Steirische Landesjägerschaft: Der Tod lauert nicht nur auf der Straße

Ein Drama, das – wie so oft – unbemerkt von den Menschen blieb, spielte sich mitten im Grazer Stadtbezirk Wetzelsdorf in den letzten 48 Stunden ab:

Die glitschige Abdeckfolie des Pools, in welcher sich Regenwasser sammelte, wurde zur verhängnisvollen Todesfalle für eine Rehgais, die noch dazu, so stellte sich bei der Bergung durch den herbeigeeilten Jäger heute heraus, auch noch gerade Mutter geworden war.

Stundenlang muss das Reh versucht haben, den rettenden Rand des im Garten eines Einfamilienhauses aufgestellten Pools zu erreichen.

Vergeblich – der verzweifelte Todeskampf der Rehgais wurde von niemandem wahrgenommen. Erschöpft durch den stundenlangen Kampf ertrank das Tier schließlich qualvoll – die zuständigen Jäger suchen nun nach dem verwaisten Rehkitz, das ohne seine Mutter keine Überlebenschance hat.

Wildtiere haben es in der vom Menschen geprägten Kulturlandschaft nicht einfach

In der vom Menschen geprägten Landschaft – wir sprechen hier auch von „Kulturlandschaften“ finden Wildtiere immer weniger Platz. Sie müssen zwischen all den Bedürfnissen des Menschen jene Zwischenräume suchen, in denen sie noch ihren Lebensraum finden. Der Versuch, zwischen den nach unseren Bedürfnissen gestalteten Landschaften auf der Suche nach Restplätzen Hindernisse und Gefahren überwinden, um ihr Bedürfnis nach Ruhe und Nahrung zu befriedigen. Das bringt viele Gefahren mit sich und der Tod für Wildtiere lauert schon lange nicht mehr nur auf der Straße.

Reh, Igel und andere Säugetiere ertrinken in plötzlich gefüllten Swimmingpools – sie kennen die natürlichen Gewässer ihrer Umgebung ganz genau. Die plötzlich über Nacht vom Menschen geschaffene Gefahr kommt für sie unvorbereitet und wird zur Todesfalle.

Für großräumig lebende Wildtiere wie den Wolf oder auch den Luchs bedeuten die Verkehrswege des Menschen lebensgefährliche Barrieren und gerade junge Tiere auf der Wanderschaft fallen nicht selten dem Straßenverkehr zum Opfer, wie Erfahrungen aus der Schweiz oder aus Deutschland zeigen. Auch für Greifvögel stellt unser dichtes Straßennetz eine große Gefahr dar.

Mit gezielter Lebensraumgestaltung und Rückzugsflächen versuchen die Jägerinnen und Jäger den heimischen Wildtieren das Leben zu erleichtern und ihnen das Zusammenleben mit uns Menschen leichter zu machen.

Wildwarner entlang von Straßen, angelegte Äsungsflächen an dafür geeigneten Plätzen, aber auch die Vernetzung von solchen Restflächen inmitten der menschlich geprägten Siedlungsgebiete erfordert Fach- und Sachkenntnis und viel Herz – neben den größeren Arten profitieren von solchen Flächen und Lenkungsmaßnahmen auch zahlreiche Insekten und Singvögel – ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität und zum Artenschutz.

Wenn dem „Kulturfolger“ das Folgen schwerfällt

Egal ob auf Wiesen, am Stadtrand oder in Bergwäldern – das Rehwild ist jene Wildtierart, welche wir in der Steiermark von allen Huftieren am häufigsten in der Natur antreffen. Grund dafür ist, dass Rehe zu den so genannten Kulturfolgern gehören und leichter mit der sich verändernden Landschaft zurechtkommen als viele andere Wildtierarten bei uns in der Steiermark.

Und obwohl das Reh als Kulturfolger noch flexibel erscheint, sterben rund 10.000 Rehe jährlich in der Steiermark bei alltäglichen Unfällen mit Menschen: Verkehrsunfälle sind die Todesursache Nummer 1, es folgen jene Fälle, in denen Hundehalter ihren Verpflichtungen nicht nachkommen und Rehe oder gerade jetzt im Mai und Juni kleine Rehkitze schwer verletzt oder auf grausame Weise getötet werden. Auch die gerade einsetzende Mahd ist ein Problem – hier bemühen sich Landwirte gemeinsam mit den Jägerinnen und Jäger über den Einsatz von Drohnen, am Mähgerät angebrachte Warngeräte –  sog. „Kitzretter“-  oder mit vielfacher Man- und Womanpower durch Absuchen der Flächen unmittelbar vor der Mahd um den gelebten Schutz unserer Wildtiere. 

Fotocredit: Steirische Landesjägerschaft

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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