Land Stmk: Attraktivierung des Pflegeberufs

600 Euro Ausbildungsbeitrag ab September für Auszubildende in Gesundheits- und Krankenpflege und Empfehlungen aus Studie

Graz (25. August 2022).- Im Rahmen des Pflegedialogs, der im Sommer von Landesrätin Juliane Bogner-Strauß gestartet wurde, präsentierte die EPIG (Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit) einen ersten Zwischenbericht aus der Studie „Bedarfsprognose für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe für die Steiermark bis 2030”. Die Studie, aus der am heutigen Donnerstag (25.08.200) im Grazer Landhaus im Rahmen einer Pressekonferenz berichtet wurde, weist auf den „überdimensionalen Verlust an Arbeitskräften” durch die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation und den gleichzeitigen Anstieg der Bevölkerung über 65 Jahren hin, wie es auch innerhalb der Ausbildung durch die GuKG (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz)-Novelle 2016 zu Transformationsprozessen kommt. Die qualitativ angelegte Studie widmet sich zuerst den durch die Pandemie gesteigerten Berufsaustritten. Der Zwischenbericht der Studie definiert auf drei Ebenen Attraktivierungsmaßnahmen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene legt die Studie eine „positive Öffentlichkeitsarbeit, die die Vielfältigkeit und sinnstiftende Tätigkeit des Berufs hervorhebt” nahe. Dem Zeitdruck der Pflegenden soll eine verbindliche bedarfsorientierte Pflegepersonalbemessung nach dem jeweiligen Setting entgegengestellt werden.

Auf der Ebene der Organisationen erwarten sich Pflege- und Sozialbetreuungspersonen, ihren hohen berufsethischen Ansprüchen nachkommen und ihre Kernkompetenzen ausüben zu können. Dazu empfiehlt die EPIG eine „Entfrachtung der Pflege von nicht berufsspezifischen Tätigkeiten”. Dadurch werde direkt Zeit für die Pflege gewonnen.

Auf der Ebene der Beziehung zwischen Pflegenden, Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen empfiehlt die Studie die Annahme von Gesundheitsförderungsangeboten, um dem ethischen Dilemma, nicht so pflegen zu können, wie es den berufsethischen Anforderungen entspricht, begegnen zu können. Denn, so die EPIG, „Authentische und auf ihren Beruf stolze Pflegende stellen die überzeugendste Werbung für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe dar.”

600 Euro Ausbildungsbeitrag
Eine wichtige Neuerung für Auszubildende in Pflegeberufen tritt mit 1. September 2022 in Kraft. Dann gibt es für alle Schülerinnen und Schüler, die sich ab 1. September 2022 in der Steiermark in einer     

  • Ausbildung an einer öffentlichen oder privaten Schule für Gesundheits- und Krankenpflege befinden, ebenso für alle
  • Studierenden an der Fachhochschule FH JOANNEUM, Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege sowie für alle
  • Auszubildenden in einem Lehrgang zur Pflegeassistenz

die Möglichkeit, beim Land Steiermark um einen monatlichen Ausbildungsbeitrag in der Höhe von 600 Euro anzusuchen. Eine Arbeitsgruppe unter der Federführung der Abteilung 8 Gesundheit und Pflege mit Vertretern der Abteilungen 1, 3, 11 und 12 bereitet mit Hochdruck die Abwicklungsinfrastruktur vor. Geplant ist, dass Auszubildende ihre Ansuchen ab Oktober 2022 auf der Homepage www.gesundheitsausbildungen.at abrufen können. Ansuchen können auch später eingebracht werden, da die Auszahlung rückwirkend ab 1. September 2022 erfolgen kann. Geplant ist die Gewährung des Ausbildungsbeitrages gemäß dem Pflegeausbildungs-Zweckzuschussgesetz (PAusbZG) voraussichtlich bis 2025.

Voraussetzung für das Ansuchen ist die erfolgreiche Aufnahme in eine Ausbildung zur Pflegeassistenz (einschließlich Kooperationen mit Fachschulen für Land- und Ernährungswirtschaft), zu einem Sozialbetreuungsberuf, der die Pflegeassistenz beinhaltet, zur Pflegefachassistenz zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Berufsbegleitende Pflegeausbildungsvarianten erhalten aufgrund der verlängerten Ausbildungsdauer einen aliquoten Anteil. Auch Schülerinnen und Schüler im Rahmen des berufsbildenden Schulwesens (HLSP, Fachschulen für Sozialberufe) können für die Dauer der zu absolvierenden Pflegepflichtpraktika um den monatlichen Ausbildungsbeitrag in der Höhe von 600 Euro ansuchen.

Hingewiesen wird, dass jene Personen, die eine Leistung der materiellen Existenzsicherung nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz oder dem Arbeitsmarktservicegesetz beziehen, kein Ansuchen stellen können.

Das Land Steiermark bietet an 14 Standorten Ausbildungen zur Pflegeassistenz und zur Pflegefachassistenz an. Die Ausbildungskosten werden zu 100 Prozent vom Land Steiermark übernommen. Neu ist auch die Beratungsstelle, die Interessierten an der Pflegeausbildung, ab Herbst zur Verfügung steht.

Statements
„Die Pflege ist DIE soziale Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Ich danke allen, die sich für diesen Beruf entscheiden und so einen wichtigen Teil im gesellschaftlichen Miteinander übernehmen. Denn Pflege ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Motivierte Pflegekräfte sind eine tragende Säule unseres Gesundheitssystems. Daher ist es wichtig, dass die Auszubildenden auch während ihrer Ausbildung eine finanzielle Unterstützung erhalten, wie wir auch mehr zur Attraktivierung beitragen müssen – und das als Gesellschaft”, so Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß.

Soziallandesrätin Doris Kampus: „Für viele Menschen ist ihre Arbeit in einem Sozial- oder Pflegeberuf eine Berufung, dennoch ist eine angemessene Bezahlung ebenso wichtig. Mit dem Ausbildungsbeitrag setzen wir als Land Steiermark ein deutliches Signal für alle Interessierten und Berufseinsteigerinnen. Um den wachsenden Personalbedarf in der Pflege besser abzudecken, leisten war auch aus dem Sozialressort mit unserer erfolgreichen Pflegestiftung, in der bisher 654 zu Heimhelferinnen und Heimhelfer oder Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten ausgebildet worden sind und gerade 113 in diesen Berufen ausgebildet werden, einen wichtigen Beitrag. Unser Ziel ist es, insgesamt 1.500 Personen auszubilden.”

Karin Pesl-Ulm, Leiterin Referat Gesundheitsberufe: „Mit der finanziellen Unterstützung der Auszubildenden von 600 Euro im Monat wollen wir verstärkt junge Menschen für diesen Beruf gewinnen, aber auch Steirerinnen und Steirer, die einen Neueinstieg planen aber vor der Frage stehen, ob für sie dieser Schritt auch leistbar ist”, unterstreicht die Verantwortliche diese Neuerung. Bereits in den vergangenen Jahren wurden mit der Kampagne „Zeit für Pflege” gemeinsam mit der KAGes junge Steirerinnen und Steirer, aber auch Berufsumsteigerinnen und Berufsumsteiger angesprochen und auf die Ausbildungen aufmerksam gemacht.

Franz Ferner, Bündnis für gute Pflege: „Der Dialog ist gut. Was es aber dringend braucht sind rasche Maßnahmen wie unter anderem der Einsatz von Assistenzkräften um Pflegende in ihrer Arbeit zu entlasten.”

Anhang:  Executive Summary der qualitativen Erhebungen im Rahmen der Bedarfsprognose für Pflege- und Sozialbetreuungsberufe  für die Steiermark bis 2030.

Graz, 25. August 2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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