VCÖ: Jeder 3. in der Steiermark durch Hitze körperlich belastet – Straßen in Städten rasch an Erderhitzung anpassen

Hitzewellen wie derzeit werden in Zukunft häufiger werden. In der Steiermark geben schon jetzt rund 345.000 Personen an, bei Hitze sehr stark bzw. stark körperlich belastet zu sein, macht der VCÖ aufmerksam. Hitze ist für viele Menschen eine ernste Gesundheitsgefahr. Die Straßen in Städten und Gemeinden sind daher rasch an die Erderhitzung anzupassen, durch mehr Bäume und kühlende Grünflächen. Um sichtbar zu machen, wo es Hitze-Hotspots gibt, können jetzt Bürgerinnen und Bürger auf der VCÖ-Website in einer Online-Karte zu heiße Straßen und Plätze eintragen.

Hitzetage mit Temperaturen von 30 Grad oder mehr sowie Tropennächte mit 20 Grad Celsius oder mehr werden durch die Erderhitzung künftig zunehmen. „Wir steuern auf ein ernstzunehmendes Gesundheits- und auch Mobilitätsproblem zu. Wenn Gehsteige ohne Schatten in der prallen Sonne liegen, dann führt das dazu, dass beispielsweise gesundheitlich beeinträchtigte Menschen und viele Seniorinnen und Senioren wegen der Hitze dort nicht gehen können und damit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Umso wichtiger ist es, dass Gemeinden und Städte jetzt handeln“, betont VCÖ-Expertin Lina Mosshammer.  

Laut Rettungsorganisationen steigt an Hitzetagen die Zahl der Einsätze um bis zu 20 Prozent. Daten der AGES für ganz Österreich zeigen, dass es in Jahren mit heißen Sommerperioden sogar mehr Hitzetote als Verkehrstote gibt. Laut aktuellster Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria, gaben im Zeitraum 2019/2020 bereits rund 345.000 Steirerinnen und Steirerr ab 16 Jahren an, während einer Hitzeperiode körperlich sehr stark beziehungsweise stark belastet zu sein. Das sind rund 35 Prozent der Bevölkerung.

In Graz gab es im Zeitraum 1981 bis 2010 im Schnitt zehn Hitzetage pro Jahr, zwischen 2011 und 2021 waren mit durchschnittlich 22 pro Jahr doppelt so viele, weist der VCÖ auf Daten der ZAMG hin. Noch stärker hat die Zahl der Tropennächte zugenommen: In Graz von durchschnittlich 0,6 pro Jahr im Zeitraum 1981 bis 2010 auf jährlich rund sechs zwischen 2011 und 2021.

Asphalt heizt sich durch Sonnenstrahlung auf über 60 Grad auf. Dort, wo es im Straßenraum lediglich Asphalt und parkende Autos gibt, bleibt es auch in der Nacht zu warm. „Parkende Autos heizen sich nicht nur innen massiv auf, sondern auch außen, und unterhalb der abgestellten Autos bildet sich ein Wärmepolster. In der Nacht wird diese Wärme an die Umgebung abgegeben, es kühlt dadurch zu wenig ab“, erklärt VCÖ-Expertin Mosshammer. In der Steiermark belastet die Hitze laut Statistik Austria jede sechste Person auch in der Nacht.

In Straßen, wo es ausreichend Bäume gibt, liegen Gehsteige im Schatten. Damit wird es tagsüber ermöglicht, zu Fuß mobil zu sein. Zudem kühlt es in diesen Straßen auch in der Nacht besser ab. „Leider gibt es immer wieder Straßen in den Städten und Gemeinden, die nach wie vor so ausschauen, als würde es die Erderhitzung nicht geben. Es ist allerhöchste Zeit, dass der öffentliche Straßenraum an die Klimakrise angepasst und der Grünflächenanteil stark erhöht wird“, betont VCÖ-Expertin Mosshammer.

Während parkende Autos und Asphaltflächen die Umgebung aufheizen, kühlen Grünflächen sie ab. Zudem können Grünflächen Regenwasser speichern und sorgen durch die Verdunstung zusätzlich für Abkühlung. Bäume wiederum sind natürliche Klimaanlagen, die die Luft in der Umgebung kühlen und angenehmer machen.

Die Mobilitätsorganisation VCÖ – Mobilität mit Zukunft möchte nun gemeinsam mit der Bevölkerung aufzeigen, in welchen Straßen die Hitzebelastung zu groß ist. In einer Online-Karte auf www.vcoe.at können Hitze-Hotspots eingetragen werden. Der VCÖ sammelt die Einträge und leitet sie dann an die zuständigen Städte und Gemeinden weiter. Gesucht sind aber auch Positiv-Beispiele, wo mit Begrünungsmaßnahmen die Hitzebelastung in Straßen reduziert wurde.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


error: (c) arf.at