Deutschlands Krankenhausreform will das aufbauen, was in der Steiermark abgeschafft wird

Dass im Gesundheitswesen vieles im Argen liegt, ist wahrscheinlich jedem klar. Probleme in der Pflege, Ärztemangel (das hat man schon vor 20 Jahren gewusst), große Finanzierungsprobleme mit den Krankenanstalten (die KAGES ist ein riesiger Budgetbrocken des Landes Steiermark), große Einkommensunterschiede zwischen Praktischen Ärzten und Fachärzten, eine sehr beharrliche Ärztekammer, Probleme mit dem Notarztwesen (das wurde im Herbst 2022 wesentlich besser finanziell dotiert, aber ob jetzt in allen Regionen genug Ärzte ohne LKH-Rückhalt vorhanden sind, weiß derzeit niemand), Wahlärzte, die als zusätzliche „Player“ auf den Markt kommen…. Man muss aber darauf hinweisen: Noch funktioniert das System, was vor allen den MitarbeiterInnen im Gesundheitsbereich geschuldet ist.

Reform in Deutschland

Auch in anderen Ländern gibt es erhebliche Probleme, deshalb hat nun Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach am 06.12.2022 in der Bundespressekonferenz eine große Reform angekündigt, deren Umsetzung wohl mindestens 5 Jahre dauern wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Krankenhauswesen, das künftig in 3 Ausführungen vorliegen soll:

Definition von Krankenhaus-Versorgungsstufen (Leveln)

Die Krankenhausstrukturen in Deutschland sind historisch gewachsen. Jedes Krankenhaus unterhält unterschiedliche Fachabteilungen und bietet unterschiedliche Leistungen an. Künftig sollen Krankenhäuser in drei konkrete Level eingeordnet und entsprechend gefördert werden:

Grundversorgung – medizinisch und pflegerische Basisversorgung, zum Beispiel grundlegende chirurgische Eingriffe und Notfälle.

Regel- und Schwerpunktversorgung – Krankenhäuser, die im Vergleich zur Grundversorgung noch weitere Leistungen anbieten.

Maximalversorgung – zum Beispiel Universitätskliniken.
Für jedes Level sollen einheitliche Mindestvoraussetzungen gelten. Damit würden erstmals einheitliche Standards für die apparative, räumliche und personelle Ausstattung gelten – und damit die Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten maßgeblich erhöht werden.

Den Krankenhäusern des Levels I wird eine besondere Bedeutung zugemessen. Sie müssen flächendeckend eine wohnortnahe Versorgung garantieren. Sie werden daher unterteilt in Krankenhäuser, die Notfallversorgung sicherstellen (Level I n) und solche, die integrierte ambulant/stationäre Versorgung anbieten (Level I i). Krankenhäuser des Levels I i soll eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Überwindung der zu häufig noch stationärer-ambulant getrennten Gesundheitsversorgung zukommen. Deshalb empfiehlt die Regierungskommission, sie sektorenübergreifend regional zu planen, sie vollständig aus dem DRG-System herauszunehmen und über Tagespauschalen zu vergüten. Zudem soll durch entsprechende gesetzliche Änderungen ermöglicht werden, dass sie unter pflegerischer Leitung stehen können.

Der Bezug zur Steiermark

Was in Deutschland geplant ist, gibt es in der Steiermark bereits. Hier werden aber Häuser systematisch heruntergefahren, funktionierende Strukturen, etwa im Bezirk Liezen, zerstört. Dass gerade der ländliche Raum auch ein funktionierendes System braucht, weiß jeder. Dass 3 Häuser zugesperrt werden, um es durch ein neues Spital zu ersetzen, würde in Deutschland nach den Reformplänen Lauterbachs nicht passieren. Außerdem: Es gibt erhebliche Zweifel an der Leistungssituation dieses neuen Spitals, das wahrscheinlich dasselbe anbieten wird, was es bereits jetzt in den vorhandenen Häusern gibt. Also kein Leitspital, was immer man darunter bis dato verstanden hat. Der Ärztemangel tut dabei ein Übriges.

Vorbild Deutschland???

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Comments

  1. Leider sind die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen Beratungsresistent.
    Es wäre an der zeit Größe zu zeigen und zu sagen: wir waren auf einem Irrweg unterwegs – auch wenn das bisher schon erhebliche Summen verschlungen hat.

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