitzt nur 1 Person im Auto, verdeutlicht die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, (0699)18932695

VCÖ: Bereits 43 Prozent der Neuwagen in der Steiermark sind SUV oder Geländewagen (Anzahl neuzugelassene SUV und Geländewagen in der Steiermark)

Jahr 2022: 43,3 Prozent der Pkw-Neuzulassungen

Jahr 2021: 41,0 Prozent

Jahr 2015: 24,2 Prozent

Jahr 2010: 13,2 Prozent

Jahr 2005: 7,2 Prozent
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Sogar in Graz sind vier von zehn Neuwagen SUV oder Geländewagen (Anteil SUV und Geländewagen an den Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2022, in Klammer Anzahl)

Leoben: 38,8 Prozent (217)

Graz: 39,5 Prozent (2.839)

Bezirk Murtal: 40,3 Prozent (634)

Bezirk Bruck-Mürzzuschlag: 40,5 Prozent (1.015)

Bezirk Graz-Umgebung: 41,1 Prozent (1.102)

Bezirk Leoben Land: 41,4 Prozent (345)

Bezirk Deutschlandsberg: 43,4 Prozent (571)

Bezirk Voitsberg: 44,0 Prozent (468)

Bezirk Weiz: 44,4 Prozent (1.156)

Bezirk Südoststeiermark: 44,5 Prozent (745)

Bezirk Leibnitz: 45,3 Prozent (803)

Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 45,6 Prozent (892)

Pol. Exp. Gröbming: 49,2 Prozent (194)

Bezirk Liezen: 49,7 Prozent (2.072)

Bezirk Murau: 52,5 Prozent (256)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

VCÖ: Bereits jeder 4. SUV ist ein Plug-In Hybrid oder E-Auto
(Antriebe der im Jahr 2022 in der Steiermark neuzugelassenen SUV und Geländewagen, in Klammer Anzahl)

Benzin: 30,0 Prozent (3.988)
Nicht Plug-In Hybrid: 21,3 Prozent (2.829)

Diesel: 20,9 Prozent (2.781)

Elektro: 18,4 Prozent (2.455)

Plug-in Hybrid: 9,4 Prozent (1.255)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2023

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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