Equal Pension Day: Frauen bekommen in Österreich 41 Prozent weniger Pension als Männer

Utl.: ÖGB-Ahrer: Ohne sofortige Maßnahmen der Regierung rutschen viele Frauen die Armutsfalle!”

Frauen steigen im österreichischen Pensionssystem deutlich schlechter aus als Männer. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Frauen immer noch durchschnittlich 41,1 Prozent weniger Pension erhalten – dadurch sind sie massiv von Altersarmut betroffen. Während Männer 14 Mal pro Jahr eine monatliche durchschnittliche Alterspension von 2.103 Euro beziehen, sind es bei Frauen nur 1.239 Euro im Monat. Im EU-Vergleich ist die Pensionsschere in Österreich damit sehr hoch. Für die Steiermark fällt der Equal Pension Day somit auf den 27. Juli, was die eklatante Ungleichheit sehr deutlich macht.

Hohe Teilzeitquote

Für ÖGB-Frauenvorsitzende Helga Ahrer ein untragbarer Zustand: „Frauen leisten nach wie vor den Großteil an unbezahlter Arbeit wie Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege von Angehörigen. Gleichzeitig gibt es nach wie vor zu wenig Kinderbetreuungsplätze. All diese Faktoren führen dazu, dass fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit arbeitet – oft unfreiwillig”. 

Rechtsanspruch auf Kinderbildung

Um Frauen die Möglichkeit zu geben, Vollzeit zu arbeiten und so im Alter eine höhere Pension zu beziehen, braucht es neben einer besseren und längeren Anrechnung der Kindererziehungszeiten einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Geburtstag. „Der Rechtsanspruch würde zu echter Wahlfreiheit führen und berufstätigen Frauen ermöglichen, selbst zu entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten wollen“, erklärt Ahrer.

Mehr Aufklärung bei der Berufswahl

Zur Beseitigung der massiven Pensionsunterschiede ist es laut ÖGB-Frauen außerdem wichtig, bereits in der Berufsausbildung anzusetzen. Ein Aufbrechen geschlechtsspezifischer Rollenbilder bei der Berufswahl und eine umfassende Berufsorientierung sind essenzielle Mittel, um Frauen im Alter finanziell zu entlasten. „Es ist höchste Zeit für ein Umdenken in der Gesellschaft und ein Aufbrechen von veralteten Rollenbildern. Mädchen und junge Frauen müssen darin bestärkt werden, sich mehr zuzutrauen und ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten nachzugehen”, betont die stellvertretende ÖGB-Vorsitzende. 

Neue Belastungen durch Anheben des Pensionsalters

Ein weiterer Schlüssel zur Reduktion der Einkommensschere sind auch faire, gesunde Arbeitsbedingungen, die es Frauen ermöglichen, möglichst lange im Berufsleben zu bleiben. 2019 schaffte nur mehr jede zweite Frau den direkten Wechsel vom Erwerbsleben in die Pension, so das alarmierende Ergebnis einer Studie von WIFO und FORBA. „Je länger die Arbeitslosigkeit, desto geringer auch die Pension – und die Situation wird sich mit der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters ab 2024 verschärfen”, erklärt Ahrer die Problematik. „Frauen haben das Recht auf ein gutes Leben in allen Lebensphasen – von der Jugend bis ins Alter. Dafür braucht es entsprechende Rahmenbedingungen, damit alle Frauen sorgenfrei in die Zukunft blicken können.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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