Ausseerland Salzkammergut: Von Glöcklern und Berigln

Am Glöck(e)ltag, dem 5. Jänner, gibt es im Bezirk Liezen zwei unterschiedliche Bräuche:

  • Die Glöcklerläufe mit erwachsenen Glöcklern mit den Lichterkappen im Enns-, Palten– und Salzatal in der Dämmerung und in der Nacht auf den 6. Jänner; die Glöcklerläufe werden mit großer Leidenschaft im oö Salzkammergut ausgetragen. Von Goisern bis Ebensee sind sie praktisch an jedem Ort zu finden. Und von dort dürften sie auch in die Steiermark gekommen sein, da und dort sind es Lehrer gewesen, die aus OÖ stammten, ihren Beruf aber in der Obersteiermark ausübten und dann die Glöcklerläufe etablierten (z.B. Stainach)
  • Die Glöckner im Steirisches Salzkammergut, bestehend aus Erwachsenen und Kindern;

Die Glöckler im Steirischen Salzkammergut

Im Salzkammergut beginnen die Kinder oft schon in der Früh oder am Vormittag mit dem anklopfen. Dieses Wort leitet sich aus dem mittelhochdeutschen klocken oder klöcken ab, mit einer Glocke läuten. Dieser Heischebrauch ist heute im Ausseerland und im Hinterbergertal ein Kinderbrauch.

Die Kinder, meist zwischen vier und zwölf Jahren alt, ziehen von Haus zu Haus, läuten kräftig mit einer Glocke und rufen dann laut:“Bitt goar schön um an Glöcklkrapfen!Loßts mi net länger no im Schnee umståpf’n!

Dann bekommen sie von der Hausfrau die extra gebackenen Glöckler-Krapfen und die Kinder verabschieden sich mit einem lauten „Vergelt’s Gott!„. Um sich die Arbeit des Krapfenbackens zu ersparen, geben immer mehr auch Schokolade, Obst oder andere Süßigkeiten.

Die Glöckler bringen der Überlieferung nach Glück. Daher heißt es auch, je mehr Glöckler vor der Haustüre, desto mehr Glück im kommenden Jahr.

Sie sind, je nach Ortschaft unterschiedlich unterwegs, in Altaussee alleine oder in Gruppen, in Obertressen und Grundlsee (aber wiederum nur in Gößl) mit den Perchten.

Ansonsten endet die Zeit des Glöckelns mit dem Beginn der Dämmerung: der Tag gehört den Glöcklern, der Abend den Berigln (Ausseer Dialektausdruck für Perchten).

Bad Mitterndorf

[D]as Glöckeln am heil. 3 König Abend gibt in der Gegend Hinterberg den Aermern Gelegenheit, sich in den großen Bauernhöfen Geschenke u[nd] namentlich Krapfen zu holen,..“ so beschreibt der Professor für Mathematik und Privatsekretär Erzherzog JohannsGeorg Göth im Jahr 1843 das Glöckln in Bad Mitterndorf bzw. im gesamten Hinterbergertal.

In Bad Mitterndorf konnte es auch vorkommen, dass die Kinder auf erwachsene Glöckler stießen, wie Jahrelang auf den Bad Mitterndorfer Organisten Josef Oberfrank. Er war gern gesehener Glöckler bei einigen, auserwählten Adressen. In jedem Haus wurde ihm Bier eingeschenkt und so war die Anzahl der Hausbesuche auch recht variabel. Meinte doch Oberfrank recht hintergründig „man soll allerdings den Bogen nicht überspannen„. Auch Ida Strick erinnerte sich an einen Besuch zweier Mädchen, die bei ihr läuteten, ihren Spruch aufsagten – nur, sie hatten keine Glocken dabei! 

Ida Strick bereite(te) auch eine Spezialiät an diesem Tag zu, die sie Freunden und auch einigen Gemeindemitarbeitern zu Mittag servierte: Braunnudeln aus „Erdäpfeltoag“. Stück für Stück handgemacht und anschließend in Schweineschmalz herausgebacken. Am Glöcklertag gab es bei Familie Strick auch „Bohnlkraut“, das ist Sauerkraut mit Bohnen.

Sie sehen also – viele Varianten!

Die Perchten

Bei den Figuren handelt es sich um vermummte Gestalten, die oft Frauenkitteln mit Schürzen tragen, ein Tuch vor dem Gesicht, einen Hut mit Federn oder anderem, skurrilen Kopfschmuck haben. Dann tragen sie einen Leinensack umgehängt für die Glöcklkrapfen, eine Glocke am Gurt und einen Bartwisch in der Hand.

Den Umzug gibt es in unterschiedlichen Varianten: Wie oben beschrieben in manchen Fällen in Kombination mit den Glöcklern. In Altaussee treffen sich die Berigln ohne Unterbrechung seit 1948 in der Küche beim vgl. Brandauer. Nach einer Verköstigung ziehen sie los. Zusammen mit den inzwischen vorm Haus eingetroffenen „Glöcklbuama“ beginnt das „Anläuten“. Dabei „tratzen“ (ärgern auf harmlose Art) die Kinder zwischen sechs und 16 Jahren die noch unverkleideten Berigln mit ihrem Geläute, die sich als „lärimhoakli“ (lärmheikel) bezeichnen. Sie machen dann dem Lärmen ein Ende, so der Brauch. Sie ziehen sich ins Haus zurück, ziehen sich an und stürmen unvermutet aus dem Haus. Sie versuchen die Glöcklbuama am Feld gegenüber zu „wuzln“, sie am Boden mit Schnee einzureiben, um sie an weiterem Läuten zu hindern. Es kommt zu Verfolgungen und kleinen Raufereien.

In bestimmten Ortsteilen in Bad Aussee ziehen die Berigln von Haus zu Haus, dürfen dort nichts reden, um unerkannt zu bleiben….

Sie sehen also – viele Varianten!

Berigl in Gößl

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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