Naturschutzbund: Hirten für die Almen zum Schutz von Herden und Tälern

Der Naturschutzbund Österreich fordert bessere Unterstützung für die Almbäuerinnen und -bauern bei der gelenkten Beweidung auf Almen. Professionelles Hirtenpersonal kann nicht nur Verluste durch große Beutegreifer mindern, sondern auch gegen Folgen von Naturkatastrophen vorbeugen.

Die hohe Zahl an Wolfsrissen auf ungeschützten Almen in Kärnten veranlasst den Naturschutzbund dazu, den massiven Handlungsbedarf bei der Almbeweidung aufzuzeigen. Obwohl es bereits im Vorjahr große Verluste gegeben hat, erhalten Almauftreiber in Kärnten noch immer keine staatliche Unterstützung für Präventionsmaßnahmen. „Mit der grundlegenden Ablehnung von Herdenschutzmaßnahmen lässt die Landesregierung genau jene Menschen im Stich, die einen wertvollen Beitrag zum Erhalt unserer alpinen Kulturlandschaft leisten. So wird den Almbewirtschaftern keine Perspektive geboten und der Wolf soll als Sündenbock herhalten“, sagt Lucas Ende, Artenschutzkoordinator beim Naturschutzbund Österreich.

Aufgelassene Almen bergen Gefahren für den Siedlungsraum

Werden Almflächen nicht ausreichend oder gar nicht mehr beweidet, verbuschen sie. Diese Flächen sind deutlich anfälliger für Muren- und Lawinenabgänge. Bei Starkregen legen sich ausgewachsene Gräser zu Boden und bilden einen dichten Filz, der das Wasser direkt talwärts leitet und damit Überschwemmungen begünstigt. Gut gepflegte Almweiden dagegen haben eine dichte Grasnarbe, die sich positiv auf das Wasserspeichervermögen auswirkt und vor Naturkatastrophen schützt. Eigenschaften, die in Zeiten der Klimakrise immer wichtiger werden.

Schutz des Siedlungsraums nur durch Lenkung der Weidetiere möglich

Durch den freien Weidegang, der aktuell gängige Praxis ist, werden die Almflächen nicht gleichmäßig abgeweidet. Weil die Tiere Vorlieben für bestimmte Lagen haben, werden diese nach und nach übernutzt. Andere Bereiche hingegen werden nicht abgefressen. Mit der Lenkung des Weideviehs durch aktive Behirtung oder Koppelwirtschaft ist eine gleichmäßige und ausgeglichene Beweidung möglich. Der Mehraufwand, der sich dabei ergibt, wird bisher aber nicht ausreichend unterstützt.

Für den Naturschutzbund ist klar, dass es umfassende Umstrukturierungen braucht, um den verschiedenen Herausforderungen angemessen zu begegnen. Damit die Almwirtschaft ihre Vorzüge für die Allgemeinheit bestmöglich auf die Fläche bringen kann, sind höhere an Naturschutz und gelenkte Weideführung gekoppelte Förderungen nötig. Die standortangepasste Beweidung der Almen erhöht neben der Biodiversität auch die Qualität der Futterflächen. Darüber hinaus ist der Einsatz von Hirten im alpinen Bereich Grundvoraussetzung für die Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen.

Prioritäten richtig setzen

Die Rückkehr des Wolfes ist nicht das größte Problem der Almwirtschaft. Die schwierige wirtschaftliche Lage, insbesondere kleinerer Betriebe, wird dadurch allerdings verschärft. „Es ist offensichtlich, dass die Gewinnspanne und damit der Gestaltungsspielraum in der Almwirtschaft extrem gering sind. Daher braucht es umfassende Unterstützungsmaßnahmen – sowohl finanziell als auch in Form von professioneller Beratung, um Weidetiere effizient zu schützen. Wir brauchen endlich Prävention statt Reaktion“, so Ende. Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Organisationen, der Wissenschaft und anderen Partnern arbeitet der Naturschutzbund deshalb im Rahmen des Projekts LIFEstockProtect an lösungsorientierten Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren.

Intakte Almweiden können Bodenerosion und Schneerutschungen verhindern und haben eine höhere Wasserspeicherkapazität. © Wolfgang Schruf
Standortgerechte Beweidung von Almwiesen mit
ausgewogener Nutzungsintensität trägt lokal zu einer hohen Biodiversität und wunderschönen Wiesen bei. © Lucas Ende

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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