Vor den Vorhang: ARF – Unternehmer der Woche sind Caroline Rodlauer und Heimo Salzger, ROSA Architektur

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Caroline Rodlauer und Heimo Salzger vor, die in Bad Mitterndorf das Unternehmen ROSA Architektur leiten. Die Kürzel stehen für ROdlauer und SAlzger.

1.Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?

Caro: Nach der Pflichtschule und Matura – und zwischendurch einem Auslandsjahr in Sydney/ Australien – habe ich an der Technischen Universität Graz Architektur, sowie an der Kunstuniversität Musikerziehung studiert, und beides mit Auszeichnung abgeschlossen.

Prägend war für mich in dieser Zeit meines Lebens der frühe Verlust meines Vaters, was sicherlich ausschlagebend dafür war, dass ich eine „200%-Person“ bin: Ich stelle hohe Ansprüche an mich selbst, war immer breitgefächert tätig, bilde mich laufend fort, und lebe durchaus intensiv – stets mit dem Hintergedanken, eben nicht zu wissen, wie lange man hat, und um die Zeit bestmöglich zu nutzen.

Unsere 4 mittlerweile erwachsenen Kinder (je 2) sind unsere größte Freude – weltumspannende Reisen lassen sich trotz äußerst anspruchsvollem Berufsalltag gut integrieren – frei nach dem Motto „work hard, play hard“.

Ich arbeite durchgehend – auch neben den Ausbildungen – seit ich 14 Jahre alt bin. Seit 2009 haben wir ein eigenes Architekturbüro in meiner Heimatgemeinde und ich bin auch in zahlreichen anderen Gemeinden als Bau- und Ortsbildsachverständige tätig.

Nebenberuflich bin ich zudem in Initiativen zur Regionalentwicklung aktiv.

Heimo:

Als HTL- und Architekturabsolvent; sowie Baumeister war ich stets technisch interessiert, war nach der Ausbildung einerseits in renommierten Architekturbüros im Spital- und Schulbau tätig, und lehre bis heute an der HTL Ortwein, sowie an der Fakultät für Bauingenieurwesen der TU Graz.

Bei ROSA-Architektur setze ich vor allem die komplexen Industriebauvorhaben um.

Nebenberuflich bin ich Pilot – mit großer Leidenschaft.

2.Wie groß ist euer Betrieb?

C+H: Wir pendeln uns auf 6-10 Personen im Team ein und umspannen ein relativ breites Knowhow: Bauleiter, Architekten, Baumeister. Wir leben ein gutes Team-work, die gerade so modernen Schlagwörter wie work-life-balance, freie Zeiteinteilung, Familientauglichkeit, home-office usw. sind für uns Standard, und ich denke, unsere Mitarbeiter wissen diese Form des Miteinanders, des Arbeitsplatzes, durchaus zu schätzen.

3.Was ist deine Motivation, Unternehmer zu werden, gewesen?

Caro: Ich wollte stets proaktiv mein Lebensumfeld, unsere Heimatregion mitgestalten. Ein abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld ist mir dabei wichtig – so beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Regionalentwicklung, Ortskernbelebung, zukünftige Wohnformen, Baukultur, Leben im Alter, Nachhaltigkeit, Raumplanung und Bodenpolitik.

Dieses weitumspannende Agieren war mir als frühere Angestellte leider nicht möglich. Ich bin eine Person, die gerne mitwirkt, im Team arbeitet, unzählige Ideen hat, und diese auch umsetzten möchte. Das hat letztlich den großen Schritt in die Selbständigkeit forciert.

Als (damals) junge Frau, Architektin, und vor allem „von Null auf“ in unserer Region ein Unternehmen aufzubauen war durchaus ein wagemutiger Schritt, den ich jedoch trotz großem persönlichen Einsatz nie bereut habe.

Heimo:

Ich bin Quereinsteiger-Unternehmer und habe die Geschäftsführung von Gernot Greimeister übernommen – dank meiner mittlerweile jahrzehntelangen Expertise und Erfahrung in der Projektabwicklung gelang der vielleicht späte Schritt doch friktionsfrei.

„Wir setzen um“ ist unser Leitspruch – da möchte ich Verantwortung übernehmen: Für unsere Mannschaft, unsere Projekte, und die Entwicklung unserer Region.

4.Welche Eigenschaften muss eurer Meinung nach ein Unternehmer haben?

C+H: Mehr denn je erfordert unsere Gesellschaft und unser Umfeld geradlinige Persönlichkeiten mit Bodenhaftung, die Meinungen haben, es sich auch leisten können, diese zu vertreten, Entscheidungen treffen können, langfristige Prozesse und Projektierungen strukturiert und lösungsorientiert umsetzen und in die Gänge bringen können.

Menschen, die vorwärts schauen, lernfähig sind, und Zusammenhänge begreifen, Menschen, die Protagonisten sind und Verantwortung übernehmen.

Gerade in unserem Tätigkeitsfeld sind das Zusammenspiel von Kreativität, technischem Knowhow, soziokulturellem Verständnis und Nachhaltigkeitsdenken spannend und wesentlich.

Auf unsere Region bezogen ist zudem eine enorm „dicke Haut“ unerlässlich – denn wie allseits bekannt, hat es der „Prophet“ im eigenen Land stets schwerer, als derjenige, der gar nicht agiert oder von aussen kommt.

Zauderer, politische Abwäger, Opportunisten oder entscheidungsschwache Persönlichkeiten mit „dünner Haut“ eignen sich als Unternehmer meiner Ansicht nach daher weniger.

5.Was sind eure wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?

C+H: Das waren stets jene, wo man über den eigenen Schatten gesprungen ist, und sich etwas zugetraut hat: das erste große Hotelprojekt, den ersten großen Schulbau – alles verantwortungsvolle, weitreichende Aufgaben!

Wichtig war uns auch stets, objektiv und unabhängig zu bleiben. So dürfen wir nach fast 15 Jahren Unternehmertum stolz festhalten, dass unser Erfolg auch OHNE „Klinkenputzen“, Lobbyieren potentieller Auftraggeber, ohne politische Interventionen, ohne „sich zu verkaufen“ funktioniert hat.

Persönlich war einer meiner/ unserer wichtigsten Schritte jener, sich aus dem Schatten des Dienstleisters Richtung verantwortungsvollem Mitgestalter zu entwickeln und profilieren: Mit der Entscheidung, NICHT mehr jeden Auftrag anzunehmen, und uns klar von unnachhaltigen, strittigen Projekten zu distanzieren, fühlen wir uns enorm wohl.

Wir haben mit manchen gut gemeinten Projekten unser Lehrgeld gezahlt und wissen, wie insbesondere bei „Immobilienspekulationsprojekten“ der Hase läuft. In den vergangenen Monaten haben wir daher zahllose immens lukrative Großprojekte in der Region, aber auch überregionale klar, deutlich und begründet abgesagt, da diese mit unseren Werten, und unserem Qualitätsanspruch nicht zusammenpassen, wohlwissend, dass wir sie dadurch natürlich nicht verhindern werden können. Stolz sind wir auch darauf, in durchaus umfangreichen Ausmaß ehrenamtlich tätig zu sein, zum Wohle der Menschen und der Region.

6.Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?

Bau-Boom, Flächenverbrauch, Zersiedelung, Spekulationsprojekte, Leerstand, Ausverkauf der Heimat versus Klimaziele, Nachhaltigkeit, Enkeltauglichkeit, qualitatives Lebensumfeld.

Der Spannungsbogen ist enorm, und es ist mehr als an der Zeit, dass Entscheidungsträger, Planer, Makler, Liegenschaftsverkäufer, Politiker endlich die Handbremse anziehen, Bewusstseinsbildung betreiben, Zukunftskonzepte erarbeiten und Handlungen setzen.

Hier die Scheuklappen aufzusetzen, sich zurückzulehnen und abzuwarten, ist fahrlässig.

7.Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?

Aus unserer Persönlichkeitsstruktur heraus sind wir vehemente Befürworter der Eigenverantwortung. Insbesondere in Österreich hat Jede*r sämtliche Möglichkeiten, alle Chancen und zudem ein einzigartiges Sozialsystem und Sicherheitsnetz.

Darum sollte man – frei nach JF Kennedy – eher fragen, was ich und wir für unseren Staat, unsere Region, unsere Gemeinde tun können, statt umgekehrt.

Der Staat ist kein Selbstbedienungsladen, kein „Sorglos-all-inclusive-Paket“, wir sollten uns auch als Einzelne unserer Pflichten wieder bewusst werden, und nicht nur lautstark fordern.

Als regionale Unternehmer tragen wir auch neben unserem eigentlichen Tätigkeitsbereich als Architekten viel in der Heimat bei – als Kommunalabgabenzahler, im Unterstützen der Vereine, Schulen und Körperschaften, im Bereitstellen von Arbeitsplätzen, in der Ausbildung junger Einheimischer.

Als starke Steuerzahler für den Staat (und das tun wir gerne!) erwarten und erhoffen wir natürlich schon, dass unser hart verdientes Geld – ähnlich einem gesunden Unternehmen – zielgerichtet eingesetzt wird, den sozial Schwächsten zugute kommt, und ein System finanziert, das hoffentlich zukunftsbewusst und sparsam agiert.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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