Netto-Benzinpreis in Österreich im EU-Vergleich seit Beginn des Ukrainekriegs am stärksten gestiegen

VCÖ (Wien, 8. Juli 2022) – Eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission zeigt, dass in Österreich der Netto-Benzinpreis, also ohne Steuern und Abgaben, seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im EU-Vergleich am stärksten gestiegen ist. Auch der Netto-Dieselpreis ist stärker als im EU-Schnitt gestiegen. Der VCÖ sieht den Vorschlag einer Sondersteuer auf Übergewinne nach italienischem Vorbild positiv. Autofahrerinnen und Autofahrern empfiehlt der VCÖ zu versuchen mit einer Tankfüllung länger auszukommen, durch spritsparenden Fahrstil, Fahrgemeinschaften und den verstärkten Umstieg auf Fahrrad und Öffis.

Die Bundeswettbewerbsbehörde hat gestern festgestellt, dass die Treibstoffpreise in Österreich seit Beginn des Ukraine-Kriegs stärker gestiegen sind als durch die Zunahme des Rohölpreises gerechtfertigt ist. Die Mobilitätsorganisation VCÖ – Mobilität mit Zukunft hat nun die Änderung der Nettopreise, also die Preise für Eurosuper und Diesel ohne Abgaben und Steuern, seit Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine unter die Lupe genommen und auch mit der Entwicklung in den anderen EU-Staaten verglichen. Ergebnis der VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der EU-Kommission: Der Nettopreis von Eurosuper ist in Österreich im EU-Vergleich am stärksten gestiegen. Die Folge: Während Ende Februar Österreich nur den 19. höchsten Nettopreis bei Eurosuper aufwies, hat Österreich jetzt bereits den vierthöchsten Nettopreis. Dass der Preis an der Tankstelle nur der neunthöchste ist, liegt an der in Österreich niedrigeren Besteuerung. 

„Dass hier offenbar versucht wird, zusätzliche Gewinne zu machen, führt dazu, dass die Teuerung befeuert wird. Es spricht einiges für die diskutierte Sondersteuer auf Übergewinne nach italienischem Vorbild“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Beim Diesel-Nettopreis weist Österreich die sechsthöchste Zunahme seit Beginn des Krieges auf, so die VCÖ-Analyse. Ende Februar hatte Österreich den elfthöchsten Diesel-Nettopreis in der EU, jetzt ist es der siebthöchste. Auch bei Diesel ist die Besteuerung in Österreich niedriger, weshalb an der Tankstelle der Preis in Österreich am neunthöchsten ist. 

„Der Ärger vieler Autofahrerinnen und Autofahrer ist völlig nachvollziehbar. Immer mehr stellen sich die Frage, was kann ich als Einzelperson tun. Eine wirksame Maßnahme ist es, durch spritsparenden Fahrstil und Fahrgemeinschaften mit einer Tankfüllung länger auszukommen“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. So kann mit spritsparendem Fahrstil der Verbrauch je nach bisherigem Fahrverhalten um 15, 20 Prozent oder sogar mehr reduziert werden. Ein Auto, das bei 130 km/h sieben Liter pro 100 Kilometer verbraucht, hat bei 100 km/h im Schnitt einen um 23 Prozent niedrigeren Verbrauch, wie eine Studie des Umweltbundesamts zeigt.

Neben „gleiten statt rasen“ ist vorausschauendes Fahren sehr wirksam. Wer frühzeitig eine blinkende Ampel sind und kann auch früher den Fuß vom Gaspedal nehmen. Niedrig tourig fahren, rasch in den nächsthöheren Gang schalten, Klimaanlage nicht zu kalt einstellen und möglichst ohne Dachbox verreisen, sind weitere Tipps des VCÖ. 

Eine große Ersparnis bringen zudem Fahrgemeinschaften sowie bei kurzen Strecken der Umstieg auf das Fahrrad. „Vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Wer möglichst oft mit dem Fahrrad statt mit dem Auto fährt, spart nicht nur Geld, sondern kommt auch auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung und stärkt damit die eigene Gesundheit und Fitness“, erinnert VCÖ-Experte Schwendinger. Durch das Klimaticket ist das Fahren mit dem Öffentlichen Verkehr günstiger geworden insbesondere für Pendlerinnen und Pendler. Wer im Wohnort einen gut frequentierten Bahnhof hat, kann sich die Autofahrt vielleicht sogar zur Gänze sparen, ansonsten empfiehlt sich Park & Ride. 

Die Bundesregierung kann das Tempolimit auf Autobahnen temporär auf 100 km/h reduzieren, so wie die Regierung Kreisky es in der ersten Ölkrise im Herbst 1973 gemacht hat. Die Bundesländer können mit einem guten regionalen öffentlichen Verkehrsangebot die Bevölkerung unterstützen. „Anstatt wie jedes Jahr in den Schulferien das Angebot zu verschlechtern, braucht es in vielen Regionen mehr Angebote. Dort, wo der Öffentliche Verkehr freie Kapazitäten hat, sind auch Aktionen, wie der Salzburger Benzin-Freitag, an dem kostenlos mit Öffis gefahren werden kann, sinnvoll“, stellt VCÖ-Experte Schwendinger fest. 

Städte sind gefordert, dem Radverkehr mehr Platz zu geben. Bei zu schmalen Radwegen und Engpässen im Radwegenetz können gerade jetzt im Sommer, wo ohnedies in Städten weniger Autos unterwegs sind, Kfz-Fahrbahnen verschmälert und temporär Radwege verbreitert werden. Unternehmen ruft der VCÖ auf, ihre Beschäftigten mit betrieblichem Mobilitätsmanagement, wie beispielsweise Öffi-Jobtickets, Jobräder oder Apps für Fahrgemeinschaften zu unterstützen. 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


error: (c) arf.at