VCÖ: Verbrauch hat stärkeren Einfluss auf Spritkosten als der Spritpreis

Der Verbrauch hat deutlich stärkeren Einfluss auf die Spritkosten als der Spritpreis, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Bei aktuellen Spritpreisen betragen die Spritkosten für ein durchschnittliches Auto der steirischen Haushalte rund zwölf Cent pro Kilometer. Bei einem Verbrauch von fünf Litern pro 100 Kilometer sinken die Kosten auf neun Cent pro Kilometer. Damit wären die Kilometerkosten niedriger als beim aktuellen Durchschnittsverbrauch und einer Preissenkung um 30 Cent pro Liter und dem aktuellen Durchschnittsverbrauch. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Erdölabhängigkeit des Verkehrs und damit die Kosten für die Haushalte zu reduzieren.

„Die Spritpreise stehen zwar im Fokus der öffentlichen Diskussion, eine viel größere Auswirkung auf die Spritkosten der Haushalte hat aber der Spritverbrauch“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest. Eine VCÖ-Analyse zeigt, dass bei aktuellen Spritpreisen und aktuellem Durchschnittsverbrauch der Pkw der steirischen Haushalte die Spritkosten bei rund zwölf Cent pro Kilometer liegen. Sinkt der Spritpreis um 30 Cent pro Liter liegen die Spritkosten bei zehn Cent pro Kilometer. In Deutschland, wo Eurosuper zuletzt um 35 Cent pro Liter teurer war als in Österreich, wird mit einem Preisrückgang bei Eurosuper um bis zu 30 Cent gerechnet.

Deutlich stärker wirkt sich die Reduktion des Verbrauchs aus. Die Benzin-Pkw der steirischen Haushalte verbrauchen im Schnitt 6,6 Liter pro 100 Kilometer, die Diesel-Pkw 6,4 Liter. Bei einem Verbrauch von 5 Liter pro 100 Kilometer sinken bei aktuellen Spritpreisen die Spritkosten auf neun Cent pro Kilometer, bei einem Verbrauch von vier Litern auf sieben Cent pro Kilometer. Das entspricht einer Spritpreisreduktion um rund 75 Cent pro Liter, verdeutlicht der VCÖ. Beim bereits vor 30 Jahren angekündigten 3-Liter-Auto sinken die Spritkosten bei aktuellen Preisen auf fünf Cent pro Liter. Und: Während derzeit ein Diesel-Pkw im Schnitt 168 Gramm CO2 pro Kilometer verursacht und ein Benzin-Pkw im Schnitt 152 Gramm CO2 pro Kilometer, sinkt der CO2-Ausstoß bei einem 3-Liter Auto auf 79 Gramm (Diesel) beziehungsweise 69 Gramm (Benzin).   

„Anstatt aber vor allem sparsame Modelle auf den Markt zu bringen, haben die Hersteller schwerere, breitere und übermotorisierte Modelle forciert. Sie tragen die Verantwortung dafür, dass der reale Spritverbrauch der Autoflotte in den vergangenen Jahren kaum gesunken ist“, stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.

Der reale Verbrauch aller Diesel-Pkw der steirischen Haushalte ist heute mit 6,4 Liter pro 100 Kilometer lediglich um nur 0,7 Liter niedriger als vor 20 Jahren, informiert die Mobilitätsorganisation VCÖ. „Der zu hohe Verbrauch treibt die Spritkosten stärker in die Höhe als die Treibstoffpreise. Deshalb sind politische Maßnahmen zu setzen, die den Verbrauch reduzieren und zwar rasch und umfassend“, fordert VCÖ-Experte Schwendinger.

Zentral sind gute Alternativen zum Pkw, wie häufige Bahnverbindungen und ein gutes Busangebot. „Die Situation erfordert auch neue Maßnahmen, wie Busspuren auf den Autobahnen in Ballungsräumen. In den anderen Ländern gibt es bereits Busspuren für Schnellbuslinien vom Umland in die Städte, die von Pendlerinnen und Pendlern stark genutzt werden“, erklärt VCÖ-Experte Schwendinger. Die Covid-19 Pandemie hat international gezeigt, dass in Städten durch die Umwidmung von Kfz-Fahrbahnen in Radwege rasch für die Bevölkerung eine sichere Infrastruktur geschaffen werden kann, die auch viel genutzt wurde. Viele, die Auto fahren, fahren auch Rad. Viele Autofahrten sind in Radfahr-Distanz.

Die Bundesregierung ist zudem gefordert, durch eine Informationskampagne über die Möglichkeiten zum Spritsparen zu informieren. Ein spritsparender Fahrstil kann den Verbrauch um 15 bis 20 Prozent verringern, das ist im Schnitt 1 Liter weniger pro 100 Kilometer. In Summe bringt das bei aktuellen Spritpreisen den steirischen Autofahrerinnen und Autofahrer eine jährliche Ersparnis von rund 140 Millionen Euro und es werden damit 195.000 Tonnen CO2 vermieden, macht der VCÖ aufmerksam.

Für Unternehmen und Betriebe ab 50 Beschäftigten soll Mobilitätsmanagement verpflichtend werden. Mit Maßnahmen wie Jobticket, Jobräder sowie der Förderung von Fahrgemeinschaften können die Mobilitätskosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesenkt werden.  

Sofort umsetzbar ist die Herabsetzung von Tempolimits, wie Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen und Tempo 110 statt 130 auf Autobahnen. Bei 110 km/h ist der Verbrauch eines Pkw im Schnitt im 17 Prozent niedriger als bei 130 km/h, bei 100 km/h sogar um 23 Prozent.

Auf EU-Ebene sind die CO2-Grenzwerte für die Hersteller zu senken. Das Ziel für das Jahr 2030 (59 Gramm CO2 pro Kilometer) ist auf das Jahr 2025 vorzuverlegen. Zusätzlich braucht es Vorgaben für das Gewicht und die Motorstärke der Neuwagen. Denn Übergewicht und Übermotorisierung treiben auch bei E-Autos den Energieverbrauch in die Höhe.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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