Ausseerland Salzkammergut: WKO on Tour mit Vizepräsidenten Ing. Herbert Ritter

Im Rahmen der WKO on Tour mit Vizepräsidenten Ing. Herbert Ritter , MBA am 09.11.2022 fanden im Ausseerland einige Betriebsbesuche sowie eine Pressekonferenz zum Thema Arbeitskräftemangel und Energiekrise statt.

Arbeitskräftemangel nimmt dramatische Formen an

„Ennstal / Salzkammergut, wir haben ein Problem“, warnen Vizepräsident Herbert Ritter und Regionalstellenobmann Egon Hierzegger angesichts der neu vorliegenden Daten aus dem Fachkräfteradar. Dieses weist für die Steiermark – und im speziellen für die Region – eine Verdoppelung (!) der Mangelberufe innerhalb nur eines Jahres aus. Bereits 155 Berufe verzeichnen demnach einen durchschnittlichen Stellenandrang von unter 1,5 (Grenzwert für Mangelberufe), 2021 waren es 74. „Wir sehen hier eine dramatische Verschärfung der Situation, die auch bei unseren heutigen Betriebsbesuchen im Rahmen von WKO on Tour ein großes Thema waren. Wacht die Politik nicht in Bälde auf, fahren wir als Standort mit Vollgas und ohne Airbag gegen die Wand“, mahnen Vizepräsident Ritter und Regionalstellenobmann Hierzegger. Sie fordern ein Bündel an Leistungsanreizen, um so neue Zielgruppen für den Arbeitsmarkt zu motivieren, allen voran ältere Menschen, die man länger im Erwerbsleben halten möchte.    

Durch die demographische Entwicklung rollt eine enorme Pensionierungswelle auf unser Land zu. Innerhalb von nur 15 Jahren hat sich der Anteil der über 50-jährigen unselbständig Beschäftigten in der Steiermark von rund 69.000 auf fast 151.000 mehr als verdoppelt. Der Anteil der unter 25-Jährigen in den steirischen Firmen hat dagegen im selben Zeitraum von 72.000 auf 61.000 rapide abgenommen. „Wir befinden uns inmitten eines demographischen Tsunamis, dessen Folgen für unsere Gesellschaft nach und nach sichtbar werden“, mahnen Vizepräsident Herbert Ritter und Regionalstellenobmann Egon Hierzegger.

Wie massiv heimische Unternehmen diese Folgen bereits spüren, zeigt die aktuelle Auswertung des WKO-Fachkräfteradars fürs erste Halbjahr 2022. Hierbei wird die Zahl der Arbeitslosen (ab Lehre) pro offene Stelle als Indikator herangezogen, das Ergebnis daraus ist die sogenannte Stellenandrangsziffer. In der Steiermark ist diese in den vergangenen Jahren sukzessive gesunken. Betrug diese 2019 im Schnitt noch 2,34, so waren es im Vorjahr – trotz wirtschaftlicher Coronaverwerfungen – 1,90 und heuer überhaupt nur mehr 1,16, wobei alle Werte unter 1,5 von den Experten der WKO grundsätzlich als Mangel eingestuft werden. „Wir sprechen darum auch nicht mehr von einem Fachkräftemangel, sondern von einem generellen Arbeitskräftemangel“, betont Vizepräsident Ritter. Sowohl Quantität als auch Qualität dieses Mangels haben sich massiv verschärft. Denn zum einen ist die Zahl der Mangelberufe (Stellenandrang von unter 1,5) innerhalb nur eines Jahres in der Steiermark von 74 auf 155 gestiegen und andererseits hat die Dimension, also die Zahl der offenen Stellen in den Branchen zum Teil massiv zugenommen. Laut einer im März und April durchgeführten österreichweiten Befragung unter 4.000 Betrieben („Fachkräfteradar IBW 2022“) bestehen die häufigsten und größten Rekrutierungsschwierigkeiten bei Lehrabsolventen. Wobei es hier zum Teil auch massive Unterschiede je nach Branche und Region gibt. Vor allem in der Bundeshauptstadt würde es Potential geben, den Arbeitskräftemangel in den Regionen abzuschwächen, allerdings bräuchte es dafür eine größere Mobilitätsbereitschaft.


Die Top-Mangelberufe 2022 in der Region:

(mindest. 5 offene Stellen)

BerufeStellenandrangArbeitsloseOffene Stellen
Ärzt(e)innen0,030,725
Medizinisch-technische Fachkräfte (m./w.)0,030,39,8
Dipl. Krankenpfleger, -schwestern0,082,531,7
Metallhilfsarbeiter/innen, -helfer/innen0,110,76,3
Kaffeemittel-, andere Nahrungsmittelhersteller/innen0,140,86,2
Händler/innen und Verk. von Textil- und Bekleidungswaren0,151,06,5
Kellner/innen0,1918,598,7
Gaststättenköch(e)innen0,2017,589,7
Buchhalter/innen0,232,812,3
Techniker/innen f. Maschinenbau0,231,56,5
Magazin-, Lagerfachleute (m./w.), Expedient(en)innen0,241,35,7
Elektroinstallateur(e)innen, -monteur(e)innen0,246,225,3
Nicht dipl. Krankenpfleger/innen u. verwandte Berufe0,256,827,3
Erzieher/innen0,294,816,5
Händler/innen u. Verkäufer/innen v. Lebens- und Genussmitteln0,332,06,0

                                                                       Quelle: AMDB Arbeitsmarktdatenbank des AMS und BMASGK

Für Vizepräsident Herbert Ritter und Regionalstellenobmann Egon Hierzegger besteht angesichts dieser Schieflage akuter Handlungsbedarf: „Wir werden – der Medizin sei Dank – älter und älter, gehen aber früher in Pension als in den 70er Jahren. Das kann so nicht funktionieren! Wir bauen eine Hypothek gegenüber unserer Jugend auf, die absolut unverantwortlich ist. Darum müssen wir in einem ersten Schritt das faktische Pensionsantrittsalter – derzeit 61,8 Jahre bei Männern und 59,8 bei Frauen – ans Gesetzliche anpassen. Und wir werden über kurz oder lang auch an einer Anpassung dieses Alters an die gestiegene Lebenserwartung nicht vorbeikommen. So ehrlich müssen wir den Menschen gegenüber sein.“ Darüber hinaus brauche es Anreize, um die Menschen generell länger im Erwerbsleben zu halten. „Wenn ich heute höre, dass Pensionisten einen Marathon laufen, die höchsten Berge bezwingen und sich jeder Menge anderer sportlichen Herausforderungen stellen, dann sollte man eigentlich für ein gewisses Maß an Arbeit noch fit genug sein. Nicht als Zwang, sondern als lohnendes Angebot. Wer auch in seiner Pension weiterarbeiten möchte, sollte zumindest von erneuten Pensionsversicherungsbeiträgen befreit sein“, so Vizepräsident Ritter. In Österreich arbeiten aktuell gerade einmal 55 Prozent der 55- bis 64-Jährigen, während es in Schweden 78 Prozent sind.

Regionalstellenobmann Egon Hierzegger ortet aber auch in anderen Bereichen Verbesserungsbedarf: „Wir haben mittlerweile eine Rekord-Beschäftigungsquote erreicht, trotzdem ist die Arbeitszeit rückläufig, weil vor allem immer mehr Junge nur mehr Teilzeit arbeiten wollen. Klar ist, dass das aber auch an fehlenden Rahmenbedingungen liegt, wenn ich etwa ans Thema Kinderbetreuung denke. Hier müssen wir das Angebot dringend verbessern. Im Bereich der Arbeitslosen dagegen darf es nicht mehr so einfach sein, mit Sozialleistungen und Zuverdiensten gut über die Runden zu kommen. Wir machen uns deshalb für mehr Leistungsanreize in Form eines degressiven Arbeitslosengelds stark.“

Liezen, 09. November 2022

Fotohinweis:  Astrid Steiner-Fischer – Foto Steinfisch Site-Titel – Startseite (fotosteinfisch.at)

AKE Ausseer Kälte- und Edelstahltechnik GmbH v.l.n.r: Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, MBA, Technische Geschäftsführung Andres Pilz, Leitung Human Resources Management Christian Wulz, MBA, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark Ing. Herbert Ritter, MBA, Geschäftsführer Vertrieb und Finanzen, Klaus Gaiswinkler, Vizebürhermeister Hansmann und  Regionalstellenleiter Christian Hollinger, BA MA MSc
Gartengestaltung Reischenböck GesmbH v.l.n.r: Regionalstellenleiter Christian Hollinger, BA MA MSc, Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, MBA, Geschäftsführung Rita und Werner Reischenböck, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark Ing. Herbert Ritter, MBA und Regionalstellenobmann Stellvertreter Jürgen Hentschel
Holzbau Köberl GmbH v.l.n.r:, Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, MBA,  Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark Ing. Herbert Ritter, MBA, Schilcher Martin,  Geschäftsführung Helmut Köberl, Regionalstellenobmann Stellvertreter Jürgen Hentschel und Regionalstellenleiter Christian Hollinger, BA MA MSc
Pressekonferenz Biowärme Bad Mitterndorf registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung v.l.n.r: Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark Ing. Herbert Ritter, MBA, Geschäftsführung Herbert Hansmann und Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, MBA

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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