Wissen um die Lipizzanerzucht jetzt immaterielles Kulturerbe

Im Rahmen der Tagung des Zwischenstaatlichen Komitees des UNESCO Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Rabat/Marokko wurde das Wissen um die Lipizzanerzucht auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt.

Im Dezember 2015 wurde bereites die Klassische Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule als immaterielles Kulturerbe in die UNESCO -Liste aufgenommen. Mit der zweiten Listung – dem Wissen um die Lipizzanerzucht – gehört die Spanische Hofreitschule zur einzigen Institution weltweit, die mit zwei Traditionselementen zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit zählt.

Das Wissen um die Lipizzanerzucht

Die multinationale Einreichung der am Lipizzanergestüt in Piber gepflegten Tradition und das Wissen um die Zucht der ältesten Kulturpferderasse mit Slowenien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Rumänien und Italien beweist einmal mehr das verbindende Element der einzigartige Lipizzanerpferde.

Mit den weltberühmten Vorführungen der Hohen Schule in der prächtigen Barockhalle in Wien, gehören die Lipizzaner der Hofreitschule zu den bekanntesten Pferden dieser einzigartigen Rasse.

Seit über 100 Jahren stammen die Schulhengste der Spanischen Hofreitschule ausnahmslos aus dem Lipizzanergestüt Piber. Es bietet eine einmalige Landschaft für ein einzigartiges Pferd. Die weststeirischen Hügel erwiesen sich über die Jahre für die Aufzucht der Pferde als höchste Güte. Bodenbeschaffenheit, klimatische Bedingungen, aber auch die bauliche Infrastruktur schaffen eine ideale Umgebung für die Aufzucht der Pferde.

Die originalen Zuchtbücher, die im Archiv des Lipizzanergestüts aufbewahrt werden, gehen zurück auf das Jahr 1827. Aus Sicherheitsgründen wurde das Zuchtbuch doppelt geführt. Eines im Oberstallmeisteramt zu Wien und das zweite im Hofgestüt Lipica. Dank des Gedächtnisprotokolls eines ehemaligen Gestütsmeisters aus Lipica verfügt die Spanische Hofreitschule über Aufzeichnungen, die sogar bis ins Jahr 1740 zurückreichen und bis heute vom Gestütsleiter Erwin Movia in Piber und das zweite im Staatsgestüt Monterotondo weitergeführt werden. In diesen Zuchtbüchern ist der Stammbaum jedes Lipizzaners über mehr als zwei Jahrhunderte aufgezeichnet. Jedes Pferd (Hengst und Stute) lässt sich damit bis zu einem der Gründerhengste beziehungsweise einer der Gründerstuten zurückverfolgen. Die Zuchtbücher werden bis heute handschriftlich geführt, seit den 1980er-Jahren sind sie zudem digital erfasst.

„Es werden alle wichtigen Informationen gesammelt, die helfen, die Zuchtziele zu erreichen. Das Ziel der Zucht ist es, gesunde und leistungsbereite Pferde, die dem Rassetyp entsprechen, zu generieren und dabei die größtmögliche genetische Diversität zu sichern“, so Erwin Movia Gestütsleiter der Lipizzanergestüts Piber.

Die Zusammenarbeit der Nationen ist daher ein wesentlicher Bestandteil, um die Einzigartigkeit der Rasse zu erhalten.

Inzwischen ist die Spanische Hofreitschule fast ein halbes Jahrtausend alt. Geschaffen und zur höchsten Blüte gebracht von pferdebegeisterten Menschen sowie fähigen Bereitern. Wer dabei ihre Schönheit fühlt und ihre von Generation zu Generation weitergegebene Kultur spürt, versteht warum die einzigartige Reitinstitution nach wie vor Menschen aus aller Welt anzieht und begeistert.

„Die Lipizzaner vereinen nicht nur Menschen aus aller Welt in Bewunderung für ihre Eleganz und Gelehrsamkeit, sie sind auch Symbol für überwundene Konflikte und die Zusammenarbeit von Nationen. Den jüngsten Beweis dafür liefert die jetzt erfolgte Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit um das Wissen um der Lipizzanerzucht“, so Dr. Alfred Hudler, der Geschäftsführer der Spanischen Hofreitschule.

Foto: Rene van Bakel

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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