In der Steiermark werden in der Freizeit ein Vielfaches mehr an Schulkindern im Straßenverkehr verletzt als am Schulweg

In Gemeinden und Städten kindgerechte Verkehrsplanung umsetzen

VCÖ (Wien, 6. September 2022) – Am Montag beginnt in der Steiermark wieder die Schule. Die Verkehrssicherheit am Schulweg ist deutlich höher als auf Freizeitwegen. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass in den vergangenen drei Jahren in der Steiermark viermal so viele 6- bis 14-Jährige Kinder in der Freizeit im Straßenverkehr verletzt wurden wie am Schulweg. Der Schulweg ist für Kinder eine Chance, Kompetenz im sicheren Verhalten im Straßenverkehr zu lernen. Elterntaxis nehmen dem Kind diese Chance und verursachen zudem im Schulumfeld ein Verkehrschaos. Verkehrsberuhigung sowie weitere Maßnahmen für ein kindgerechtes Verkehrssystem erhöhen die Sicherheit für Kinder, betont die Mobilitätsorganisation VCÖ.

Im 3-Jahreszeitraum 2019 bis 2021 wurden in der Steiermark insgesamt 777 Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt, davon 156 am Schulweg, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Damit verunglückten in der Freizeit viermal so viele Kinder wie am Schulweg.

Und während die Steiermark im Vorjahr so wie in den zwölf Jahren davor das Ziel „Kein tödlicher Schulwegunfall“ erreichte, kamen in der Freizeit in den vergangenen zehn Jahren sechs Kinder bei Verkehrsunfällen in der Steiermark ums Leben. „Die Verkehrssicherheit am Schulweg ist höher. Schülerlotsen und Exekutive sichern Übergänge, Autofahrer sind aufmerksamer und vor vielen Schulen wurden in den vergangenen Jahren Verkehrssicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Der Schulweg ist für Kinder die Chance, in einem gesicherten Umfeld Kompetenz im sicheren Verhalten im Straßenverkehr zu erlangen“, erklärt VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.

Dafür ist es auch wichtig, die letzten Ferientage zu nutzen, um die Kinder auf den Schulweg vorzubereiten. Mit Schulanfängern und Kindern, die die Schule wechseln, ist gemeinsam mit den Kindern der beste Schulweg zu eruieren. Als verkehrssicherer sind jene Wege einzuschätzen, wo weniger Autos fahren, das Tempo des Autoverkehrs niedriger ist und weniger Straßen zu überqueren sind, betont der VCÖ. Mit Volksschulkindern der 2., 3. und 4. Klasse den bereits bekannten Schulweg vor dem 1. Schultag nochmals gemeinsam gehen und besprechen, worauf zu achten ist. Gefahrenstellen unbedingt der Schuldirektion und der jeweiligen Gemeinde melden.

Aber auch mit älteren Kindern ist es wichtig, nochmals in Erinnerung zu rufen, worauf zu achten ist, um am Schulweg sicher unterwegs zu sein. Denn 15-Jährige haben einen Anteil von rund einem Viertel an den Schulwegunfällen, wie die VCÖ-Analyse zeigt.

Mit mehr Verkehrsberuhigung insbesondere in Wohngebieten und im Schulumfeld kann die Zahl der Kinderunfälle im Straßenverkehr verringert werden. Auch Schulstraßen sind ein wichtiger Beitrag für mehr Verkehrssicherheit. Dabei wird vor Schulbeginn die Straße vor der Schule für den Autoverkehr gesperrt. Während in Österreich Schulstraßen noch selten sind, sind sie in Südtirol weit verbreitet.

Auch Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet erhöht die Verkehrssicherheit für Kinder. Ein Pkw, der bei Tempo 30 einen Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) von 11 Metern hat, hat bei Tempo 50 einen Anhalteweg von 24 Metern. Nach elf Metern hat das Auto noch eine Geschwindigkeit von 49 km/h, informiert der VCÖ. Wird ein Kind mit diesem Tempo angefahren, ist das Risiko schwerster Verletzungen extrem hoch.

Wichtig ist zudem, dass Kreuzungen übersichtlich sind. Die Zahl der Lieferwagen und höheren SUV hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Parkt ein Lieferwagen oder hoher SUV in nur fünf Meter Abstand vor einem Schutzweg, kann dadurch Autofahrern die Sicht auf Kinder verstellt werden, die die Straße überqueren möchten. Umso wichtiger ist die Ausweitung des Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von fünf auf zehn Metern“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.

Rückfragen: VCÖ-Kommunikation, Christian Gratzer, (0699)18932695

VCÖ: In der Freizeit werden deutlich mehr Schulkinder bei Unfällen verletzt als am Schulweg (bei Verkehrsunfällen in der Steiermark verletzte Schulkinder / davon am Schulweg, 6 bis 14 Jahre)

Jahr 2021: 261 6 – 14-Jährige im Straßenverkehr verletzt, davon 40 am Schulweg (Anteil Schulweg: 15,3 Prozent)

Jahr 2020: 239 6 – 14-Jährige im Straßenverkehr verletzt, davon 36 am Schulweg (Anteil Schulweg: 15,0 Prozent)

Jahr 2019: 277 6 – 14-Jährige im Straßenverkehr verletzt, davon 80 am Schulweg (Anteil Schulweg: 28,9 Prozent)

Summe: 777 verletzte Schulkinder / davon 156 am Schulweg (Anteil Schulweg: 20,0 Prozent)
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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