Landwirtschaftsminister Totschnig stellt neue Regionenstrategie vor

Die Initiative „Meine Region – Heimat. Zukunft. Lebensraum.“ des Landwirtschaftsministeriums ist im Ziel angekommen. Nach einer österreichweiten Dialogtour, wo innovative Projekte und neue Ideen zur Weiterentwicklung der Regionen gesammelt wurden, hat der zuständige Bundesminister Norbert Totschnig die neue Strategie „Meine Region – Unser Weg“ vorgestellt.

Bundesminister Norbert Totschnig

„Die Regionen sind das Herzstück unseres Landes. Hier leben und arbeiten wir, hier werden innovative Ideen, Lebensmittel und andere wichtige Rohstoffe produziert. Unsere Regionen für kommende Herausforderungen zu rüsten, ist mir ein großes Anliegen. Daher hat mein Ressort die Initiative „MEINE REGION – Heimat. Zukunft. Lebensraum.“ ins Leben gerufen. Teil war eine Dialogtour durch ganz Österreich. Mit Vertreterinnen und Vertretern der Regionalpolitik, Expertinnen und Experten wie auch zahlreichen Interessierten haben wir Handlungsfelder und innovative Ideen erarbeitet. All diese wertvollen Inputs sind in die neue Regionenstrategie eingeflossen, mit der wir eine Initialzündung für die Weiterentwicklung unserer Regionen geben.“

„In der neuen Regionenstrategie widmen wir uns drei wichtigen Bereichen: Erstens, Lebensräume nachhaltig gestalten. Hier geht es um lebendige Ortskerne, Bewusstsein bei der Baukultur schärfen oder auch um die Wichtigkeit landwirtschaftlicher Flächen. Zweitens, Lebensräume leistungsfähig gestalten. Hier geht es darum, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen, die holzbasierte Bioökonomie weiterzuentwickeln oder generell neues Arbeiten und Wirtschaften zu ermöglichen. Drittens, Lebensräume attraktiv gestalten: Dazu gehört die Sicherung der regionalen Lebensmittelversorgung, der Schutz vor Naturgefahren, verbesserte Betreuungs- und Bildungsangebote oder auch Unterstützung für freiwilliges Engagement.“

„Unser Ziel muss sein, dass alle Menschen in ihren Regionen beste Lebensbedingungen vorfinden. Es geht nicht um Stadt gegen Land, sondern Ideen und Inspiration. Dieses Ziel erreichen wir nur durch Zusammenarbeit auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene. Daher starten wir eine Regionen-Dialog-Plattform, um den Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten zu aktuellen Themen zu schaffen. Ich lade alle Interessierten ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen. Bringen wir unsere Regionen auch in Zukunft zum Blühen!“

Inhaltliche Schwerpunkte der Strategie „Meine Region – Unser Weg“

  1. Lebensräume nachhaltig gestalten
  2. Der Fokus liegt auf lebendigen Orts- und Stadtkernen, Bewusstseinsbildung bei der Baukultur sowie auf dem Schutz landwirtschaftlicher Flächen.
  • Best practice Beispiel aus Tirol: Seit 2015 arbeitet die Landesregierung an der Ausweisung landwirtschaftlicher Vorsorgeflächen. So ist es gelungen, eine Fläche von rund 350 km² für die landwirtschaftliche Produktion langfristig freizuhalten. In Tirol wird so knapp ein Viertel des Dauersiedlungsraumes vor Widmungen für nicht landwirtschaftliche Nutzungen geschützt. 
  • Best practice Beispiel aus Kärnten: „CO-LIVING Ansatz“. In Klagenfurt wurde aus 8 leerstehenden Gebäuden ein modernes Wohnkonzept umgesetzt: Der Betreiber übernimmt für die Eigentümer die Aufgaben der weiteren Vermietung und sichert den Werterhalt von zuvor leerstehenden Gebäuden.
  • Best practice Beispiel aus Salzburg: Leerstands-Aktivierung in der Stadt Salzburg mit der Panzerhalle. Das Gelände der ehemaligen Struberkaserne im Stadtteil Maxglan wurde erfolgreich wiederbelebt. Entstanden sind zwei Co-Working-Spaces mit insgesamt 600 Arbeitsplätzen, Raum für kreative Zusammenarbeit. 65 Firmen haben sich bereits in der Panzerhalle angesiedelt. Gastronomie, Veranstaltungen etc.

Maßnahmen aus dem BML-Zuständigkeitsbereich

  • Damit solche Konzepte funktionieren, ist Bewusstseinsbildung ebenso nötig wie ein fundiertes Leerstandsmanagement vor Ort. Laut TU-Studie ist in vielen Ortschaften ein Phänomen zu beobachten, das auch als „Donut-Effekt“ bekannt ist. Wie bei der Mehlspeise gibt es die Tendenz, dass Menschen, Geschäfte und Betriebe aus dem Ortskern in die umliegenden Gebiete abwandern. Die Ortsmitte wird leer wie ein Donut-Loch, die Ansiedelung geschieht rundherum. Aus den Ergebnissen der Studie hat das Landwirtschaftsministerium ein praxisnahes Handbuch „Leerstand mit Aussicht“ erarbeitet, das Gemeinden, Eigentümern und Raumplanern dabei helfen soll, dieses Potential zu nutzen und Förderungsmaßnahmen anzusprechen.
  • Lebensräume leistungsfähig gestalten
  • Der Fokus liegt darauf, regionale Wirtschaftskreisläufe und die Innovationsfähigkeit zu stärken, die holzbasierte Bioökonomie weiterzuentwickeln, Arbeitsplätze zu schaffen und Chancengleichheit zu fördern.
  • Best practice Beispiel aus der Steiermark: Das „steirische Vulkanland“ ist seit 2021 die erste Modellregion für Bioökonomie & Kreislaufwirtschaft in Österreich. Ziel ist es, die Wirtschaft schrittweise auf eine regionale und nachhaltige Ressourcenbasis umzustellen.
  • Best practice Beispiel Forstwirtschaft: Der Forst- und Holzsektor schafft 300.000 Arbeitsplätze im Land und erwirtschaftet über 20 Mrd. Euro Wertschöpfung pro Jahr. Die stoffliche und energetische Nutzung von Holz hat großes Potenzial. Außerdem ist nachhaltige Holzverwendung aktiver Klimaschutz! Ein bewirtschafteter Wald bindet mehr CO2 als ein unbewirtschafteter Wald. Daher wird sich Landwirtschaftsminister Totschnig auch in Zukunft für aktive Waldbewirtschaftung einsetzen.
  • Best practice Beispiel aus Tirol: Das Innovationsnetzwerk Kitzbühel unterstützt heimische Betriebe bei Innovationen und Digitalisierungsmaßnahmen und stärkt die Startup-Szene im Bezirk. Es fungiert als Netzwerk und Anlaufstelle und veranstaltet Themen-Events und Workshops.

Best practice Beispiel aus Salzburg: In Planung ist ein Bioökonomie-Projekt im Pongau „Neue Chancen für altes Brot“. Es geht um die Herstellung hochwertiger Möbelplatten aus Altbrot. Die Bäckerei-Konditorei Bauer (Mühlbach am Hochkönig) betreibt 13 Filialen im Land Salzburg, pro Woche fällt 1 Tonne Weißbrot als Altbrot an, daraus sollen Einrichtungsteile und Möbel aus Möbelplatten hergestellt werden, die bei der Renovierung/Neuerrichtung von Filialen der Bäckerei verwendet werden sollen. Nach Ablauf der Lebensdauer der Einrichtungsgegenstände soll der Produkt-Kreislauf geschlossen werden, indem sie als Brennmaterial für die Beheizung der Bäckerei-Öfen zurückgeführt werden. Zusammenarbeit verschiedener Akteure: Regionalverband Pongau, FH Salzburg, BOKU Wien, WKS, Abfallwirtschaftsverband, LEADER.

Maßnahmen aus dem BML-Zuständigkeitsbereich

  • In der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023 ist eine neue Fördermaßnahme zur Unterstützung ländlicher Innovationssysteme vorgesehen. Damit wird der Aufbau regionaler Innovationsnetzwerke und die Unterstützung von Menschen und Unternehmen bei der Umsetzung von Ideen, gefördert.
  • Über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und den neuen Fonds für einen gerechten Übergang zu klimaneutralen Wirtschaft werden bis 2027 rund 1,8 Mrd. Euro Investitionen ermöglicht.
  • Ein bewährtes Instrument ist auch das LEADER Programm. Dafür stehen 210 Mio. Euro bis 2027 im GAP-Strategieplan zur Verfügung.
  • Lebensräume attraktiv gestalten
  • Hier liegt der Fokus auf der Sicherung der regionalen Lebensmittelversorgung, dem Schutz vor Naturgefahren, verbesserten Betreuungs, Gesundheits-, Kultur- und Bildungsangeboten, sowie der Unterstützung freiwilligen Engagements.  
  • Best practice Beispiel aus Niederösterreich: Um Regionalität und Nahversorgung im Marchfeld zu gewährleisten hat Familie Unger die „Bauernspeis Wagram“, einen Ab-Hof-Laden mit Kaffeehaus, aufgebaut. Dieses Projekt wurde über das Programm LEADER gefördert.
  • Beset practice Beispiele aus dem Green Care Bereich: Das Green Care Konzept basiert auf dem Gedanken, dass auf Bauernhöfen soziale Dienstleistungen angeboten werden.
  • Der familiär geführter Gipflerhof im Kärntner Görtschitztal bietet Pflege-Angebote an. Die Bewirtschafter haben sich die fachliche Qualifikation in der Gesundheits- und Krankenpflege neben ihrem Wissen im Bereich der Landwirtschaft angeeignet.
  • Pilotprojekt „Gemeinsam am Hof“ in der Steiermark: In den vier Gemeinden Großwilfersdorf, St. Veit, Thannhausen und Vorau stehen 4 landwirtschaftliche Betriebe als Begegnungsorte für ältere Menschen zur Verfügung. 

Maßnahmen aus dem BML-Zuständigkeitsbereich

  • In der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2023 sind Förderungen für Investitionen in soziale Dienstleistungen vorgesehen, um in ländlichen Gebieten qualitätsvolle, flexible und dezentrale Einrichtungen der Daseinsvorsorge voranzubringen. Um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Privatleben zu verbessern, werden als Schwerpunkt Investitionen in Betreuungs- und Unterstützungsangebote für unter 3-jährige Kinder gefördert.  Dafür stehen insgesamt 65 Mio. Euro zur Verfügung.
  • Für den Bereich Wasserressourcenmanagement (inkl. Schutzwasserbau und Hochwasserschutzmaßnahmen) stehen 403 Mio. Euro im Jahr 2023 zur Verfügung.
  • Für die Siedlungswasserwirtschaft können 2023 Förderungen im Umfang von 180 Mio. Euro zugesichert werden.
  • Für den Schutz vor Naturgefahren sind für 2023 rund 141 Mio. Euro für die Wildbach- und Lawinenverbauung veranschlagt.

BML startet neue Regionen-Plattform

Um erfolgreiche Entwicklungen in den Regionen voranzubringen, müssen viele Akteure auf Regionen-, Landes- und Bundesebene zusammenarbeiten. Das BML wird den mit der Initiative „Meine Region – Heimat.Zukunft.Lebensraum.“ begonnenen Dialog fortsetzen, indem eine Regionen Dialogplattform eingerichtet wird. Diese wird mit den Partnern auf Bundes-, Länder- und Regionalebene im Detail abgestimmt und u.a. folgendes anbieten:

  • Know how, Methoden und Kenntnisse über regionale Besonderheiten und Akteursgruppen anderen Bundesstellen zur Verfügung stellen mit dem Ziel, dass diese bei der Erarbeitung ihrer Maßnahmen die Bedürfnisse der Regionen verstärkt berücksichtigen
  • Österreichweite Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten zu regionalpolitischen Themen
  • Informationen, und Expertenwissen in den Bereichen Regionalentwicklung und Regionalpolitik
  • Angebote von Aus- und Weiterbildungen von in Regionen tätigen Personen

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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