Schweiz als Vorbild für Wolfmanagement in der Kulturlandschaft in der Steiermark

Die Schweiz wird von vielen Seiten als vorbildhaft im Umgang mit dem Wolf in der Kulturlandschaft angesehen. Der aktuelle Beschluss des Schweizer Bundesrats unterstreicht die führende Rolle im Umgang mit der Rückkehr des großen Beutegreifers in die vom Menschen gestalteten Lebensräume und spricht sich aufgrund des wachsenden Bestandes und der Tatsache, dass es in diesem Sommer auch zu Konfliktsituationen mit Menschen gekommen ist, klar für eine wirksame Regulierung aus.

Die Schweiz wird häufig als Beispiel für das konfliktfreie Miteinander von Menschen, bewirtschafteten Almen und Wölfen, die nicht reguliert werden, dargestellt.

Der aktuelle Beschluss des Bundesrates zeigt die Realität, die von „Wildnis-Fans“ übersehen wird, klar auf: Ohne Regulierung geht es nicht. Angriffe auf Nutztiere mehren sich, Konfliktsituationen mit Menschen bleiben nicht aus.

Für die Steiermark gilt es hier, die richtigen Rückschlüsse zu ziehen, um reagieren zu können, wenn es auch hier in naher Zukunft zu Rudelbildungen kommt.

Die Anzahl der Wölfe an der nachgewiesenen Anzahl der Nutztierrisse zu messen, ist wie die Vermessung eines Eisberges nach der sichtbaren Spitze. Wie viele Tiere aktuell tatsächlich da sind oder im Laufe eines Jahres durchziehen, weiß derzeit niemand wirklich genau, darüber könnte nur ein ständiges flächendeckendes Monitoring Aufschluss geben. Die einzige Organisation, die in der Steiermark auf der gesamten Landesfläche über eine ausreichende Anzahl von ausgebildeten Naturexpert:innen verfügt, um diese Leistung auch erbringen zu können, ist die Steirische Landesjägerschaft.

Aktuell kann nicht verlässlich vorausgesagt werden, wann und wo sich ein paarungswilliger junger Wolfsrüde und ein Weibchen in der Steiermark über den Weg laufen und wo sie sich dann niederlassen werden, um Nachwuchs zu zeugen. Vor allem weiß auch niemand, was die beiden künftigen Wolfseltern in ihrer Vergangenheit schon gelernt haben: Sich ihre Nahrung in der Natur zu suchen oder lieber Schafe, Rinder und andere Haustiere zu fressen, die weniger mobil und damit einfacher zu kriegen sind? Der Unsicherheitsfaktor Fehlprägung ist in dichtbesiedelten Landschaften miteinzukalkulieren.

Nach der ersten Rudelbildung kann es Schlag auf Schlag gehen, die Hausaufgaben im Umgang mit dieser Situation sind anhand der Lehren aus der Schweiz bereits jetzt zu erledigen, um gerüstet zu sein, wenn es so weit ist.

Zitat Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau

„Naturschutz mit Hausverstand wartet nicht so lange, bis eine Art soweit angewachsen ist, bis sie andere Arten unter Druck bringt. Von unserer über Jahrhunderte bewährten Almwirtschaft und die dadurch freigehaltenen Flächen profitieren unsere größeren pflanzenfressenden Arten genauso wie geschützte Arten, darunter das Auer- und Birkwild. Diese Flächen sind Hotspots der Biodiversität und der Artenvielfalt. Vielen Arten ohne nachzudenken, Lebensräume und Nahrungsflächen einfach zu nehmen, um sie dem Wolf zuliebe einzuzäunen oder sie komplett zu verlieren, weil der Bauer aufgibt und die Alm zuwächst, entspricht nicht einmal den Mindeststandards eines modernen Wildtiermanagements.“

LJM_Franz Mayr-Melnhof-Saurau
(C) Die steirische Landesjägerschaft

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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