Eine Region der Innovationen:  Gesäuse Innovationspreis geht an „Natural Fire Fighting“ 

Admont (22.11.2022). Zum mittlerweile vierten Mal verlieh das Netzwerk der Gesäuse Partner gestern den Innovationspreis für die größten Innovationen der Region. Dabei konnte eine weltweit einzigartige Erfindung die Jury überzeugen: Die Hagauer & Matlschweiger OG holte mit einem neuartigen Verfahren zum sicheren Löschen von Metallbränden mit Zellulose den ersten Platz. Silber und Bronze gingen an die Blühmelei von Daniela Fößleitner in Ardning und den CO2-neutralen Betrieb forstauers in Gams bei Hieflau. Die Preise wurden im Zuge des Jahresabschlusses der Gesäuse Partner verliehen.

Der Idee zu Natural Fire Fighting ging ein tragisches Ereignis voraus: Nach dem Großbrand der magnesiumverarbeitenden Firma Georg Fischer in Altenmarkt im Jahr 2016 war den Einsatzleitern der Feuerwehr und des Roten Kreuzes rasch klar, dass es eine Lösung für den bis dahin unlöschbaren Magnesiumbrand braucht. Magnesium wird als Leichtmetall in der Industrie vielfach verarbeitet, brennt jedoch bei 3.000 Grad Celsius und reagiert höchst explosiv auf herkömmliche Löschmittel. Nach etwa fünf Jahren Entwicklungszeit hat die Hagauer & Matlschweiger OG nun ein biologisch abbaubares Löschmittel aus umweltfreundlicher Zellulose entwickelt und zum Patent angemeldet. Die Idee wurde überdies unter die besten drei Projekte für den Forschungspreis 2022 vom Kuratorium für Verkehrssicherheit gewählt. Auch die künftige Produktion wird ihren Standort im Gesäuse haben und dadurch vor Ort Wirtschaftsleistung erbringen.

Platz 2 ging an die Blühmelei von Daniela Fößleitner in Ardning, die mit Schnittblumen aus nachhaltigem Anbau punktet. Schnittblumen aus Monokulturen reisen als Frischprodukt oft um die halbe Welt bis sie in den Verkauf kommen. Die Slowflowers der Blühmelei dürfen jedoch zu ihrer Zeit wachsen und in ihrem natürlichen Rhythmus blühen. Dabei wird auf einen gesunden Boden und den natürlichen Kreislauf geachtet. Auf sämtliche Pflanzenschutzmittel und den Anbau unter Glashäusern wird verzichtet, um das Insektenleben bestmöglich zu fördern. Der Boden wird zudem weitestgehend ohne Maschinen bearbeitet. Das Ziel? Positiven Einfluss auf die Biodiversität nehmen und zudem möglichst vielen Menschen eine Freude bereiten – mit pestizidfreien und saisonal produzierten Blumen aus der Region.

Den Preis in Bronze holten sich Birgit und Matthias Schmiedberger mit ihrem CO2-neutralen Betrieb forstauers in Gams bei Hieflau. Ihr Betrieb setzt sich aus einer Brauerei, zwei Gastronomiebetrieben, zwei Ferienhäusern, einem Wasserkraftwerk, zwei PV-Anlagen und ihrer Landwirtschaft zusammen. In vielen Bereichen arbeiten die Schmiedbergers bereits jetzt CO2-neutral. Durch die Installation von Stickstoffgeneratoren in der Gastronomie und Brauerei konnten überdies 5.000 Kilogramm an klimaschädlichem CO2 pro Jahr eingespart werden. Als positiver Nebeneffekt hat sich die Schaumstabilität des Bieres verbessert und der Betrieb ist nun unabhängiger von der chemischen Industrie. Durch den weiteren Ausbau der PV-Anlage kann zusätzliches Potenzial eingespart werden.

Jaqueline Egger, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Gesäuse, zeigt sich von der Bandbreite der Ideen begeistert: „Eine Region steht und fällt mit ihren Menschen. Sie lebt von all jenen, die das Leben in der Region tagtäglich mit Freude mitgestalten. Umso wichtiger, ihr gutes Beispiel einmal im Jahr ins Rampenlicht zu stellen. Ich gratuliere allen Preisträgern 2023 herzlich, zeigen sie doch bewundernswert, auf welch abwechslungsreiche – kleine wie große – Weise sich Wertschätzung gegenüber der Region, der Natur und den Menschen ausdrücken kann.“ Auch Oliver Gulas-Wöhri, Geschäftsführer des Natur- und Geoparks Steirische Eisenwurzen betont die Bedeutung von Innovation in der Region Gesäuse: „Die Einreichungen haben wieder gezeigt, wie innovativ die Region ist. Bei dieser bunten Vielfalt kann sich die Region nur in die richtige Richtung entwickeln.“

Die Auszeichnungen wurden im Rahmen des Jahresabschlusses der Gesäuse Partner am 21. November 2022 verliehen. Von elf eingereichten Projekten wurden die besten drei Innovationen prämiert. Nationalparkdirektor Herbert Wölger hebt die Werte des Nationalparks sowie das Netzwerk der Gesäuse Partnerbetriebe hervor: „Der Nationalpark gibt uns Erdung, Biodiversität, genetische Ressourcen, Langzeitforschung und nicht zuletzt Tourismus. Das Gesäuse Partner Netzwerk sind Betriebe, die zusammenstehen und sehr innovativ sind, darum ist es logisch, einen Innovationspreis zu vergeben.“

Vier Kriterien waren für die Beurteilung von Bedeutung: Innovationsgrad, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Relevanz, Regionsbezug und Nachhaltigkeit. Privatpersonen, Unternehmen, Vereine und Schulen mit Wohn- und Firmensitz in der Tourismusregion Gesäuse konnten sich für den Innovationspreis bewerben – ganz gleich, ob Gesäuse Partnerbetrieb oder nicht. Wichtig ist, dass die Innovation innerhalb der Region ihre Wirkung zeigt. Die handgeschmiedeten Preise fertigte der Palfauer Kunstschmied und Gesäuse Partner der ersten Stunde, Wolfgang Scheiblechner, an.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


error: (c) arf.at