Wald findet Stadt

Mit dem Aufbau der Woodpassage am Grazer Hauptplatz am Dienstag, 21. Juni werden die Wald-Holz-Klima-Tage eingeläutet. Die beindruckende Skulptur bildet den Mittelpunkt für zahlreiche Informationsveranstaltungen, Workshops und Diskussionen zu den Themen Forst- und Waldwirtschaft, Holzbau und Klimaschutz. Den Auftakt dafür macht das Waldfest am Mittwoch, 22. Juni mit einem bunten Programm für alle Interessierten sowie einem Schwerpunkt für junge Besucher.

Die Auswirkungen von Bäumen – ob als Wald oder Holz – auf unser Klima sind enorm vielfältig. Als Stadtbäume sorgen sie für angenehmes Klima an heißen Sommertagen, als Baumaterial für ein gesundes Wohnklima und binden jede Menge CO2 – und leisten einen immensen Beitrag zur dringend nötigen Klimawende. Was der Wald für die Steiermark und das städtische Klima in Graz leistet und welches Potenzial in ihm schlummert, das erfährt man von 21. bis 30. Juni bei den Wald-Holz-Klima-Tagen am Grazer Hauptplatz.

Woodpassage am Grazer Hauptplatz 

Als weithin sichtbare Landmark wird die Woodpassage 10 Tage lang den Mittelpunkt für Informationsveranstaltungen, Workshops und Diskussionen zu Themen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Rohstoffs Holz und des Lebensraums Wald bilden. Sie besteht aus vier Holztoren, für die rund 13 Kubikmeter Holz (Tanne und Fichte) verwendet wurden. Diese Menge wächst in steirischen Wäldern in weniger als einer Minute nach und bindet etwa 13 Tonnen CO2 auf Dauer. Das entspricht dem Schadstoffausstoß eines Pkws in 8 Jahren, bei einer km-Leistung von 25.000 km/Jahr.

Vorreiterrolle in Sachen Holzbau 

Mit über 55.000 Arbeitsplätzen ist die Wald- und Holzwirtschaft der größte Arbeitgeber in der Steiermark. Herausragende Holzbauprojekte, vom Krankenhaus bis zu mehrgeschoßigen Wohnbauten, machen die Steiermark zum Vorzeigeland im Bereich des modernen Holzbaus. Und als Ausbildungshochburg mit der ersten „Mittelschule für Holz und Gestaltung“ und der ersten Professur für „Architektur und Holzbau“ an der TU Graz fand man bereits zahlreiche Nachahmer. Mit führenden Köpfen in der Holzforschung wie Prof. Gerhard Schickhofer von der TU Graz, nimmt die Steiermark ihrer Vorreiterrolle in Sachen Holzbau weiterhin sehr ernst und forscht stetig an weiteren Einsatzgebieten dieses genialen Rohstoffs, um das Potenzial von Holz für den Klimaschutz und weit darüber hinaus noch besser zu nutzen.

Holzbau als Chance für die Klimawende  

Anders als bei Beton und Stahl wird bei der Produktion von Holz kein CO2 freigesetzt – sondern absorbiert, wodurch unsere Atmosphäre entlastet wird. Wie kein anderes Baumaterial ist Holz zudem erneuerbar und benötigt weniger Energie sowohl in der Produktion, im Transport, als auch beim Energieverbrauch des Gebäudes. Gerade für eine stark wachsende Stadt wie Graz, in der der Bedarf nach Wohnraum rasant steigt, erweist sich der moderne Holzbau als Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Die Steiermark war bereits in der Vergangenheit Vorreiter für den modernen Holzbau, dessen Anteil im geförderten Wohnbau bereits von fünf auf knapp 30 Prozent gesteigert werden konnte. Mit dem Holzbau haben wir die Chance uns aus der Klimakrise „herauszubauen“. 

Bauen, Sanieren und Ausstatten mit Holz 

Mehr als 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden durch den Bau, den Betrieb und den Abbruch von Immobilien verursacht. Dies ließe sich durch den vermehrten Einsatz von Holz als Baumaterial rasch ändern. Denn es ist leichter als Stahl bei gleicher Tragfähigkeit, hat dieselbe Druckfestigkeit wie Beton, erreicht eine hohe Wärmedämmung und schafft ein fühlbar angenehmes Wohnklima. Auch aus bautechnischer Sicht sind dem Bauen mit Holz heute kaum mehr Grenzen gesetzt – vom mehrgeschoßigen Wohnbau über Hochregallager bis zu  Brücken. Und im Gegensatz zu anderen Baumaterialien hat Holz eine positive Ökobilanz! 

5.300 Unternehmen in der Holz-Wertschöpfungskette

Als waldreichstes Bundesland Österreichs hat sich die Steiermark bereits vor Jahren den drei Handlungsfeldern klimafitter Wald, Bauen, Sanieren und Ausstatten mit Holz sowie Ausbildung, Forschung und Entwicklung verschrieben. Mit zahlreichen Maßnahmen wird dem Klimawandel entgegen getreten und die Wirtschaft gestärkt. Die 5.300 Unternehmen der Holz-Wertschöpfungskette sind vor allem im KMU-Bereich und in den ländlichen Regionen angesiedelt. Sie ermöglichen regionales Wachstum und verhindern somit die Abwanderung.

Bäume für mehr Lebensqualität in der Stadt 

Aber auch in der Stadt leisten Bäume als Grünraumbepflanzung (nicht nur) im Sommer einen wichtigen Beitrag zu einem guten Stadtklima. Ein Baum ersetzt 10 Klimaanlagen und sorgt mit seinem Blätterrauschen für entspannte Atmosphäre anstelle nervigen Motorlärms. Zudem bewahren sie – nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt – dicht besiedelte Gebiete bei starken Regenfällen bzw. Unwettern auch vor Überschwemmungen.

Bei der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der Wald-Holz-Klima-Tage am Grazer Hauptplatz zeigte man sich von der Bedeutung des Waldes und der Holzwirtschaft für unsere Heimat überzeugt.

„Der Wald als wichtiger Naherholungsraum liegt uns besonders am Herzen“, betont Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz. „Wir haben daher erst kürzlich zusätzliche Grünflächen gesichert und sind auch weiterhin bestrebt, nicht nur die Waldflächen für unsere Bürgerinnen und Bürger zu vergrößern, sondern auch im innenstädtischen Bereich eine entsprechende Bepflanzung – bevorzugt nach dem Schwammstadtprinzip – zu forcieren. Damit bleibt Graz auch im Sommer eine lebenswerte Stadt für ihre Bürgerinnen und Bürger. Denn vom Baum bis zum Möbelstück sorgt Holz für ein angenehmes Klima.“ 

Judith Schwentner, Vizebürgermeisterin: „Wir spüren es jedes Mal, wenn wir durch einen Wald spazieren: Bäume tun uns gut. Dieses Gefühl können wir für den urbanen Raum mitnehmen, indem wir Holz als natürlichen Baustoff verwenden. Keine andere Bauweise ist so klimafreundlich wie jene aus Holz, da dadurch der CO2-Ausstoß um ein Vielfaches gesenkt und der ökologische Fußabdruck verringert wird. Holz punktet als nachwachsender Rohstoff, muss keine langen Wege zurücklegen, überzeugt durch eine lange Lebensdauer und hilft nachweislich, CO2 zu binden. Indem wir künftig vermehrt auf klimafreundliche Holzbauweisen setzen, nehmen wir als Stadt Graz nicht nur unsere Verantwortung als Bauträger:in sehr ernst, wir leben damit auch Nachhaltigkeit vor.“

„Was der Wald für unsere regionale Wirtschaft leistet, ist vielen nicht bewusst“, gibt Wirtschafts- und Kulturstadtrat Günter Riegler zu bedenken. „Mehr als 5.300 Unternehmen stehen in der Wertschöpfungskette in der Steiermark im Zusammenhang mit der Forst- und Holzwirtschaft. Damit ist diese der größte Arbeitgeber und stärkt vor allem auch die unter Abwanderung leidenden ländlichen Regionen. Besonders im Hinblick auf die überfällige Klimawende werden wir weiterhin einen klaren Fokus auf die Entwicklung der Holzwirtschaft legen.“ 

„Wenn wir die Waldpflege und Holzverwendung forcieren, stärken wir die Steiermark nachhaltig. So leisten wir nicht nur einen dringend nötigen Beitrag zum Klimaschutz, wir stärken auch die gesamte Steiermark und im Speziellen die Regionen. Denn die Holz-Wertschöpfungskette sichert schon jetzt mehr als 55.000 Menschen in unserem Bundesland das Arbeitseinkommen“, unterstreichen die proHolz-Obleute Paul Lang und  Manfred Steinwiedder die Bedeutung der Branche.

„Alle vier Minuten wächst in den steirischen Wäldern Holz für ein Einfamilienhaus nach und bindet dabei CO2“, so Franz Mayr-Melnhof, 2. Obmann-Stellvertreter proHolz Steiermark. „Allein das Holz der  Woodpassage bindet 13 Tonnen CO2, was dem Ausstoß eines Pkw innerhalb von 8 Jahren entspricht. Aber nur ein gesunder und klimafitter Wald kann die Funktionen als Rohstofflieferant und Klimaregulator erfüllen. Darum ist die Pflege und Bewirtschaftung der Waldfläche eine große Verantwortung für jeden Waldbesitzer“, betont Mayr-Melnhof und verweist auf die Unterstützung durch Mittel des Waldfonds.

Wald-Holz-Klima-Tage

  • 21.- 30. Juni 
  • Hauptplatz Graz
  • zahlreiche Aktivitäten rund um Forst- und Waldwirtschaft, Holzbau und Klimaschutz 

Waldfest

  • 22. Juni, 10-16 Uhr
  • Hauptplatz Graz
  • buntes Programm für alle Interessierten + Schwerpunkt für junge Besucher

Über die Woodpassage

Sie besteht aus vier Holz-Toren, aus großen Holzblöcken geschnitten und macht die Umformung vom Baum zum klimaschützenden Haus mit allen Sinnen erlebbar. Denn jeder Baum bindet während seiner Wachstumsphase CO2, und durch die Verarbeitung zu Holzprodukten bleibt pro Kubikmeter Holz in etwa eine Tonne CO2  dauerhaft gebunden. So sind in der Woodpassage, für welche 13 Kubikmeter Holz (Tanne und Fichte) verwendet wurden, etwa 13 Tonnen CO2 auf Dauer gebunden. Das entspricht dem Schadstoffausstoß eines Pkws in 8 Jahren, bei einer km-Leistung von 25.000/Jahr. Diese Menge Holz wächst in steirischen Wäldern übrigens in weniger als einer Minute nach! 

Die begehbare Installation ist eine grenzübergreifende Initiative von proHolz Austria, proHolz Bayern und Lignum Schweiz tourt seit 2019 durch den DACH-Raum. Nun ist sie erstmals in Graz zu Gast.

Über proHolz Steiermark 

Der Verband ist das gemeinsame Sprachrohr der gesamten steirischen Holzwertschöpfungskette Forst, Holz und Papier. Seit rund 30 Jahren trägt diese Organisation neben den Branchenvertretungen mit ihren Arbeitsbereichen Öffentlichkeitsarbeit, Holz-Fachinformation und Aus- und Weiterbildung zur gezielten Steigerung der Holzverwendung bei.

Nähere Informationen: www.proholz-stmk.at // www.woodpassage.eu

v. l.): Günter Riegler (Wirtschafts- und Kulturstadtrat), Doris Stiksl (Geschäftsführerin pro:Holz Steiermark), Judith Schwentner (Vizebürgermeisterin der Stadt Graz), Paul Lang (Obmann pro:Holz Steiermark), Elke Kahr (Bürgermeisterin der Stadt Graz), Manfred Steinwiedder (1. Obmann Stellvertreter pro:Holz Steiermark)
v. l. vor der Woodpassage am Grazer Hauptplatz): Manfred Steinwiedder (1. Obmann Stellvertreter pro:Holz Steiermark), Judith Schwentner (Vizebürgermeisterin der Stadt Graz), Elke Kahr (Bürgermeisterin der Stadt Graz), Paul Lang (Obmann pro:Holz Steiermark), Doris Stiksl(Geschäftsführerin pro:Holz Steiermark), Günter Riegler (Wirtschafts- und Kulturstadtrat)

Fotos: Oliver Wolf

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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