Wirtschaftsbarometer Region Ennstal/Salzkammergut: Robuste Konjunkturlage in turbulenten Zeiten

Corona, der Ukrainekrieg und die damit verbundenen Maßnahmen schweben wie ein Damoklesschwert über der Konjunkturerholung der Wirtschaft in der Region Ennstal/Salzkammergut. Davon zeugt das neue Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark, wo sich zwei Entwicklungen besonders deutlich zeigen: Einerseits rutschen die Saldenwerte beim allgemeinen Wirtschaftsklima wieder in den Negativbereich (Saldo bisher: ‑12,9; erwartet: ‑67,3 Prozentpunkte), andererseits wird die individuelle Wirtschaftsentwicklung in den Unternehmen selbst noch durchwegs positiv bewertet. „Gestiegen sind sowohl Gesamtumsatz als auch Auftragslage, Investitionen und Beschäftigung. Allerdings zeigen die Daten auch wachsende Unsicherheiten, was die Zukunft betrifft“, fasst Regionalstellenobmann Egon Hierzegger die Konjunkturumfrage zusammen. Als größte Herausforderungen werden in der Region der Arbeits- und Fachkräftemangel (92,2 Prozent) und die Arbeitskosten (79,6 Prozent) gesehen, gefolgt von der Lieferkettenproblematik (77,4 Prozent) und den Energie- und Rohstoffpreisen (57,1 Prozent). „Hier braucht es von der Politik rasch und unbürokratisch weitere Maßnahmen“, betont Regionalstellenleiter Christian Hollinger. 

Nach dem Ende der Corona-Einschränkungen wären die Konjunkturpfeile im Frühjahr eigentlich auf kräftiges Wachstum ausgerichtet gewesen. Doch dann kam der Ukrainekrieg und mit ihm nicht nur (un)menschliches Leid, sondern auch neue wirtschaftliche Einschränkungen. Diese haben auch die Stimmung in der steirischen Wirtschaft getrübt, wie die Einschätzung des allgemeinen Wirtschaftsklimas im neuen Wirtschaftsbarometer zeigt. 845 Unternehmen haben steiermarkweit an der großen Konjunkturumfrage der WKO Steiermark teilgenommen. 

In der Region Ennstal/Salzkammergut gehen 75,6 Prozent davon aus, dass sich das Wirtschaftsklima in den kommenden Monaten eher verschlechtern wird – nur mehr 8,3 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Ergibt unterm Strich einen Negativsaldo von -67,3 Prozentpunkten. Damit gerät der konjunkturelle Konsolidierungskurs gehörig ins Wanken – doch noch ist er nicht ins Negative gekippt! Denn die künftige Entwicklung des eigenen Unternehmens wird entgegen dem allgemeinen Wirtschaftsklima (noch) durchaus positiv bewertet. Sämtliche Erwartungssalden befinden sich hier klar im Plus. Die Daten im Detail: Gesamtumsatz +48,5 Prozentpunkte, Auftragslage +40,8 Prozentpunkte, Preisniveau +84,5 Prozentpunkte, Investitionen +47,5 Prozentpunkte und Beschäftigung +47,0 Prozentpunkte. „Damit überwiegen trotz aller Herausforderungen noch immer die Optimisten, verbunden allerdings mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren. Hier fordern wir von der Politik mehr und noch entschiedenere Maßnahmen“, so Regionalstellenobmann Egon Hierzegger. 

Flaschenhals eines jeden Aufschwungs ist und bleibt der Arbeits- und Fachkräftemangel, dieser wird in der Umfrage unter den Betrieben in der Region von 92,2 Prozent zu den größten Herausforderungen gezählt. Auf den weiteren Plätzen folgen die Arbeitskosten (79,6 Prozent), die Lieferkettenproblematik (77,4 Prozent) sowie die Teuerungen im Energie- und Rohstoffbereich (57,1 Prozent). Als dringendste Maßnahmen gefordert werden eine weitere Reduktion der Energieabgaben und der Mineralölsteuer sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien. „Das entspricht den Forderungen unserer „unternimmwas“-Initiative. Im Rahmen dieser haben wir in der Steiermark 35.000 Unterstützungserklärungen gesammelt, darum fordern wir von der Politik jetzt die rasche und unbürokratische Umsetzung dieser Maßnahmen. Sonst droht das negative Wirtschaftsklima die jetzt noch robuste Geschäftslage in den Betrieben ins Negative zu ziehen. Das müssen wir verhindern“, so Regionalstellenleiter Christian Hollinger. 

Die Wirtschaftsentwicklung in der Region Ennstal/Salzkammergut im Detail 

UMSATZ. Die wirtschaftliche Entwicklung ist seit Jahresbeginn von einer weiteren konjunkturellen Konsolidierung geprägt, was in den Saldenwerten gut sichtbar wird. Der Saldo des bisherigen Gesamtumsatzes stieg im Bezirk demnach von 18,4 auf 22,0 Prozentpunkte. 47,3 % aller Unternehmen konnten somit umsatzmäßig zulegen. Trotz Unsicherheit in Bezug auf das Wirtschaftsklima bleiben die Betriebe in Bezug auf die eigene Unternehmensentwicklung optimistisch: Im Frühjahr 2022 erwarten 59,4 % der befragten Unternehmen in der Region steigende Umsätze in den kommenden 12 Monaten, lediglich 10,9 % sind pessimistisch gestimmt. Der daraus resultierende Erwartungssaldo von 48,5 Prozentpunkten liegt klar im positiven Bereich.

AUFTRAGSLAGE. Die Auftragslage gestaltet sich gegenwärtig sehr gut: 52,0 % konnten ihre Auftragssituation in den vergangenen 12 Monaten verbessern, während 22,0 % weiterhin mit einer schwierigen Geschäftslage zu kämpfen hatten. Das ergibt einen sehr soliden Saldenwert von 30,0 Prozentpunkten. Auch die Auftragserwartungen fallen – analog zu den Umsatzerwartungen – im Frühjahr 2022 klar positiv aus. 54,1 % der Befragten erwarten steigende und 13,3 % sinkende Auftragszahlen. Trotz des schwierigen Wirtschaftsumfeldes liegt der Erwartungssaldo in der Region Ennstal/Salzkammergut damit klar über der Nulllinie bei 40,8 Prozentpunkten.

PREISE. Die außergewöhnliche Preisdynamik ist neben dem Arbeits- und Fachkräftemangel die derzeit größte Herausforderung für die heimische Wirtschaft. Die enorme Inflation schlägt sich sowohl in der bisherigen als auch in der erwarteten Verkaufspreisentwicklung nieder. 81,0 % der Unternehmen mussten in den vergangenen 12 Monaten die gestiegenen Preise für Energie, Rohstoffe, Vorleistungen, Material etc. an ihre Kunden weitergeben (Saldo bisher: 76,9 Prozentpunkte). 85,7 % erwarten im weiteren Jahresverlauf einen erneuten Anstieg ihres Preisniveaus, während nur 1,3 % von einer Verringerung ihrer Verkaufspreise ausgehen (Erwartungssaldo: 84,5 Prozentpunkte).

INVESTITIONEN. Die Investitionsnachfrage ist trotz des massiven Preisanstiegs nach wie vor hoch (Saldo bisher: 25,2 Prozentpunkte). Auch der Ausblick bleibt positiv, die Erwartungen in Bezirk fallen besser aus als im Steiermarkschnitt: 59,4 % planen auch künftig ihr Investitionsvolumen auszuweiten (Erwartungssaldo: 47,5 Prozentpunkte).

BESCHÄFTIGUNG. Die Nachfrage nach Personal bleibt ungebrochen, wobei sowohl Fach- als auch Hilfskräfte dringend gesucht werden. Die Beschäftigungssalden bleiben damit im Frühjahr 2022 klar positiv (Saldo bisher: 25,0; erwartet: 47,0 Prozentpunkte). 52,3 % der Betriebe planen in den kommenden 12 Monaten Personal aufzustocken, sofern geeignete Arbeitskräfte gefunden werden. 

Was die Wirtschaft von der Politik fordert 

UNTERNIMMWAS.AT: Energiesteuern senken

  • Runter mit den Abgaben auf Gas und Strom
  • Runter mit der Mineralölsteuer
  • Runter mit der Auflagenflut beim Ausbau der erneuerbaren Energie

FACHKRÄFTE: Maßnahmenpaket zur Fach- und Arbeitskräftesicherung umsetzen

  • Mobilisierung des heimischen Arbeitskräftepotenzials: überregionale Vermittlung forcieren, Reform des Arbeitslosengeldes, Ausbau der Kinderbetreuung, Einführung Teilkrankenstand etc.
  • Qualifizierte Zuwanderung: Österreich für Fachkräfte attraktiver machen 
  • Bildungsoffensive: Bildungskarenz reformieren, Lehre nach der Matura, Corona-Stiftung etc. 

INFLATION: Lohn-Preisspirale verhindern

  • Zurückhaltung bei Lohnforderungen einmahnen 
  • Vorrang für steuerfreie Einmalzahlungen gegenüber hohen Lohnabschlüssen
  • Kalte Progression abschaffen
©Foto Steinfisch

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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