Steirische Landesjägerschaft – Naturschutz mit Hausverstand: Eine Landschaft der Angst

WIR SIND HIER…… und wir leiden!

Wir leiden still unter der Ignoranz unbelehrbarer Menschen. Wir wissen nicht mehr wohin. Unsere Wohnzimmer werden immer kleiner. Wir versuchen euch so viel Platz wie möglich zu lassen, aber nun dringt ihr auch schon in die letzten, bisher unerreichbaren, Gebiete ein. 

In der Nacht, in der wir vergeblich nach Ruhe suchen, erschrecken uns grelle Lichter, laute Geräusche und unangenehme Gerüche. Wir müssen uns verstecken. In der Hoffnung, dass uns keiner sieht. Wir können uns nicht mehr ausruhen. Wir verlieren Energie. Nahrung liefert uns welche, aber wir trauen uns nicht mehr raus auf die saftigen Almwiesen. Wir müssen das fressen, was der Wald, in den wir uns zurückziehen, hergibt.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass ihr euch auf Wegen bewegt. Aber warum müsst ihr die verlassen? Warum bewegt ihr euch in der Nacht? Wir haben so viele Fragen.

Aber es hört uns keiner zu…

So oder so ähnlich würde wohl der verzweifelte Hilferuf eines Wildtieres lauten.

Aber wieviel Mensch verträgt eigentlich unsere Natur?

Der Fußabdruck des Menschen wird immer größer. Eine Landschaft der Angst dehnt sich auch in die Nacht aus. Wie lange schafft das die Natur noch?

Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof Saurau beton ganz klar: „Weitere Aufrufe, noch intensiver und weiter in unsere Natur vorzudringen und unsere Wildtiere nicht nur tagsüber, sondern auch nachts mit unserer Anwesenheit zu konfrontieren sind mehr als verzichtbar. Mehr Naturschutz mit Hausverstand ist hier gefordert!“

#wissenmitmehrwert

Fotocredit: Die Steirische Landesjägerschaft

Wildtiere unterscheiden sich völlig von den uns bekannten Zivilisationsprofis Hund und Katze: Sie reagieren äußert sensibel – nicht nur im Moment, sondern auch langfristig: Im Zusammenspiel mit weiteren Umweltfaktoren kann das durchaus lebenslange Auswirkungen haben. So wird bei ausgelöstem Stress weniger gefressen, Muttertiere können weniger Milch für die Jungen produzieren. Das hat weitreichende Auswirkungen: Für ein sicheres Überleben im kommenden Winter erreichen die Jungtiere weder das Gewicht noch die Größe, die sie brauchen würden. Kurz gesagt: Sie werden einfach nicht groß und stark genug und haben es in den Wintermonaten noch schwerer. Ruhe, Äsung – also Fressen, und Deckung. Das sind die drei wichtigsten Faktoren für gesunde Wildtiere. Wälder, Almen oder Wiesen – Die „Wohnzimmer“ der Wildtiere müssen genau diese Faktoren aufweisen, damit sie sich dort aufhalten. Ruhe – abseits von Wanderwegen, genügend Kräuter und Gräser zum Fressen und dichter Bewuchs als Deckung. Klingt einfach? Ist es leider nicht.

Wir Menschen nehmen ihnen den Raum zum Leben, die Ruhe für Gesundheit und sind verärgert, wenn sie junge Bäume fressen, weil sie sich nicht mehr auf offenen Wiesen mit saftigen Kräutern trauen.

Fotocredit: Die Steirische Landesjägerschaft

Störungsbiologie bei Wildtieren

1. Räumliches und zeitliches Ausweichen.

Die natürlichen Lebensräume wurden durch Straßen, Forstwege, Städte und Siedlungen, Wanderwege und Mountainbike-Strecken quer in kleine Bereiche „zerschnitten“.

Wildtiere müssen zwischen all den Bedürfnissen des Menschen jene Zwischenräume suchen, in denen sie noch ihren Lebensraum finden. Lebensraum, welcher stetig kleiner wird.

Wenn Wildtiere räumlich nicht mehr ausweichen können, weichen sie zeitlich aus.

Zeitlich heißt in die Nacht ausweichen. Aufgrund der vielen Störungsfaktoren, welche Stress auslösen, sind die Wildtiere heute hauptsächlich nachtaktiv, obwohl sie aus wildbiologischer Sicht tagaktiv wären. Wenn Wildtiere auch in der Nacht nicht mehr zur Ruhe kommen entstehen weitreichende Folgen, welche sich auf die Natur und ihre Bewohner auswirken. Finden sie zu wenig Ruhe wird die Ausschüttung an Melatonin und damit das Hormonsystem gestört und Krankheiten entstehen.

Unruhige Nächte, stressiger Arbeitstag, wenig Zeit zum Essen. Auch bei uns Menschen wirkt sich das negativ auf unsere Gesundheit aus. Wir sehnen uns zunehmend nach Ruhe und können uns diese auch nehmen.

Wildtiere können das nicht.

2. Abkühlung in der Nacht

Der Klimawandel ist für uns alle spürbar geworden und wir Menschen haben das Verlangen nach einen kühlen Ausgleich. Almen und kühlende Wälder sind für viele Menschen besonders lohnende Wanderziele in den heißen Monaten. Tagsüber ermöglichen neuartige Technologien, wie E-Mountainbikes trotz Hitze, wenig schweißtreibend, noch mehr Menschen das Vordringen in die letzten bisher unerreichbaren Gebiete mitten in unserer Natur. Nachts zieht es Abenteurer zum Übernachten in die vermeintliche „Wildnis“.

Auch Wildtiere suchen Erholung in den kühlen Nächten und höheren Lagen. Erholung, die durch egoistische und unbelehrbare Ignoranz mancher Menschen nicht mehr möglich ist.

Vögel, wie zum Beispiel Raufußhühner tun sich sehr schwer, wenn sie in die Nacht flüchten müssen. Das wilde Huhn der Steiermark – das Auerwild – übernachtet auf Bäumen. Wenn sie sich nicht sicher fühlen und diese in der Nacht verlassen müssen, bedeutet das extremen Energieverlust für diese hochsensible Wildtierart.

Das A und O ist also ein Miteinander – kein egoistischer Drang nach Ruhe und Ausgleich.

Die Natur ist Wohnzimmer, Wirtschaftsraum und Erholungsraum gleichermaßen. Bewusste Rücksichtnahme, eine aktivere Auseinandersetzung mit den Zusammenhänger der Natur verschafft neben einem höheren Genusserlebnis auch einen geschulteren Blick: Tierschutz kann so einfach sein!

Quelle: Steirische Landesjägerschaft

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


error: (c) arf.at