Vor den Vorhang: ARF – Unternehmer der Woche ist Dir. Gerfried Gaugelhofer, Hotel Erzherzog Johann

Das Ausseer Regionalfernsehen setzt die Serie mit dem Titel „UnternehmerIn der Woche“ fort. Viele Personen kennen zwar die Betriebe, die von diesen Persönlichkeiten geführt werden, aber nicht unbedingt Näheres zu ihrem Werdegang und zu ihren Werthaltungen.

Diesmal stellen wir Dir. Gerfried Gaugelhofer vor, der in Bad Aussee das Hotel Erzherzog Johann führt.

1. Kannst du deinen bisherigen Lebensweg kurz darstellen?
Ein typischer Lebenslauf für einen Hotelier. Aufgewachsen in einem Hotel am Millstättersee, Hotelfachschule in Villach, Bundesheer, anschließend 5 Jahre im Ausland, unter anderem in Houston in Texas, auf den Bermudas, auf einem Schiff habe ich die ganze Welt bereist. Nach der Rückkehr habe ich den elterlichen Betrieb übernommen – ein Sommerbetrieb. Im Winter war ich 13 Jahre am Arlberg, bin hin und her gependelt. Bis wir beschlossen hatten, dass ein Sommersaisonbetrieb in dieser Größenordnung eigentlich zu klein ist, und daher haben wir den Betrieb verkauft. Ich habe dann unmittelbar darauf eine Direktion in der Cordiagruppe für die Dauer von 13 Jahren übernommen – Ich habe drei Hotels in Kitzbühel zugleich geführt. Im Anschluss war ich für 10 Jahre in der Cube-Gruppe, davon sechs Jahre in der Schweiz. Hier führte ich zwei Hotels, interimsmäßig auch drei. Im Anschluss ein Pre-Opening am Nassfeld und danach direkt ins Erzherzog Johann Hotel in Bad Aussee, wo ich seit vier Jahren bin. Angestellt wurde ich damals von der Volksbank, im Mai hat die Zoidl-Stiftung das Hotel gekauft und so bin zu Manfred Zand gekommen.

2. Wie groß ist das Erzherzog Johann in Bad Aussee?
Wir haben 62 Zimmer, d.h. 124 Betten. Momentan sind 9 Suiten / Appartements in der Villa Braun im Bau. Im Anschluss kommen über der Volksbank nochmals 7 Zimmer mit 2 Suiten dazu.
Wir haben 45 MitarbeiterInnen, mit den Praktikanten fast 50. Zum Teil in Teilzeit, z.B. beim Frühstück und in der Rezeption arbeiten einige Damen 20 oder 30 Stunden, und sonst Vollzeit in einer 5-Tage Woche mit 40 bis 45 Stunden.
Wellness / Spa spielt eine große Rolle. Wir sind ein Stadtwellnesshotel mit 1200 m² Wellness auf zwei Etagen, dies wird sehr gut angenommen. Für einen Jahresbetrieb ist dies sehr wichtig. Daher werden wir den Wellnessbereich in Zukunft auch noch ausbauen.
Wir habe sehr viele Stammgäste, die uns zum Teil 3 bis 4 Mal im Jahr besuchen. Einen sehr großen Anteil an österreichischen Gästen, fast 80 Prozent, 10 bis 15 Prozent aus Deutschland, der Rest international.

3. Was ist deine Motivation, Unternehmer bzw. im Tourismus in führender Position tätig zu werden?
Weil ich in einem Tourismusbetrieb aufgewachsen bin, war das für mich schon von Kindheit her klar, wohin die Reise geht. Der Kontakt zu den Menschen, man lernst ständig interessante Leute kennen und kein Tag ist wie der andere, immer eine Herausforderung. Etwas zu bewegen, vorauszuschauen, vorauszudenken, vielleicht ein bisschen ein Visionär zu sein. Wenn man gerne mit Menschen zusammen ist, spielt es auch keine Rolle, wie viele Stunden man investiert, die werden nicht gezählt. Wichtig ist, dass am Ende des Tages alles funktioniert hat. Ich genieße natürlich auch gerne ein oder zwei freie Tage, aber nur mit der Gewissheit, dass alles genau so läuft, als wenn ich anwesend wäre.  In meiner Freizeit bin ich mit meiner Familie zusammen. Meine drei Kinder sind, 6, 9 und 12 Jahre alt. Wir haben ein Familienhaus von meinen Eltern am Millstätter See, die Mädchen wohnen dort und gehen auch dort zu Schule.

4. Welche Eigenschaften muss deiner Meinung nach ein Unternehmer haben?
Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass man gerne mit Menschen zusammen ist. Weiters, dass man eine kaufmännische Ausbildung hat, um Leute gut führen zu können.

5. Was sind deine wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen gewesen?
Für mich war immer wichtig, in der gehobenen Gastronomie zu arbeiten.

6. Was kommt in Zukunft auf deine Branche zu? Welche Entwicklungen siehst du?
Für uns ist die größte Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen und diese auch zu behalten. Das nächste Problem ist die rasante Preissteigerung. Sei es bei Lebensmitteln, bei Energie und vielem mehr. Diese Umsetzung ist für mich derzeit die größte Herausforderung. 
Betreffend Mitarbeitersuche: Man darf eines nicht vergessen – meine Generation war der Babyboom. Inzwischen hat sich alles sehr verändert. Am Wochenende zu arbeiten ist nicht gefragt, wobei mir persönlich dies egal ist, da ich meine persönlichen Aufgaben während der Woche gut erledigen kann. Die Menschen wollen 5 Tage arbeiten, der Gedanke geht auch zu einer 4 Tage-Woche. Die Frage ist allerdings, ob man sich das leisten kann. Wenn ich heute 4 Tage, mit 40 Stunden oder weniger, arbeite, dann benötige ich 20 Prozent mehr Mitarbeiter. Dies ist dann eine Rechenaufgabe, ob sich dann noch alles ausgeht. Wenn ich dies in die Kalkulation einrechne, kommt es zu einer Preissteigerung von etwa 20 Prozent und ob dies der Gast mitträgt? Es gibt inzwischen Hotels, die zwei Tage in der Woche schließen, wobei ich mir nicht vorstellen kann, wie das geht. Denkbar ist, dass man mit anderen Mitbewerbern kooperiert, z.B. im Restaurantbetrieb. Ein Beispiel wäre, dass nicht alle an einem Montag Ruhetag haben. Ich glaube, dass es ein Umdenken geben muss. Entweder schließt man in den Hotels die Restaurants oder bietet nur mehr Frühstück an. Automatenhotels – das ist für das Erzherzog Johann nicht denkbar. Wir habe so eine Bindung zu unseren Gästen und auch die Gäste zu uns, zum Haus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei uns keiner mehr an der Rezeption ist, und man stattdessen über das Handy eincheckt. Es gibt bereits Betriebe, welche einen Roboter hinstellen.

7. Was soll der Staat an Rahmenbedingungen verändern?
Es gäbe viele Möglichkeiten, wo auch z.B. für die Mitarbeiter mehr übrig bleibt, sprich bei den Überstunden. Das Personal soll ja gut verdienen für ihre geleistete Arbeit, da sollte uns der Staat unterstützen. Der Staat weiß dies sehr wohl, ist aber nicht bereit, auf Einnahmen / Steuern zu verzichten. Aber eins soll man nicht vergessen: Was die Leute verdienen, wird ja auch in verschiedenen Formen wieder investiert / ausgegeben. Da profitiert ja auch wieder der Staat davon.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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