Naturschutz mit Hausverstand

Leider nahmen die Berichterstattungen über freilaufende Hunde, welche Wild- und Weidetiere hetzten wieder zu. Darunter auch Aktionen, welche bis zum qualvollen Tod der Tiere führten.

Forderungen nach Hundeverbote auf Almen werden laut, die Region Schladming-Dachstein greift zu Kontrollen mit Strafen, da eines klar auf der Hand liegt: Nur auf die Eigenverantwortung zu setzen, hat nur mäßigen Erfolg gebracht. Traurig, aber wahr.

Auch Wildtiere leiden unter der Ignoranz unbelehrbarer Hundehalterinnen und Hundehalter: Ihr Leben hängt tatsächlich gerade in Zeiten extremer Wetterphasen an den Leinen der Hundebesitzern – neben den freilaufenden Hunden löst auch unbewusstes Fehlverhalten lebensbedrohlichen Stress bei Wildtieren aus und macht ihnen das Leben schwer!

Der Klimawandel ist für uns alle spürbar geworden und wir Menschen sehnen uns einem kühlen Ausgleich. Almen und kühlende Wälder sind für viele Menschen besonders lohnende Wanderziele in den heißen Monaten. Neuartige Technologien, wie e-Mountainbikes ermöglichen trotz Hitze wenig schweißtreibend noch mehr Menschen das Vordringen in die letzten bisher unerreichbaren Gebieten mitten in unserer Natur und bei einer erfrischenden Tour in den Bergen Erholung zu suchen.

Genießen mit guten Gewissen – Damit die Zeit in der Natur in schöner Erinnerung bleibt, ist es wichtig, einige Verhaltensregeln im Umgang mit Wildtieren zu beachten, denn führt zu lebensbedrohlichem Stress.

Was führt zu Stress bei Wildtieren?

Wildtiere unterscheiden sich völlig von den uns bekannten Zivilisationsprofis Hund und Katz: Sie reagieren äußert sensibel – nicht nur im Moment, sondern auch langfristig: Im Zusammenspiel mit weiteren Umweltfaktoren kann das durchaus lebenslange Auswirkungen haben: So wird bei ausgelöstem Stress weniger gefressen, Muttertiere können weniger Milch für die Jungen produzieren. Das hat weitreichende Auswirkungen: Für ein sicheres Überleben im kommenden Winter erreichen die Jungtiere weder das Gewicht noch die Größe, die sie brauchen würden. Kurz gesagt: Sie werden einfach nicht groß und stark genug und haben es in den Wintermonaten noch schwerer.

Ruhe, Äsung – also Fressen, und Deckung.

Das sind die drei wichtigsten Faktoren für gesunde Wildtiere. Wälder, Almen oder Wiesen – Die „Wohnzimmer“ der Wildtiere müssen genau diese Faktoren aufweisen, damit sie sich dort aufhalten. Ruhe – abseits von Wanderwegen, genügend Kräuter und Gräser zum Fressen und dichter Bewuchs als Deckung. Klingt einfach? Ist es leider nicht. Bei der Gestaltung der Kulturlandschaft, wie wir sie heute vorfinden, stand der Mensch mit seinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen im Vordergrund. Nach seinen Bedürfnissen wurde der gesamte Bereich von den Siedlungsgebieten über die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die Nutztierhaltung bis hinauf auf die Almen, die Nutzung verschiedener Gewässer bis hin zur forstwirtschaftlichen Gestaltung der Wälder ausgerichtet. 

Die natürlichen Lebensräume wurden durch Straßen, Forstwege, Städte und Siedlungen, Wanderwegen und Mountainbike-Strecken quer in kleine Bereiche „zerschnitten“.

Wildtiere müssen zwischen all den Bedürfnissen des Menschen jene Zwischenräume suchen, in denen sie noch ihren Lebensraum finden.

Freizeitnutzer, die ihren Müll liegen lassen, sich nicht an die gekennzeichnete Wanderwegen halten und ihre „neue“ Route in der „unberührten“ Natur auf Outdoor Apps mit der gesamten Bevölkerung teilen oder wenn Hundebesitzer ihre Hunde nicht an der Leine haben, lassen diese Zwischenräume noch kleiner werden.

Das A und O ist also ein Miteinander – kein egoistischer Drang nach Ruhe und Ausgleich. Die Natur ist Wohnzimmer, Wirtschaftsraum und Erholungsraum gleichermaßen. Bewusste Rücksichtnahme, eine aktivere Auseinandersetzung mit den Zusammenhänger der Natur verschafft neben einem höheren Genusserlebnis auch einen geschulteren Blick: Tierschutz kann so einfach sein!

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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