Kein steirischer Bezirk erreicht heuer das Ziel „Null Verkehrstote“

VCÖ: Verkehrsberuhigung im Ort und Tempo 80 auf Freilandstraßen erhöhen Verkehrssicherheit

66 Menschen kamen seit Jahresanfang bei Verkehrsunfällen in der Steiermark ums Leben, um 16 mehr als im gesamten Vorjahr, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. Tödliche Verkehrsunfälle gab es in allen Bezirken. Die niedrigste Anzahl an Todesopfern weisen die Landeshauptstadt Graz sowie die Bezirke Murtal und Murau mit jeweils einem Verkehrstoten auf. Gemeinden und Städte können mit Verkehrsberuhigung und mehr Tempo 30 statt 50 die Verkehrssicherheit erhöhen, betont der VCÖ. Auf Freilandstraßen ist Tempo 80 statt 100 eine wirksame Maßnahme. Und auch der Umstieg vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel trägt zur Reduktion der Unfälle bei.

Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle ist in der Steiermark heuer massiv gestiegen. In den ersten elf Monaten kamen bereits 66 Menschen im steirischen Straßenverkehr ums Leben, um 19 mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres, berichtet der VCÖ. Die Zahl der Todesopfer ist schon jetzt höher als im gesamten Vorjahr, als 50 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben verloren.  

„Es gibt nur eine akzeptable Anzahl an Verkehrstoten und die ist null“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. „Diesem Ziel gilt es mit Hilfe von Verkehrssicherheitsmaßnahmen so nahe wie möglich zu kommen.“ In der Steiermark weisen die Landeshauptstadt Graz sowie die Bezirke Murau und Murtal mit jeweils eins die niedrigste Opferzahl auf.

Die meisten Todesopfer waren in den Bezirken Graz-Umgebung und Liezen mit jeweils neun zu beklagen, jeweils acht Menschen kamen in den Bezirken Deutschlandsberg und Leibnitz ums Leben.

„Die Verkehrssicherheit wird von vielen Faktoren und Beteiligten ab. Wichtige Faktoren sind unter anderem die Geschwindigkeit, die Aufmerksamkeit und die Verkehrsmittelwahl. Maßnahmen in diesen Bereichen tragen viel dazu bei, die Zahl der Unfälle zu reduzieren“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer.

Gemeinden und Städte können mit Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt 50 die Sicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger, insbesondere für Kinder und ältere Menschen sowie für Radfahrende deutlich erhöhen. Damit wird ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt: Denn wenn das Gehen und Radfahren sicherer wird, sind wiederum mehr Menschen im Ort zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs was wiederum die Verkehrssicherheit erhöht.    

Dass der Unterschied zwischen Tempo 30 und 50 ein großer ist, verdeutlicht den Anhalteweg. Ein Pkw, der bei Tempo 30 einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von elf Metern hat, hat bei Tempo 50 einen Anhalteweg von 24 Metern. Nach elf Metern hat das Auto noch eine Geschwindigkeit von 49 km/h, informiert der VCÖ. Wird ein Fußgänger mit diesem Tempo angefahren, ist das Risiko schwerster oder gar tödlicher Verletzungen extrem hoch. „Im Ortsgebiet sind viele Kinder und ältere Menschen unterwegs. Deren Sicherheit und Gesundheit muss Vorrang haben“, stellt VCÖ-Sprecher Gratzer fest.

Ein hohes tödliches Unfallrisiko besteht auf Freilandstraßen. Hier ist, wie zahlreiche Beispiele in Österreich und international zeigen, Tempo 80 statt 100 besonders wirksam, um schwere Unfälle zu reduzieren. Für den Radverkehr ist zudem eine gute Rad-Infrastruktur essentiell. Zwischen Wohnsiedlungen und dem nächstgelegenen Ortsgebiet sind baulich getrennte Radwege besonders wichtig.

Auch der Umstieg vom Auto oder Motorrad auf öffentliche Verkehrsmittel erhöht die Verkehrssicherheit. Deshalb ist ein gutes Angebot an Bahn- und Busverbindungen auch ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit. In den Regionen können Anrufsammeltaxis und Discobusse am Wochenende viele schwere Unfälle verhindern und Menschenleben retten. Da diese Angebote immer wieder an der Finanzierung scheitern, schlägt der VCÖ vor, dass ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen für Anrufsammeltaxis und Discobusse zweckgewidmet werden.    

Bezirk Murau: 1 Verkehrstoter
Bezirk Murtal: 1 Verkehrstoter
Graz: 1 Verkehrstoter

Bezirk Voitsberg: 3 Verkehrstote

Bezirk Weiz: 4 Verkehrstote

Bezirk Bruck-Mürzzuschlag: 5 Verkehrstote

Bezirk Hartberg-Fürstenfeld: 6 Verkehrstote Bezirk Leoben: 6 Verkehrstoter Bezirk Südoststeiermark: 6 Verkehrstote

Bezirk Deutschlandsberg: 8 Verkehrstoter Bezirk Leibnitz: 8 Verkehrstoter

Bezirk Graz-Umgebung: 9 Verkehrstote
Bezirk Liezen: 9 Verkehrstote

Quelle: BMI, VCÖ 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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