Vor den Vorhang: ARF – Unternehmerin der Woche ist Dr. Maria Schoiswohl/Kommhaus Bad Aussee

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen

Diesmal stellen wir Dr. Maria Schoiswohl vor, die in Bad Aussee das Unternehmen Kommhaus leitet.

„Zukunft wird jetzt gestaltet“

Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?

Ich bin bis zu meinem zehnten Lebensjahr in Leonding bei Linz aufgewachsen. Dann sind wir mit der Familie nach Bad Aussee gezogen und dort bin ich in die Hauptschule und ins BORG gegangen, mit einem einjährigen Ausflug nach Minnesota in Amerika. 2000 habe ich maturiert, danach in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und mit 27 Jahren promoviert. Ab meinem 18. Lebensjahr habe ich immer gearbeitet, teilweise im Kommhaus – primär in der Kommunikationsagentur –, teils als freie Journalistin, im Bereich Reise und Produktdesign. Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich an die 60 Länder bereist. Dazwischen Bücher geschrieben – zwei Wanderbücher, eine Biografie für einen deutschen Industriellen – und viele Artikel für die Presse, Parnass, die Insiderei etc. Mit Mitte 30 bin ich in die Beratung im Kommhaus eingestiegen und nach dem plötzlichen Tod meines Vater 2020 habe ich hier die Geschäftsführung übernommen.

Wie groß ist das Kommhaus?

Mit fixen und fixen freien Mitarbeitern sind wir zwischen 20 und 25 Personen. Wir haben unseren Hauptsitz in Bad Aussee und beschäftigen freie Mitarbeiter in der ganzen Steiermark. Da sind wir gut aufgestellt.

Was sind eure Geschäftsfelder?

Wir beschreiben das sehr einfach: „Wir denken und wir tun“. Das heißt, wir sind auf der einen Seite eine Beratungsagentur, mit der wir in der Organisationsentwicklung tätig sind. Wir begleiten Einzelpersonen bis zu Großkonzernen in der strategischen Beratung und in ihrer unternehmerischen Entwicklung. Sei es im Nachfolgemanagement, mit Führungscoachings, bei Produkteinführungen, in Markenpositionierung – da sind wir sehr vielseitig. Auf der anderen Seite sind wir eine Kommunikationsagentur. Wir bieten ganzheitliche, integrierte Kommunikationsarbeit. Das heißt, sich gezielt auf Augenhöhe mit allen Dialoggruppen, die ein Unternehmen hat, auseinanderzusetzen. Wir haben dafür ein erfahrenes Team in der Redaktion und in der Grafik, das vom Buch über das Magazin bis zur Kundenzeitung oder zum Plakat alles umsetzt. Wir machen hier viel im Bereich Arbeitgebermarkenpositionierung, Mitarbeiterkommunikation, Mitarbeiterbeziehungsmanagement. Das ist aktuell ein besonders relevantes Thema. Dafür haben wir die Expertinnen und Experten im Kommhaus.

Was war deine Motivation, Unternehmerin zu werden?

Ich wollte immer selbstständig sein. Gestalten. Das hat sicher mit meinem freien Willen zu tun beziehungsweise mit gewissen Vorstellungen, die man hat. Zuerst habe ich das als Einzelunternehmerin für mich selbst Projekte umgesetzt, dann auch für andere Menschen. Man hat eine sehr große Verantwortung, wenn man Mitarbeiter hat. Auch für diese gestaltet man in einer gewisser Weise das Leben. Ich halte nichts von Work-Life-Balance. Wir sprechen von Work-Leisure- Balance. Zum Leben gehören Arbeit und Freizeit. Kommhaus ist die Marke für „Identiting“. Wir schaffen Lebens- und Arbeitswelten. Zu sehen, wie man Regionen prägt, Unternehmen entwickelt, wie Ideen, die man gemeinsam geboren hat, Realität und auch gelebt werden, dadurch eine Kultur entsteht – das finde ich einmalig.

Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach eine Unternehmerin haben?

Weitblick. Das ist in der jetzigen Zeit sicher nicht das Einfachste. Viele Menschen sind mit Aktionismus beschäftigt, mit Feuerlöschen. Das Wichtigste für einen Unternehmer ist aber „enkelfähig“ zu denken. Das ist ein sehr strapaziertes Wort, aber es passt. Es würde auch in die Politik gut passen. Damit man sich bereits jetzt den nächsten Generationen widmet. Unternehmer brauchen Mut für ein gewisses Risiko. Gestaltungswille, Gestaltungsfreude, gute Ideen. Man muss schnell sein, auf die Entwicklungen des Marktes reagieren und benötigt auch eine gewisse Gelassenheit, wenn es zu turbulent wird. Außerdem ist Ruhe eine absolute Führungsqualität. Aber ganz ehrlich: All das zählt nichts, wenn du nicht die besten Mitarbeiter hast. Ohne die kannst du noch so gute Ideen haben, du kannst sie nicht umsetzen.

Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?

Als ich nur für mich selbst verantwortlich war, als EPU, sicherlich, authentisch zu sein. Zu manchen Dingen auch „Nein“ zu sagen. Andererseits auch Dinge anzunehmen, bei denen man nicht sofort weiß, wie man diese umsetzen kann – und dieses Risiko einzugehen. 2020 habe ich innerhalb von zwei Tagen die Geschäftsführung des Kommhaus übernommen. Die Übergabe war schon vorbereitet, aber dann doch sehr rasant. Eine weitere Entscheidung war 2021 das „Kommhaus next“, unser Resonanzraum für integrierte Kommunikation, im Vulkanland zu eröffnen. Das war während der Coronazeit nicht die leichteste Übung. Aber ich glaube, die spannendsten Entscheidungen als Unternehmerin liegen noch vor mir.

Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?

Als Kommunikationsagentur werden wir uns noch präziser mit klarer, direkter Sprache und Kommunikation auseinandersetzen müssen. Wir haben bereits jetzt Übersetzungsprobleme zwischen Generationen. Kommunikative Generationen trennen mittlerweile nur fünf Jahre, auch aufgrund der technologischen Entwicklungen. In diesem Spannungsfeld eine Sprache zu finden, die der Empfänger auch versteht, das wird eine der größten Herausforderungen sein. Egal, welche Medien wir dafür nutzen werden. In der Beratung ist es sicherlich den Blick für die Zukunft zu schärfen, weil gerade in Zeiten schneller Veränderungen die Leute zu Aktionismus tendieren. In unserer Position als Beraterinnen haben wir die Aufgabe, mit ihnen weiter zu denken. Gegen die Kraft der Aktion muss man die Kraft der Gelassenheit setzen und sagen: Wir brauchen das Vorausschauende, wir brauchen die Zukunft. Was wir uns heute überlegen, hat Auswirkungen auf die nächsten Jahre. Diesen Fokus muss man legen können.

Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?

Es herrscht eine gewisse Politkverdrossenheit. Vom Staat, von den Politikerinnen und Politikern erwarte ich Zukunftsfähigkeit. Ich erwarte nicht nur Steuerreformen, sondern Gestaltungsfreude, die nicht nur bis zur nächsten Wahl anhält, sondern die sich langfristig mit dem Staat und der Bevölkerung beschäftigt. Ich denke, dass derzeit eine wachsende Kraft von der Bevölkerung ausgeht. Wenn sich diese noch stärker auf die Füße stellt, hat der Staat ein Problem. Ich glaube, dass wir auf Unruhen zusteuern, die wir noch gar nicht ahnen. Aufgrund von Inflation, von steigenden Preisen, von veränderten Lebenssituationen. Ich hoffe, es gibt Pläne in der Schublade, die Lösungen dafür bieten. Im Kommhaus planen wir mit unseren Kunden auf jeden Fall voraus.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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