Viertwärmster Sommer der Messgeschichte

2022 hinter den Sommern 2003 und 2019 und nahezu gleichauf mit 2015. 

Der Sommer 2022 war heiß und trocken und brachte einige Tage mit Starkregen und schweren Gewittern. „Wir haben den zumindest viertwärmsten Sommer in Österreichs 255-jähriger Messgeschichte erlebt“, zieht Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine erste Bilanz. „Nur eine Spur wärmer war der Sommer 2015. Nach Auswertung aller Messstationen könnten 2022 und 2015 auch noch gleichauf auf Platz 3 zu liegen kommen. An der Spitze sind weiterhin die Sommer 2003 und 2019. “ 

Der Sommer 2022 lag im Tiefland Österreichs um 1,6 Grad über dem Durchschnitt der jüngeren Vergangenheit (Klimamittel 1991-2020), auf den Bergen war er um 1,7 Grad wärmer. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961 bis 1990, die von der globalen Klimaerwärmung noch nicht so stark betroffen war, lag der Sommer 2022 im Tiefland und auf den Bergen um 3,4 Grad über dem Mittel. 

In den letzten Jahren viele extrem warme Sommer 

Der Sommer 2022 bestätigt somit den Trend zu einem immer wärmeren Klima. Die Messreihe seit 1767 umfasst 256 Sommer und unter den 15 wärmsten sind fast nur Sommer der jüngeren Vergangenheit: 2003, 2019, 2015, 2022, 2017, 2018, 1992, 1811, 1994, 2012, 2021, 2013, 1807, 2002, 1834 (Daten: HISTALP Tiefland). 

Große Trockenheit und Regenrekorde 

Auch das vermehrte Auftreten von abwechselnd längeren trockenen Phasen und dann wieder sehr großen Regenmengen innerhalb kurzer Zeit deckt sich mit den aktuellen Erkenntnissen der Klimaforschung. 

Der Sommer 2022 brachte in der österreichweiten Auswertung um 15 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Durchschnitt. Das ist Platz 35 in der Reihe der trockensten Sommer der letzten 164 Jahre. 

Kurzfristig gab es aber auch extrem viel Regen. So regnete es zum Beispiel in Bregenz von 18. bis 19. August in 24 Stunden 212 Millimeter. Das war ein neuer 24-Stunden-Regenrekord für Vorarlberg. 

Bereits seit einem Jahr sehr trocken 

Die zahlreichen Probleme mit Trockenheit liegen aber nicht nur am Sommer 2022. „Es ist in Österreich schon seit einem Jahr deutlich zu trocken. Dieser Sommer hat die bestehenden Probleme weiter verschärft“, sagt Klimatologe Orlik, „von September 2021 bis August 2022 gab es 19 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel. Das ist der geringste Wert in einem September-August-Zeitraum seit 1975/76.“ 

Am Sonnblick früheste Ausaperung der Messgeschichte 

Die Wärme und die geringen Niederschlagsmengen der letzten Monate sorgten selbst im Hochgebirge für eine extrem frühe Ausaperung (Verschwinden der Winterschneedecke). Beim Sonnblick-Observatorium, am Alpenhauptkamm in rund 3100 Meter Seehöhe, verzeichnete die ZAMG mit 6. Juli 2022 die früheste Ausaperung seit Schnee-Messbeginn im Jahr Jahr 1938. 

Hitze und Trockenheit setzen Pflanzen zu 

Die Entwicklung der Pflanzen entsprach 2022 den sehr warmen Sommern der letzten Jahre. Das österreichweite mittlere Datum der Fruchtreife der Marillen war heuer der 12. Juli und das des Schwarzen Holunders der 6. August. Diese Eintrittsdaten passen zu den warmen Sommern der letzten 20 bis 30 Jahre und sind deutlich früher als in der Klimaperiode 1961-1990. 

Hitze und Trockenheit setzten Bäumen und Sträuchern zu, den Kastanien auch die Kastanienminiermotte. Braungefärbte Blätter im Juli und August hatten nichts mit einem vorgezogenen Herbst zu tun, sondern mit Schädlingen und Trockenstress. Die herbstliche Laubverfärbung setzt in den Tieflagen erst Anfang Oktober ein, in höheren Lagen ein paar Tage früher. 

Der Sommer 2022 im Detail 

Hinweis: Die textliche Beschreibung und die Tabellenwerte beziehen sich auf die neue Klimanormalperiode 1991-2020, sofern nicht explizit auf eine andere Klimanormalperiode hingewiesen wird. 

Temperatur 

Im Sommer 2022 gab es kaum Phasen, in denen bundesweit aber auch regional unterdurchschnittliche Temperaturverhältnisse vorherrschten. Meist war es, selbst im Vergleich mit den ohnehin schon sehr warmen Klimamittel 1991-2020, von Anfang Juni bis Ende August hochsommerlich warm, kühlere Abschnitte waren nur von kurzer Dauer und konzentrierten sich auf ein paar wenige Tage um den 10. Juli und um den 10. August. Je nach Region gab es im Tiefland in diesem Sommer drei bis vier Hitzewellen (Auswertung nach Kysely), die 3 bis 26 Tage andauerten. Die erste Hitzewelle startete in der ersten Junihälfte und hielt stellenweise bis Anfang Juli an. Die zweite und längste Hitzewelle begann österreichweit um den 15. Juli und dauerte in etwa ein bis zwei Wochen. Im Nordburgenland erreichte sie eine Dauer von 20 bis 26 Tagen und war damit ungewöhnlich lange. In den Tallagen der inneralpinen Gebiete waren Hitzewellen nur selten und wenn dann nur von kurzer Dauer. Aber auch im Nordwesten des Landes, wie im Norden Salzburgs und generell in Oberösterreich waren Tage mit einer Serie von 30 °C Tagen meist eine Ausnahme. Die bisher letzte Hitzewelle im Jahr 2022 betraf vorwiegend den Südosten und Osten des Landes, begann am 15. August und endete mit einem markanten Wetterwechsel am 20. August. 

In Österreich gab es keine Region, in der das Temperaturmittel des Sommers unterhalb des Mittels des Bezugszeitraumes 1991-2020 lag. Die geringsten Abweichungen gab es mit +1 °C bis 1,4 °C in Teilen des Mühl-, Wald- und Mostviertels. Im Großteil des Landes war dieser Sommer um 1,5 bis 2,0 °C zu warm. Die höchsten Anomalien traten mit +2,1 bis +2,2 °C in Vorarlberg und in Teilen Unterkärntens auf. 

Zusammengefasst und verglichen mit den vorangegangenen 255 Sommern im Tiefland Österreichs war der Sommer 2022 der viertwärmste der Messgeschichte. Er war um 1,6 °C wärmer als das Mittel 1991-2020 und um 3,4 °C wärmer als das Mittel 1961-1990. Damit liegt er auf Platz vier der gesamten Zeitreihe seit 1767. Die ersten beiden Plätze nehmen weiterhin die Sommer 2003 und 2019 ein, die nochmals um 0,4 °C wärmer verliefen. Knapp vor 2022, auf Platz 3, liegt der Sommer 2015, dessen Temperaturanomalie um 0,1 °C höher war. In weiterer Folge bedeutet das, dass nur weniger als 2 Prozent der insgesamt 256 instrumentell aufgezeichneten Sommerjahreszeiten wärmer verliefen als 2022 aber mehr als 98 % kälter waren. Mit den Temperaturabweichungen (1991-2020) von +2,3 °C, +1,4 °C und +2,3 °C waren an dem außergewöhnlich heißen Sommer 2022 alle drei Monate etwa gleichermaßen beteiligt.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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